Jungle World abonnieren
Jungle World - shop
Kürzliche Beiträge
25. Februar 2011, 18.10 Uhr:

Tanzen & Singen in Tripolis

von Oliver M. Piecha

Aber nicht, weil endlich passiert wäre, was doch sowieso kommen muß. Nein, Gaddafi hat seine Unterstützer zusammengetrommelt, eine Schätzung geht von 7-8000 Menschen aus, die sich auf dem “Green Square” versammelt haben, um IHN zu preisen. Und ER ist ihnen auch erschienen, diesmal ohne Regenschirm: “You the youth, dance, sing, stay up all night, live a life of dignity,” the Libyan leader orders, gesticulating enthusiastically. “Dance and sing, joy and rejoice.” (Guardian)

Und wenn die Party vorbei ist, geht die Welt unter: More tough talk from Col Gaddafi, saying he would arm his supporters to defeat the uprising against him: “With the armed people we can defeat all aggression. When necessary we will open all arms depots to arm the Libyan people. Libya will become a red flame. (BBC)

25. Februar 2011, 16.07 Uhr:

Der Sheikh will gewählt werden

von Jörn Schulz

Eine demokratische Gesellschaft bedarf keiner Geistlichen, die ihr die Regierungspropaganda predigen, wie es unter anderem in Ägypten bislang der Fall war. Es ist zwar zu früh, das Ende des Staatsislam zu verkünden, aber die Verhältnisse kommen in Bewegung, sogar an der al-Azhar-Universität in Kairo, die als höchste Autorität des sunnitischen Islam gilt. Ahmed al-Tayeb, als Grand Sheikh Leiter der Universität, will von einer Säkularisierung nichts wissen, fordert nun aber Autonomie für al-Azhar: „Its Grand Sheikh should be elected not appointed by the state.“ Erfreulich ist, dass Tayeb offenbar sein Personal nicht unter Kontrolle hat: “He urged people to return to work and stop sector protests because they are damaging the economy. A group of Al-Azhar employees protested in front of its headquarters demanding better wages.”

 

 

 

25. Februar 2011, 12.28 Uhr:

Ein treuer Genosse

von Oliver M. Piecha

Ehrloses Europa, hier sind sie schon alle übergelaufen und haben Muammar noch schnell einen Dolchstoß verabreicht, die ehemaligen antiimperialen Kräfte. Ströbele! Aber nicht nur im Präsidentenpalast von Managua, auch in Caracas ist man sich dessen bewußt, daß bei der Niederschlagung einer Konterrevolution halt auch Späne anfallen. Der Führer des Sozialismus des 21. Jahrhunderts twittert Solidarität: “Viva Libya and its independence! Gadhafi is facing a civil war.” Ein bißchen verdruckst ausgedrückt ist das schon, das könnte sich doch nicht etwa als  ein Anzeichen von beginnendem Defaitismus herausstellen? (Der andere Führer des Sozialismus des 21. Jahrhunderts ist schon umgefallen).

Der venezolanische Außenminister fügt im übrigen noch hinzu, man dürfe “imperialen” Nachrichtenagenturen nicht glauben. Man macht sich nämlich lieber eine ganz eigene Realität zurecht. So wie Muammar. Der glaubt auch nur noch, was er in seinem Staatsfernsehen sieht.

Guardian: Venezeuela’s top diplomat has said the United States and other western countries are trying to create a movement inside Libya aimed at toppling Moammar Gadhafi, while the country’s president, Hugo Chavez, has taken to Twitter in an apparent show of support for Moammar Gaddafi.

Foreign Minister Nicolas Maduro did not condone or condemn Gaddafi’s violent crackdown in Libya, but called for a peaceful solution to the turmoil and questioned the accuracy of western media reports from the country.

“They [the US and other countries] are creating conditions to justify an invasion of Libya,” Maduro said.

“Libya is going through difficult times, which should not be measured with information from imperial news agencies,” Maduro added, referring to western media.

24. Februar 2011, 16.33 Uhr:

Ein Überläufer

von Oliver M. Piecha

Jean Ziegler, vor dem Ausleeren von Ak-47-Magazinen auf Libyer ganz der Gaddafispähre angehörig, geht plötzlich beim Deutschlandfunk in Deckung. Eine kluge Erscheinung. Immer obenauf. Immer mit den Armen und Schwachen beschäftigt. Im Namen von Diktatoren und aus der Schweiz heraus.  Bei diesem Anblick nur nicht übergeben. Jetzt fordert er wohlbehütet im Deutschlandfunk gegen seinen vormaligen Wohltäter ganz extreme Maßnahmen. Grandios,  diese Äußerungen eines Kollaborateurs par excellence. (Dagegen ist Gaddafi tatsächlich ein ehrenvoller Beduine):

Ich bin also nicht der Einzige. […] Man ist immer der Einzige in der (…) Sackgasse in seinem kleinen Büro da im östlichen Vorstadt von Tripolis unter dem Zelt (…), aber er lädt reihenweise Intellektuelle ein. Ich habe mich nie in irgendeiner Form mit irgendeiner politischen Aktion Gaddafis solidarisiert, diesen impliziten Vertrag hat er immer respektiert. […]

Man muss aufpassen, wenn es um Beduinen geht, also so große intuitive kluge wie Gaddafi, ein fürchterlicher Diktatur heute, blutrünstig, muss bekämpft werden, es sollte jetzt endlich das europäische Embargo geben. Gegen Saddam Hussein hat der Sicherheitsrat, weil sie das abgesprochen haben, 1992 die Resolution 2442 verhängt, also als Saddam Hussein die Kurden massakriert hat jenseits des 36. Breitengrades, hat die UNO ein Flugverbot für irakische Flugzeuge durchgesetzt, hat einen Freiraum geschaffen für die aufständischen Kurden, und zwar mit Waffengewalt.

Soll man dem Mann irgend etwas Böses wünschen? Soll man ihm wünschen in Bengasi ausgesetzt zu werden, oder würde er dann doch lieber nach Tripolis zu seinem Exbekannten wollen? Schweizer Kollaborateure, eine traditionelle Angelegenheit.

24. Februar 2011, 14.59 Uhr:

Und er bewegt sich doch

von Jörn Schulz

Die Revolution erreicht jetzt offenbar sogar die UN-Bürokratie. Erstaunliche Dinge geschehen im Menschenrechtsrat, dessen Mehrheit sich bislang vor allem mit der Rechtfertigung der Sharia und der Verurteilung Israels beschäftigte. „The Human Rights Council will hold a Special Session on ‘The situation of human rights in the Libyan Arab Jamahiriya’ on Friday, 25 February.” Noch im vergangenen Jahr war Libyen mit den Stimmen von 155 Staaten in den Rat gewählt worden. „It should be noted that this is the first time a Council member will be the subject of a Special Session.”

24. Februar 2011, 14.53 Uhr:

Doppelsprech auf irakisch

von Thomas von der Osten-Sacken

Kaum wird es ernst, redet  Nuri al-Maliki wie seine Kollegen in den anderen arabischen Staaten auch, wenn es ernst wird:

Prime Minister Nouri al-Maliki has called on Iraqis not to participate in planned demonstrations in Baghdad on Friday. He said the marches were for “Baathists and terrorists”.

Vor nicht allzu langer Zeit, als es noch nicht ernst war, redete er noch ganz anders.

24. Februar 2011, 00.09 Uhr:

Folgerichtig mißratene Brut

von Oliver M. Piecha

Sitzen sie alle dichtgedrängt in einem Kommandobunker in Tripolis und ab und an springt einer auf und ruft aufgeregt: Jetzt weiß ich, was wir noch Irres erzählen können?

BBC meldet in schneller Reihenfolge:

21.06 Saadi, a former professional footballer, also said his brother Saif al-Islam is currently writing a new constitution for the country.

21.05 Saadi Gaddafi, one of the colonel’s seven sons, tells the Financial Times newspaper that his father is planning to work with any new regime as the “big father".

20.47 Col Gaddafi’s son Saif al-Islam appears on state TV to declare that life is “normal” in Libya’s western regions: “The ports, schools and airports are all open. The problem lies in the eastern regions.”

Saif kennen wir, er ist die tragische Figur der ganzen Familie, der Vorzeigesohn, nahezu-Intellektuelle (Dissertation an der der aufgeklärte absolutistische Diktator, den Libyen nun nie bekommen wird. Wahrscheinlich haßt er seinen ganzen schrecklichen Anhang.

Saadi, der Fußballer, hat Anfang des Jahrtausends schon mal einen kleinen Aufstand ausgelöst, als die Fußballer aus Bengasi zuerst gegen seinen Verein aus Tripolis verlieren mußte, und dann noch mal gegen den Verein aus der Heimatstadt seiner Mutter, worauf es den Hools aus Bengasi endgültig reichte und sie das Spielfeld stürmten, worauf Saadi wiederum den Bengasiverein dichtgemacht hat. Man wird mutmaßen dürfen: fair play kennt er nicht.

Die große Frage ist: was machen die anderen Zöglinge des großen Bedukriegers?

Khamis? Der mordet zweifelsohne gerade, er hat eine eigene gefürchtete Brigade.

Saif al Arab? In München ist er jedenfalls aktuell nicht mehr gemeldet. Die Münchner Polizei dürfte froh sein. Fuhr dort gerne mit einem “Hummer” herum und drohte Türstehern. Macht er Party im Bunker, oder bringt er draußen Menschen um? Man möchte es eigentlich gar nicht wissen.

Hannibal? Das war der, wegen dem Gaddafi die Aufteilung der Schweiz vorgeschlagen hat. Weil die Schweizer so unhöflich waren, darauf zu beharren, Hannibal habe mit seiner Frau Hotelangestellte mißhandelt, und die beiden kurz in Gewahrsam genommen haben. Er mißhandelt wohl grade den letzten übriggebliebenen Lakaien in der Küche des Kommandobunkers.

Mutsaim-Billah Gadaffi? Ein Militär. Verteidigt wahrscheinlich den Eingang des Familienkommandobunkers.

Muhhamad Gadaffi? Laut Wikipedia Chef des Olympischen Komitees und Inhaber sämtlicher libyschen Telekommunikationsunternehmen. Der stöpselt vermutlich das Internet ein und aus.

Die Tochter: Aisha Gadaffi, die “Claudia Schiffer Nord Afrikas“, bzw. Bild weiß mehr über internationale Verwicklungen: Bunga Bunga? Jedenfalls  ist sie gerade zurückgetreten worden als UN-Sonderbotschafterin. Das war sie nämlich seit 2009. Wie entzückend, die UN wieder einmal. In weniger genderbewußten Zeiten hätte man nun unbefangen den Witz bringen können, sie ließe sich vielleicht zur Zeit die Fußnägel maniküren und fragte, was denn der schreckliche Lärm da draußen nur solle. Ein Feuerwerk?

Nein, das wäre ja noch sympathisch, Juristin (Sorbonne… noch so eine Doktorarbeit), Mitglied im Verteidigerkomitee Saddam Husseins.

 

Schmeicheln Sie uns!

Falls Sie Ihre Wertschätzung für unsere Website ausdrücken möchten, können Sie dies mithilfe des Mikro-Bezahlsystems Flattr tun. Benutzen Sie einfach den folgenden Button:

Mehr Informationen auf flattr.com

Anzeige Transformellae Ikeae

Werden Sie ein Fan!

Jungle World
auf Facebook

Sie müssen sich nicht für Facebook registrieren, um unsere Seite zu betrachten. Na gut, dann …