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Kürzliche Beiträge
23. Februar 2011, 21.33 Uhr:

Nur mal so zur Erinnerung: Der Jemen!

von Oliver M. Piecha

Die Proteste in der Hauptstadt Sana’a gehen seit nun fast zwei Wochen unvermindert weiter. Und der Regimemob schießt immer wieder auf die Demonstranten. Dasselbe gilt für den Südjemen, Tote und Verletzte werden immer wieder aus Aden gemeldet, als neuestes ist die Küstenstadt Mukalla dazugekommen.

Human Rights Watch über Sana’a: Police ostensibly deployed to protect anti-government protesters at the gates of Sanaa University, stood aside to allow an attack by a large group of government supporters armed with AK-47 assault rifles, pistols, sticks and daggers, eyewitnesses told Human Rights Watch. The armed group had arrived in trucks, one of which displayed a large portrait of the president. On 20 February police had promised to protect the demonstrators. Yemen’s president Ali Abdullah Saleh has pledged his forces would only fire in self-defense. […]

The Yemeni government has confirmed one dead in the attack on February 22 and four dead in previous incidents but have not released the names. At least 12 protesters have been killed in rallies seeking Saleh’s resignation since February 16, according to information that Human Rights Watch obtained from Yemeni human rights groups.

One human rights group said the number was higher, supplying the names of 16 people it said were killed in the southern port city of Aden alone, one a 14-year-old boy. The local groups said that the protesters in Aden were killed by military or other government security forces during largely peaceful protests. Human Rights Watch was not able to confirm the circumstances surrounding the deaths.

(via armies of liberation)

23. Februar 2011, 20.46 Uhr:

Die Rebellenflagge weht über Tajura

von Oliver M. Piecha

Und Tajura liegt 14 Kilometer westlich von Tripolis. Es wird enger für den libyschen Colonel. Zwei Meldungen von enduring america:

1705 GMT: Nick Kristof of The New York Times writes, “Amazing: I hear by phone that Tajura, Libya, less than 10 miles from Tripoli, has fallen. Rebel flag flying over it.”

1640 GMT: Protesters in Misurata said they have wrested the west Libyan city from government control, and in a statement on the Internet, army officers stationed in the city pledged “total support for the protesters".

Misurata zwischen Tripolis und Bengasi ist die drittgrößte Stadt Libyens. Ach ja, und die neue Rebelleflagge ist die alte des Königreichs Libyen. Irgendetwas hat sich ja  vielleicht im Raum-Zeit-Kontinuum verschoben.

Ein bei allem understament vielleicht nicht ganz unempathischer BBC-Reporter sprach heute vor einem Pulk demonstrierender Libyer die bemerkenswerten Sätze in die Kamera, doch, die Menschen hier seien schon dafür, die Untaten des Regimes international zu verurteilen, aber nach seiner Einschätzung würden sie es,  frei heraus gesagt, noch eher begrüßen, wenn die Amerikaner einmarschieren oder Gaddafi bombardieren würden.

Nachtrag…

2020 GMT: An activist reports that Tajoura is under siege by Gaddafi forces, with reports of tanks used in attack.

23. Februar 2011, 17.07 Uhr:

Barber und die Barbarei

von Jörn Schulz

Nicht nur Deutschland ist mit „Nahostexperten“ gesegnet, die genau wissen, dass es mit der Demokratie beim Araber nicht klappen kann. „Why Libya Will Not Be Democratic”, erläutert Benjamin R. Barber, “Professor of Civil Society” und einer der populärsten Demokratietheoretiker der USA, in der Huffington Post. Er hat allerdings einen guten Grund, zu diesem Schluss zu kommen: “I offer my views about Libya here not just as a democratic theorist and HuffPost regular, but as a member of the International Board of the Gaddafi International Charity and Development Foundation until this morning, when I resigned.”

Weiterlesen.

23. Februar 2011, 14.57 Uhr:

Feinster Qualitätsjournalismus

von Thomas von der Osten-Sacken

Gabriele Riedle war in Libyen. Und berichtet darüber.

Erst, wie sie, angeblich unter Zwang, auf einer pro-Ghaddafi Demonstration Fähnchen schwenkt und die ganze Zeit vom Geheimdienst überwacht wird, dann:

Ich habe keine einzige Person getroffen, die von Demokratie redete.

Ich habe nicht die geringste Ahnung, was die Menschen in Libyen so wollen. Gabriele Riedle allerdings auch nicht. Denn jeder, der diese Region auch nur ein ganz klein wenig kennt, weiß, dass niemand im Traum auch nur daran denken würde, in Anwesenheit eines Geheimdienstmannes seine Gedanken zu äußern. Dass kann ganz schnell im Folterkeller oder tödlich enden. Statt also über Gebräuche und Folklore der Libyer zu schwadronieren, hätte Riedle diesen ganz simplen Tatbestand erwähnen müssen. Stattdessen lässt sie sich lieber über Stämme, Islamisten und über die erd- und familiengebunden Libyer aus. Klingt ja auch besser, so voll nahostexpertenmäßig eben.

Und by the way: weder aus dem Irak unter Saddam noch aus Syrien oder dem Sudan wurde je berichtet, dass ausländische Journalisten gezwungen wurden, an pro-Regime Demonstrationen teilzunehmen. Ich wette, dass war auch in Libyen nicht der Fall. Sie handelte, so scheint es, ganz in vorauseilendem Gehorsam.

23. Februar 2011, 01.29 Uhr:

Ein Abgesang

von Thomas von der Osten-Sacken

Abgesang auf einen Weggefährten:

Die Sozialistische Libysch-Arabische Dschamahirija hat sich über Jahrzehnte als Avantgarde der arabischen Revolution und Vorkämpferin der arabischen Einheit auf antiimperialistischer Grundlage verstanden. Nun droht das Regime, das immerhin das am meisten entwickelte Sozialsystem auf dem afrikanischen Kontinent hervorgebracht hatte, von der wütenden Menge hinweggefegt zu werden. (…)

Mit Ghaddafis Regime geht nicht nur für Libyen, sondern für die ganze arabische Welt eine Ära zu Ende. Der libysche Oberst ist der letzte Vertreter der arabischen Revolution der 1950er und 60er Jahre, die sich aus Militärrevolten gegen die überkommenen Feudalregime ergab und die Massen in ihren Bann zog. Die arabische Revolution 2011 geht von der Straße aus. Wohin sie geht, ist noch ungewiß. In Ägypten könnte sie von den Militärs kassiert werden. Und in Libyen gleich direkt unter westliche Vorherrschaft geraten.

22. Februar 2011, 23.52 Uhr:

Noch ein Plagiatsfall?

von Oliver M. Piecha

Ach, Wissenschaft und Leben, sie sind so gar nicht eins. Wer sich unbedingt in die Doktorarbeit des Gaddafisohnes Saif al Islam vertiefen möchte, aus purem Interesse an dem spannendenden Thema - THE ROLE OF CIVIL SOCIETY IN THE DEMOCRATISATION OF GLOBAL GOVERNANCE INSTITUTIONS: From ‘Soft Power’ to Collective Decision-Making?” -, oder vielleicht auch um interessante Bezüge zu den aktuellen Vorgängen in Libyen herzustellen,  der kann das hier tun. Und hier kann man mitforschen, ob und wo Saif abgeschrieben hat.

Deutschlands prominentester Nicht-mehr-Doktor hat sich weiland übrigens sehr vorteilhaft im Souk von Tripolis ablichten lassen. Saif hat er allerdings doch nicht getroffen, der hatte keine Zeit. Vielleicht hat er über seiner Dissertation gesessen.

22. Februar 2011, 23.01 Uhr:

Libyen: Rückschlag für die Elitenförderung

von Oliver M. Piecha

Dabei war es so lohnend: Saif al Islam, der international vorzeigbare Sprößling des Gaddaficlans hat an der London School of Economics studiert und seinen Doktor gemacht, von der Gaddafistiftung, die Saif al Islam kontrolliert, kamen anderthalb Millionen Pfund Spenden, für libysche Funktionäre wurde ein Ausbildungsprogramm gesponsert und für die Beratung des “Libyan Investment Authority“ gabs auch noch mal Kleingeld. Und Regimeakademiker durften an der renommierten Hochschule über die Zukunft Libyens im Jahr 2025 schwadronieren.

Und jetzt distanziert man sich händeringend und verspricht nie mehr Geld von den Gaddafis nehmen zu wollen: The London School of Economics has said it is reconsidering its links with Libya “as a matter of urgency.

Irgendwie auch sehr unloyal das Ganze. Saif al Islam ist bestimmt von seiner alma mater enttäuscht.

Ergreifend übrigens, worüber er seine Doktorarbeit an der LSE verfaßt hat: on the role of civil society in the democratisation of global governance institutions.

 

 

 

 

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