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Kürzliche Beiträge
3. Januar 2014, 01.10 Uhr:

Der zweite Tag des Jahres

von Thomas von der Osten-Sacken

Wie das Jahr 2014 sich im Nahen Osten entwickeln wird?

Nun, heute gab es einen Vorgeschmack.  Im sunnitischen Dreieck im Irak ist Al Qaida, vor allem gestärkt durch den Bürgerkrieg in Syrien, so auf dem Vormasrch, dass die irakische Regierung nun eine Offensive begonnen hat:

Iraqi forces backed by tribesmen battled jihadists on Thursday after they seized parts of two Sunni-majority cities following days of violence triggered by the demolition of a year-old protest camp.

Militants from the Al-Qaeda-linked Islamic State of Iraq and al-Sham (ISIS) seized half of the city of Fallujah, outside Baghdad, and parts of Anbar provincial capital Ramadi farther west.

Die Offensive ist auch eine hauptsächlich schiitischer Truppen in einem sunnitischen Gebiet und sie richtet sich nicht nur gegen die Terroristen, sondern ist Teil einer Strategie der Maliki Regierung, unliebsame sunnitische Opposition kalt zu stellen:

Prime Minister Nouri al-Maliki just turned a military tragedy, which rallied much of the country behind the government, into a campaign against the Anbar protest movement. In the middle of December 2013 Al Qaeda in Iraq (AQI) set up an elaborate trap, which resulted in the death of much of the leadership of the Army’s 7th Division. Baghdad then launched a massive military campaign in Anbar that almost all parties and much of the public supported. In the midst of this offensive however, the prime minister decided to go after the Anbar demonstrators by claiming that they were behind the terrorists, and then ordered the detention of Parliamentarian Ahmed Alwani of the Iraqi Islamic Party who was one of their leaders.

Inzwischen befindet sich die Anbar Provinz in offenem Aufruhr:

Maliki could not have picked a worse time to come down on the protesters, and now he is suffering the consequences. Major cities in Anbar are in open rebellion. This will provide a great recruiting tool for the insurgency and Al Qaeda. At the same time, any hope the premier might have had of cutting a deal to end the remaining protests in Fallujah, Diyala, Kirkuk, Ninewa, and Salahaddin are now out the window. Within Anbar the local council, which just took power in 2013 will find themselves running an ungovernable province, and more divisions will likely emerge over how to deal with Baghdad. The tribes too will face increasing dissent as well, and the clerical establishment, which was another important ally of the demonstrators may find their influence slipping away if more and more young men turn to the gun rather than protesting. Overall, the prime minister has made a mess of things, and helped the vary militants he was trying to defeat.

Im Irak und Syrien erstarkt täglich Al Qaida und verfolgt ihr erklärtes Ziel, nämlich in Teilen beider Länder ein islamisches Kalifat unter ihrer Führung errichten zu wollen.

Und in Beirut ist heute in einem, von der Hizbollah kontrollierten Stadtviertel, erneut eine Bombe  explodiert. Der syrische Bürgerkrieg, der längst ein Stellvertreterkrieg zwischen dem Iran und Saudi-Arabien und leider auch ein Konfessionskrieg zwischen Sunniten und Schiiten geworden ist, hat auf die Nachbarländer übergegriffen, so scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, wann im Libanon und dem Irak ebenfalls ein offener Bürgerkrieg ausbricht.

Und in Syrien? Fielen laut SyrianObservatory for Human Rights alleine im vergangenen Jahr 73000 MenschenKampfhandlungen zumn Opfer. Heute waren es dagegen 122.

1. Januar 2014, 19.14 Uhr:

Syrien: Differenzen innerhalb der US-Administration

von Thomas von der Osten-Sacken

Ea WorldView über Differenzen innerhalb der US-Administration:

In recent weeks, the faction within the Obama Administration which favors a pullback from support of Syria’s opposition and insurgency — to the point of accepting President Assad’s stay in power — has had the upper hand in the US media, using spokespeople like former Ambassador Ryan Crocker.

Now those within the Administration who failed to get US military intervention this summer, even after the regime’s chemical weapons attacks of August 21, have hit back through The Wall Street Journal.

The officials have told the Journal that Washington failed to anticipate the impact of Hezbollah’s influx of fighters this spring, which bolstered Assad’s troops. More importantly, they implicitly criticize others within the Administration who did not respond:

“U.S. intelligence and military officers watched the evolution with alarm from the sidelines, at least one step behind developments on the ground. The White House was unwilling to commit significant resources to back opposition fighters, wary of getting drawn into another conflict in the region or inadvertently backing violent extremists. Wary U.S. intelligence officials told policy makers that a cohesive, well-organized opposition didn’t exist and was unlikely to take shape even if the U.S. made a more substantial investment, officials involved in the deliberations said.”

In June, the Administration, after sustained pressure from allies like Britain and France, finally agreed to public supply of military aid to the insurgency. However, none was ever delivered, and the covert US program of support was also limited, causing tensions with other backers of the insurgency such as Saudi Arabia.

31. Dezember 2013, 13.20 Uhr:

Verhungernde Palästinenser, deutsche Solidarität

von Thomas von der Osten-Sacken

In einem von der syrischen Armee eingekesselten Lager mit palästinensischen Flüchtlingen in Damaskus sind nach Angaben der Uno seit September mindestens 15 Menschen verhungert. Am Wochenende seien Berichte über fünf neue Hungertote in dem Camp Jarmuk eingegangen, womit die Zahl der Todesopfer durch Unterernährung auf mindestens 15 gestiegen sei, erklärte das Uno-Hilfswerk für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA).

In dem Camp sind rund 20.000 Palästinenser ohne ausreichende Nahrungsmittel und Medikamente eingeschlossen. Seit September sei das Lager für Hilfstransporte nicht mehr erreichbar, sagte UNRWA-Sprecher Chris Gunness. Gunness warnte vor einer dramatischen Verschlechterung der Lage in dem Lager. Die anhaltende Präsenz bewaffneter Gruppen und die Blockade durch Regierungstruppen durchkreuze alle humanitären Bemühungen, sagte er.

Das meldet der Spiegel, die UNRWA richtet verzweifelte Appelle an die Weltöffentlichkeit, dass es bald zu spät sein könnte, “to save the lives of thousands of people including children.”

Fast zweitausend Palästinenser sollen inzwischen in Syrien getötet worden sein.

Und wo bleiben die empörten Appelle, Aufrufe zur Hilfe und Intervention seitens derer, denen angeblich  Leben und Wohlbefinden der Palästinenser so sehr am Herzen liegt?

IPPNW jedenfalls und Pax Christi, zwei der damals  lautstärksten Unterstützer der Mavi Marmara, haben dieser Tage Besseres zu tun, als sich um palästinensische Flüchtlinge zu kümmern. Und auch sonst hört man wenig aus der Szene: Weder von den Freidenkern, noch der Linken (Inge  Höger oder Wolgang Gehrcke sind offenbar anderweitig beschäftigt)  und auch international ist es irgendwie ganz ruhig, Konvois, etwa organisiert von Georges Galloway sind nicht unterwegs, von Hilfsflotten zur See ganz zu schweigen. Auch “Du sollst nicht töten” - Todenhöfer bevorzugt es, mit dem syrischen Präsidenten zu konferieren, statt zu versuchen, illegal nach Yarmouk zu kommen. Lieber reist er, angeblich unter Einsatz seines Lebens, nach Gaza, dem “Land der Verdammten dieser Erde”.

Woher das wohl kommen mag?

Dass es ihnen mehrheitlich nicht ums Wohlergehen der Palästinenser geht, man vermutete es schon lange, dass sie allerdings alle eine solche Bereitschaft zeigen, ihren völligen Mangel an Empathie auch noch so deutlich zu demonstrieren, wenn Israelis oder andere Zionisten einmal nicht die Feinde sind, erstaunt dann doch ein wenig.

Aber versprochen: beim nächsten Konflikt, in dem Israel involviert sein wird, werden sie alle ihr Schweigen brechen und sich gegenseitig in empörten Aufrufen und Appellen überbieten.

Schön wäre es, die Palästinenser erinnerten sie dann an dieses Schweigen im Winter 2013, als vor aller Augen palästinensische Kinder in Flüchtlingslagern verhungerten, weil das Assad Regime, Teil der “Ache des Widerstandes” gegen Imperialismus und Zionsimus, es so angeordnet hatte.

30. Dezember 2013, 17.51 Uhr:

Hizbollah und Assad in Schwierigkeiten

von Thomas von der Osten-Sacken

Das Assad Regime und die es unterstützenden Truppen der Hizbollah, des Iran und schiitischer Freiwilligenmilzen befänden sich in einer Offensive, heißt es seit geraumer Zeit in unzähligen Berichten, das Blatt auf dem syrischen Kriegsschauplatz habe sich in der zweiten Hälfte dieses Jahrens zu ihren Gunsten gewendet, auch und vor allem, weil seit August, als die USA dem Chemiewaffendeal zustimmte, klar ist, dass es zu keiner westlichen Militärintervention kommen würde.

Vor diesem Hintergrund kritisiert etwa Martin Durm für die Tagesschau treffend die verheerende Politik des Westens.

Nur befindet sich das Regime wirklich so in der Offensive?

Elias Fraenkel stellt diesen Narrativ in Frage. Die syrische Armee sei kaum noch in der Lage weiter zu kämpfen, Materialermüdung, schlechte Moral der Truppe und hohe Verluste hätten in den letzten Jahren einen hohen Tribut gefordert.

Immer stärker sei das Regime nun von der Hizbollah und dem Iran abhängig:

The Iranians and Hezbollah did not take half-measures, committing a significant portion of the Lebanese organization’s troop strength to the war. What they expected was quick and overwhelming victory. What they got was a Vietnam-like quagmire, sapping Hezbollah of thousands of its fighters and top echelon commanders.

Auch der Blutzoll, den die Hizbollah zu zahlen habe, steghe weiter, die Aussichten auf einen Sieg dagegen seien alles andere als rosig:

Recent compilation of slain Hezbollah fighters are in the hundreds, and a full casualty count is likely to be much higher.

Weiterlesen.

29. Dezember 2013, 14.27 Uhr:

Koordinationszentrale zur Unterstützung der FSA

von Thomas von der Osten-Sacken

Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Free Syrian Army von einem multinational besetzten Koordinationszentrum in Amman unterstützt wird. The National, eine englischsprachige Zeitung aus den Arabischen Emiraten, berichtet nun ausführlich über diese Zusammenarbeit, auch wenn die jordanische Regierung dementiert, dass es eine solche Einrichtung geben würde:

A secret operations command centre in Jordan, staffed by western and Arab military officials, has given vital support to rebels fighting on Syria’s southern front, providing them with weapons and tactical advice on attacking regime targets.

Rebel fighters and opposition members say the command centre, based in an intelligence headquarters building in Amman, channels vehicles, sniper rifles, mortars, heavy machine guns, small arms and ammunition to Free Syrian Army units – although it has stopped short of giving them much coveted anti-aircraft and anti-tank missile.

Islamist factions outside of the FSA, including groups aligned to Al Qaeda, are not involved with the operations room and do not directly receive weapons or military advice.

Die Unterstützung werde begrüßt, meint ein Offizier der FSA, reiche aber nicht aus, um dem Assad Regime nachhaltig zu schaden:

“The command centre has been good for us, it has helped a lot, but we’d like more commitment from them. They don’t really share intelligence information with us, they don’t give us enough weapons to do the job,” said an FSA commander.

“We all think they want to keep Assad stronger than us, they want to keep a balance – we get enough to keep going but not to win,” he said.

28. Dezember 2013, 22.25 Uhr:

Salafisten für Verfassung

von Thomas von der Osten-Sacken

Mann kann es durchaus als Ironie der Geschichte betrachten, dass die salafistische Nour Partei, vergangenes Jahr noch enger Partner der Muslimbrüdern, mit denen man jene Verfassung durchgeboxt hatte, die nach dem Sturz Mohammad Mursis überarbeitet und weitgehend entislamisiert wurde, nun eine Kampagne genau für diese veränderte Verfassung startet, während die Muslimbrüder das kommende Referendum boykottieren wollen.

Möglich ist die erstaunliche Kehrtwende vor allem Dank des Druckes aus Saudi Arabien, von dessen Unterstützung die Salafisten so abhängig sind wie die ganze ägyptische post-Mursi Regierung. Und die Saudis fürchten im Moment den Iran und die Muslimbrüder so sehr, dass sie glatt eine ägyptische Verfassung zu unterstützen bereit sind, die ihren eigenen klerikalautokratischen Vorstellungen mehr oder minder diametral widerspricht.

The Salafist Nour Party has been using its members to campaign for a yes vote in the upcoming constitutional referendum, according to a senior member.

Mohamed Ibrahim Mansour, Nour’s representative on the committee that drafted the new constitution, told Al-Ahram’s Arabic website that the group’s members underwent training sessions to equip them to answer questions on the constitution.

27. Dezember 2013, 13.49 Uhr:

Merry .... from Kafranbel

von Thomas von der Osten-Sacken

 

 

Michael Young schreibt passend dazu in einem  Beitrag über das dritte Jahr des Bürgerkrieges in Syrien:

To borrow a cliché, in 2013 the violence and suffering in Syria came to embody the banality of evil. The tragedy has grown to such proportions that it has become repetitious – without variation, respite, or hope.

In much the same way, the mass of humanity that has fled Syria has also become banal. So omnipresent are the beggars and peddlers in neighboring countries, that one looks not at their misery but at the inconveniences they have created. In Dante’s Divine Comedy, the center of hell is distinguished not by fire but ice. So, too, the inferno faced by Syrians – one of absolute, frigid, unalterable immobility. (…)

Whatever happens, Syria has become a blemish on the region and the world, a moveable atrocity that daily demolishes the moralistic pretensions of an international order supposedly built on a foundation of norms and values. Like the Spanish civil war, the war in Syria has come to define the worst of an age, and perhaps foreshadow new nightmares ahead. This was what Obama once called “someone else’s civil war.” Even in their terrible trial, the Syrians must suffer fools.

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