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Kürzliche Beiträge
30. März 2016, 11.09 Uhr:

Rohanis Absage

von Thomas von der Osten-Sacken

Gastbeitrag von Stephan Grigat

Die österreichische Staatsspitze ist reichlich konsterniert: Nur wenige Stunden vor seinem Staatsbesuch in Wien hat der Präsident des iranischen Terrorregimes seine Visite abgesagt, gegen die eine Kundgebung in unmittelbarer Nähe der Hofburg angekündigt war. Zwar befindet sich bereits ein Teil der Wirtschaftsdelegation in der Stadt, aber nachdem nun die politische Delegation weggefallen ist, wird es wohl auch nicht zur Unterzeichnung der anvisierten 15 Absichtserklärungen kommen. Offiziell wurden “Sicherheitsgründe” für die Brüskierung des österreichischen Bundespräsidenten angegeben, der sich ausdauernd um den Besuch Rohanis bemüht hatte und dafür massiv kritisiert wurde; und über die innenpolitischen Hintergründe der ausgesprochen kurzfristigen Absage kann man nur spekulieren. Offenbar aber wollte die iranische Seite ihr Demokratieverständnis gleich mit nach Österreich importieren: Als einen wichtigen Grund für Rohanis Rückzieher nennt die Tageszeitung “Die Presse” auf ihrer heutigen Titelseite die angekündigten Proteste, deren Absage das Mullah-Regime gefordert habe:

“"Wie ‘Die Presse’ erfuhr, könnte das mit Demos gegen den Besuch zusammenhängen, die für heute Vormittag von Kurdengruppen, dem Bündnis STOP THE BOMB, der Israelitischen Kultusgemeinde und anderen am Heldenplatz angekündigt waren. Und so hieß es, die Iraner hätten ‘ultimativ’ noch am Dienstagmorgen gefordert, die Demos nicht zuzulassen, aber Österreich habe auf die Demonstrationsfreiheit verwiesen.”

Der Korrespondent von BBC Persian TV berichtet auf Twitter angesichts der Weigerung der österreichischen Behörden, nun auch noch das Demonstrationsrecht in Europa in vorauseilendem Gehorsam gegen die Ajatollahs aufzuheben:
“It appears their ties to ‘Zionists’ are more important than that with #Iran ,” Iranian source tells me”

25. März 2016, 23.54 Uhr:

Noch ein Freitag in Syrien

von Thomas von der Osten-Sacken

Auch an diesem Freitag gab es wieder Dutzende Demonstrationen in Syrien. Gegen das Assad Regime, gegen den IS und gegen die Al Nusra Front. Kenan Rahmani dokumentiert sie fortlaufend auf Facebook.

25. März 2016, 20.41 Uhr:

Coole Libyer

von Thomas von der Osten-Sacken

Aus einem Album von Aufnahmen aus Benghazi vom 24. März 2016:

25. März 2016, 17.53 Uhr:

#RouhaniNotWelcome

von Thomas von der Osten-Sacken

Gastbeitrag von Stephan Grigat

Nun ist es soweit: Nachdem der österreichische Bundespräsident Heinz Fischer den iranischen Ajatollahs unmittelbar nach dem Abschluss des desaströsen Atomdeals in Teheran die Aufwartung gemacht hatte, kommt nun Hassan Rohani zum lange ersehnten Gegenbesuch nach Wien und wird bei der Gelegenheit auch gleich an einem groß aufgezogenen österreichisch-iranischem Forum in der Wirtschaftskammer teilnehmen. Ein von der Platform STOP THE BOMB initiiertes Bündnis aus jüdischer Gemeinde, kurdischen Organisationen, antifaschistischen Gruppen und anderen ruft am Mittwoch, den 30.3. um 10:00 zum Protest am Heldenplatz auf:

“Hassan Rohani ist kein ‘moderater Hoffnungsträger’, sondern das freundliche Gesicht des Terrors. Seit seiner Präsidentschaft werden im Iran deutlich mehr Menschen hingerichtet als unter seinem Vorgänger Ahmadinejad. Das iranische Regime rüstet massiv auf und finanziert weiterhin antisemitische Terrororganisationen wie Hisbollah und Hamas. In Rohanis und Khameneis Iran finden staatliche Festivals zur Holocaust-Leugnung statt, auf Homosexualität steht die Todesstrafe, Frauen werden brutal unterdrückt, und die Vernichtungsdrohungen gegen Israel werden permanent wiederholt. In Irans Krieg für Syriens Assad starben bereits Hunderttausende. Wenn Bundespräsident Heinz Fischer dem iranischen Präsidenten den roten Teppich ausrollt, und wenn europäische Firmen mit dem Regime der Ajatollahs Geschäfte treiben, legitimieren und finanzieren sie antiisraelische Hetze, Homophobie und islamistischen Terror!

· Solidarität mit Israel – gegen jeden Antisemitismus!
· Solidarität mit der säkularen Opposition – für einen freien und demokratischen Iran!”

24. März 2016, 12.35 Uhr:

Chios

von Thomas von der Osten-Sacken

Folgen des sog. Flüchtlingsdeals:

Die auf Chios im Hotspot Vial inhaftierten Menschen begannen am gestrigen Nachmittag einen Protest. Ihnen wurde der Kontakt mit Aussenstehen verboten, ihre Handys konfisziert. So blieben ihnen nur ihre Stimmen, um Freiheit zu fordern.

Der UNHCR und Medicines Sans Frontiers haben Vial inzwischen verlassen und ihre Kooperation in diesem Zusammenhang aufgekündigt.

Am Nachmittag wurde Aktivist_innen polizeilich verboten mit den Inhfatierten im Hotspot Vial zu sprechen oder sich nur in der Nähe aufzuhalten.  Ihnen wurde mit Repression gedrohnt. Durch ein Gespräch mit dem Norwegian Refugee Council, der letzten Organisation, die im Hotspot selbst tätig war, er fuhren sie, dass auch der NRC seine Arbeit dort einstellt hat:

„there is nobody inside Vial, apart from the refugees. Police has also left. The refugees are fighting inside and there are protests and the police is afraid of the violence.“

Aktuell befinde sich keine zuständige Person mehr im Hotspot, die für die Versorgung der Inhaftierten garantiere. Die Situation sei außer Kontrolle und immer noch sei keine Presse vor Ort, um dies zu dokumentieren.

22. März 2016, 21.41 Uhr:

Die wohlgesinnten Kollaborateure

von Thomas von der Osten-Sacken

Gastbeitrag von Andreas Benl

Kurz vor den Anschlägen von Brüssel haben Paul Berman und Michael Walzer an jene erinnert, die den Islamisten Schützenhilfe leisten, indem sie im Namen des Antirassismus versuchen, die am meisten gefährdeten Kritiker des religiösen Faschismus zum Schweigen zu bringen:

Last month the Algerian novelist and journalist Kamel Daoud astonished the readers of Le Monde in Paris by threatening to renounce journalism, not because he is afraid of Islamists at home in Algeria, though a fatwa has been issued against him, but for another reason, which is still more dismaying. He has been severely condemned by people from the Western intellectual class, and silence seems to him an appropriate response.

The denunciations of Daoud are a distressing development. And they are doubly distressing because they conform to a pattern that has become familiar. It goes like this: A writer with liberal ideas emerges from a background in the Muslim countries, or perhaps lives there now. The writer proposes criticisms of Islam as it is practiced, or of sexual repression under Islamic domination (a major theme), or of the Islamist movement. The criticisms seem blasphemous to the Islamists and the reactionary imams, who respond in their characteristic fashion. In the Western countries, intellectuals who mostly think of themselves as progressive make their own inquiry into the writer and his or her ideas. They hope to find oblique and reticent criticisms of a sort that they themselves produce. But they find something else—criticisms that are angrier and more vehement, or more sweeping, or more direct.

The Western intellectuals, some of them, recoil in consternation. And, as if liberated from their reticence, they issue their own condemnation of the offending writer, not on grounds of blasphemy but on grounds that purport to be left-wing. The Western intellectuals accuse the liberal from the Muslim world of being a racist against Muslims, or an Islamophobe, or a “native informant” and a tool of imperialism. Sometimes they accuse the liberal from the Muslim world of stupidity, too, or lack of talent. This was Salman Rushdie’s experience in the years after he came out with The Satanic Verses, back in 1988, which he has described in his memoir Joseph Anton. The experience of Ayaan Hirsi Ali, originally from Somalia, offers probably the most widely discussed example after Rushdie’s. But the pattern of Western condemnation can be observed in many other cases as well, directed at liberal writers of different kinds and views—the authors of political essays, memoirs, literary criticism, journalism, and novels, from backgrounds in countries as diverse as Egypt, Iran, Afghanistan, and Pakistan. Kamel Daoud’s Algerian colleague, the novelist Boualem Sansal, last year’s winner of a prize from the French Academy, has come under this kind of condemnation. …

A group of 19 professors in France drew up a statement accusing Daoud of a series of ideological crimes, consisting of “orientialist cliches,” “essentialism,” “psychologization,” “colonialist paternalism,” an “anti-humanist” viewpoint, and other such errors, amounting to racism and Islamophobia.

Too many progressive intellectuals today are falling into the pattern of those fallacies of long ago. They are right to worry about anti-Muslim bigotries in the Western countries. But in turning themselves into the enemies of an entire class of liberal writers from Muslim backgrounds, they are achieving the opposite of what they intend. They mean to oppose racism. But they end up drawing invidious distinctions between people like themselves, who ought to be free to issue angry criticisms of their own cultures and societies, and the intellectuals of the Muslim countries, who ought to bite their tongues.

22. März 2016, 17.10 Uhr:

Lagerleben

von Thomas von der Osten-Sacken

»Keine Paradoxie zeitgenössischer Politik ist von einer bittereren Ironie erfüllt«, schrieb Hannah Arendt 1951, »als die Diskrepanz zwischen den Bemühungen wohlmeinender Idealisten, welche beharrlich Rechte als unabdingbare Menschenrechte hinstellen, deren sich nur die Bürger der blühendsten und zivilisiertesten Länder erfreuen, und der Situation der Entrechteten selbst, die sich ebenso beharrlich verschlechtert hat, bis das Internierungslager (…) zur Routinelösung des Aufenthaltsproblems der displaced persons geworden ist.«

Nach Deutschland lässt nun auch Österreich seine Außengrenzen kontrollieren, um so den Zuzug von Flüchtlingen, die mehrheitlich aus Syrien kommen, zu unterbinden. Derweil warnt die Organisation Pro Asyl, Europa könne in Kürze »Internierungslager an seinen Außengrenzen« errichten. Es scheint, als wiederhole sich jene Geschichte, auf die Hannah Arendt sich in »Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft« bezog. Von einer Republik der Staatenlosen sprach sie angesichts der Millionen von Vertriebenen, displaced persons und Flüchtlingen, die zwischen 1918 und 1948 auf dem europäischen Kontinent herumirrten, nur um als unerwünscht von einem Land ins andere deportiert zu werden und am Ende irgendwo in einem Lager zu landen, wo sie behandelt wurden, als seien sie Verbrecher.

Das stammt aus einem Jungle World Artikel von mir aus dem vergangenen September

Eine Meldung von heute:

Um die Migranten gemäß dem Deal durch ein Asyl-Schnellverfahren zu schleusen und in die Türkei zurückschicken zu können, werden Neuankömmlinge auf den griechischen Inseln seit Sonntag de facto in den Flüchtlingslagern vor Ort interniert.

Das aber wollen weder das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) noch die Helfer von Ärzte ohne Grenzen hinnehmen; in manchen Bereichen stellen sie die Hilfe deshalb vorläufig ein.

“Wenn das keine Haftanstalt ist, was dann?", fragt Michele Telaro und zeigt auf die geschlossenen stählernen Pforten des Flüchtlingslagers Moria, dem “Hotspot” auf Lesbos.

Das Team werde noch im Laufe des Tages aus dem Lager abziehen, sagt der Vertreter der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen am Dienstag. “Dort drin sind Frauen, Kinder, ganze Familien eingesperrt. Ihnen werden Baracken zugewiesen, die sie anschließend nicht mehr verlassen dürfen.” ( …)

So sehen das offenbar auch die Mitarbeiter des UN-Flüchtlingshilfswerks. Bisher hatten sie auf Lesbos unter anderem dafür gesorgt, neu ankommende Flüchtlinge von den Stränden der Insel in Bussen zum “Hotspot” und zu anderen Auffanglagern zu transportieren.

Damit sei jetzt Schluss, weil es sich nun um Internierungslager handele, was gegen die Grundsätze des UNHCR verstoße, kritisierte UNHCR-Sprecherin Melissa Fleming in Genf.”

 

 

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