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Kürzliche Beiträge
29. Oktober 2015, 10.26 Uhr:

'Remaining and Expanding Freedom'

von Thomas von der Osten-Sacken

Die Rede von Abdelaziz Alhmaza, dem Mitbegründer der Organisation “Raqqa is Being Slaughtered Silently” auf der Club de Madrid Konferenz;

My name is Abdelaziz Alhmaza, I am a Syrian from the city of Raqqa which ISIS claims now as it’s capital. I joined my country men and women in the uprising against the dictatorship of Assad’s regime, and later started with a group of young activists to report on social media the news of the city and the atrocities done to its people by the Syrian regime.

Raqqa was liberated from the hard grip of Assad in March 2013 and we were full of joy for our newly gained freedom and looked forward with hope to a better and prosper future. Our celebration did not last long, our beloved city fallen to the hands of more brutal, bloody and violent terrorist group in January 2014, ISIS.

We were stunned by the brutality of the group which annexed our city, and we found it to be our duty to continue reporting the human rights violations done to our people by these invaders.

In April 2014 we founded a citizen journalism group called “Raqqa is Being Slaughtered Silently”. Muatz Billah Ibrahim, was one of our camping co-founders, he was arrested and executed by ISIS in May 2014.

Some of us had to flee around this time and left behind our families and homes and ended up being refugees. That did not deter us from continuing our peaceful campaign against them, we knew that the pen is much stronger than the sword and the light of the truth will win at the end on the darkness of evil.

We established Facebook and Twitter accounts and established a web site to report the atrocities done to our beloved city by ISIS, Assad regime, or anybody else. Our methods are simple, to expose ISIS and show the truth about it, we know that no human being with a sound mind will agree with such violations for basic human rights and we do not need to make ISIS uglier than it is. We have gained attention from news media as an exclusive undercover reporters from inside ISIS territories, for example you may be familiar with the story of the Jordanian pilot Muaaz Alkasasba who was burned a live in cage by ISIS in January of 2015. Few weeks before the video was published we have reported that he was executed by burning on one of our Twitter accounts.

I am glad that when someone google the name of our beloved city, Raqqa, they found now news reported by us and others about the violations done to its people. Not like a year ago when the search results were mostly ISIS materials. Some of our efforts to expose the truth about ISIS did help to de-radicalize or at least discourage some from joining or supporting it. As a result of our counter speech to ISIS violent rhetoric we have been continued to be targeted by them in lethal acts.

I had to flee Turkey where I ended up as a refugee to Germany because of the real and imminent danger for my life. Hamood Almoosa is a friend of mine and one of our co-founders, ISIS arrested his father and 4 others who were associated with him and sentenced them to death by a headshot after they tied them to a tree and made two official videos of it. We have been under consistent attempts to be hacked or social engineered by ISIS to stop our campaign.

They think if they kill us or kill our family and friends we will stop, they do not know that they do nothing but enforce our firm faith in what we do. We will not stop, ISIS has a motto for their so called “state” is “remaining and expanding”, some of our undercover reporters took this photo in front of ISIS headquarters in Raqqa with a paper which contain the campaign logo, name and these words “We are remaining and expanding, freedom forever.” Yes, we are the people of Raqqa will remain and we will expand, we will not surrender and we will continue our peaceful fight against this Evil which describe itself as a “state” and we will win at the end.

Thank you for your time.

23. Oktober 2015, 21.15 Uhr:

Iran: Tricks aus der Kiste der Diplomatie

von Thomas von der Osten-Sacken

Gastbeitrag von Detlef zum Winkel

Als erste meldete die FAZ am 11.10. die „grundsätzliche Zustimmung“ des iranischen Parlaments zum Atomabkommen. „Trotz großer Bedenken hat…“ Am 13.10. folgten dann alle im Chor. Nochmal die FAZ: „Iranisches Parlament billigt Atomabkommen.“ Tagesschau: „Iranisches Parlament sagt »Ja«… Damit steht der Umsetzung auch in den USA nichts mehr im Wege.“ Die Welt: „Iranisches Parlament stimmt Atomabkommen zu… Eine schier endlose Debatte scheint zu Ende.“ Die Zeit: „Iranisches Parlament stimmt Atomabkommen endgültig zu… Damit ist die erbitterte Debatte im Iran beendet und der Weg zur Umsetzung geebnet.“ Focus: „Iranisches Parlament billigt Atomabkommen mit dem Westen… Nach dem US-Kongress hat nun auch das iranische Parlament das Atomabkommen mit dem Westen ratifiziert.“ Süddeutsche Zeitung: „Iranisches Parlament billigt Atomabkommen mit dem Westen… Das iranische Parlament hat… ratifiziert.“ Deutsche Welle: „Iranisches Parlament stimmt Atomabkommen zu… Das Parlament in Teheran billigte die Einigung endgültig.“ Der österreichische Standard: „Iranisches Parlament segnete Atomdeal ab… Demnach stimmten nach einer Grundsatzeinigung am Sonntag die Abgeordneten dem kompletten Aktionsplan mit 161 zu 59 Stimmen zu, 13 enthielten sich der Stimme.“ Der schweizerische Blick: „Es ist geschafft. Iranisches Parlament billigt…“ Undsoweiter. Die Liste läßt sich beliebig verlängern: im Netz bringt der Suchstring „Iranisches Parlament billigt Atomabkommen“ ungefähr 7.500 Ergebnisse. Die Qualitäts-Nachrichtenagenturen haben also eine Meldung produziert, und die Qualitäts-Medien haben sie übernommen. Schön für John Kerry, Javad Zarif und dessen „dear friend Frank-Walter“ Steinmeier, dass die Geschichtsschreibung für ihren historischen Deal schon begonnen hat. Oder ist es nur eine Geschichtenschreibung?

Im Iran – und nicht nur dort – gibt es nach einer endgültigen Parlamentsentscheidung noch eine letzte Hürde, den Wächterrat, und danach jemanden, der das letzte Wort hat, den „Supreme leader“ Ali Khamenei. Bei denen sei aber auch alles paletti, meldeten die Nachrichtenmacher erfreut. Überall wird zugestimmt, ratifiziert und endgültig gebilligt, was das Zeug hält. Nun muss schnellstens mit der Umsetzung begonnen werden, bevor irgendjemand auf den Gedanken kommt, die geschmeidige Kampagne mit der rauhen Wirklichkeit zu vergleichen.

Denn der iranische Majlis, vom Supreme liebevoll als In-Klammern-Parlament - „Islamische Konsultativ-Versammlung (Parlament)“ - bezeichnet, machte seine Zustimmung von weitreichenden Bedingungen abhängig. „Der (angenommene) Antrag stellt die Bedingung, dass die Regierung ihre freiwilligen Vorleistungen stoppen soll und Gegenmaßnahmen ergreift, um die Rechte Irans wiederherzustellen, falls die andere Seite das Abkommen verletzt, insbesondere bei Aufhebung der westlichen Sanktionen“, berichtete Tehran Times. Auch müsse die Regierung sicherstellen, dass die Internationale Atomenergieagentur militärische Anlagen des Iran nicht inspizieren darf, es sei denn, der Nationale Sicherheitsrat erkläre sich damit einverstanden. Beides steht im Wiener Joint Comprehensive Plan of Action nicht drin noch entspricht es den Safeguards der IAEA. Wie man da von einer Ratifizierung sprechen kann, bleibt das Geheimnis der westlichen Nachrichtenagenturen.

Der Wächterrat, der die Vereinbarkeit der Parlamentsentscheidungen mit der islamischen Lehre überprüft, stellte trocken fest, es habe keinerlei Zustimmung des In-Klammern-Parlaments zu irgendwelchen konkreten Vereinbarungen des Joint Comprehensive Plan of Action gegeben. Im IRNN TV (18.10.) verkündete der Ratssprecher: „Neither the Majlis nor the Guardian Council approved the steps detailed in the JCPOA. This does not mean that they agree or disagree. They have not approved it, because it has not become a legal document. It is merely a political document and cannot be considered a legal binding document for the parties. The Guardian Council has examined the Majlis decision regarding the JCPOA, and not the details of the promises that the government and the negotiating parties planned to implement“ (engl. Übersetzung von memri).

Allzu überraschend ist diese Stellungnahme nicht. Denn die Wiener Vereinbarung wurde, wie der Name „Umfassender Aktionsplan“ besagt, bewußt nicht als völkerrechtlich bindender Vertrag formuliert, sondern als eine Art Absichtserklärung der beteiligten Regierungen, Zug um Zug eine Serie verabredeter Maßnahmen durchzuführen. Dazu bedarf es keiner parlamentarischen Ratifizierung. Nicht einmal eine Beschlußfassung kam in den USA zustande, weil eine Sperrminorität der Demokraten sie durch eine Endlosdebatte im Kongress verhinderte. Im Iran stellte der Wächterrat fest, dass eine Ratifizierung gar nicht erforderlich sei. Was die iranischen Gremien tatsächlich beschlossen haben, ist ein Antrag an die Regierung, der sinngemäß lautet: Macht mal, aber beachtet dabei diese und jene Forderungen. Die Forderungen wiederum höhlen den JCPOA Stück um Stück aus.

Majlis und Wächterrat lieferten freilich nur ein Vorspiel für das Diktum des Diktators, der es mit seinem letzten Wort sehr ernst nimmt. „Gott möge dir Erfolg schenken“, schrieb Ali Khamenei am 21.10. an Präsident Rohani, um ihn anschließend an neun Anweisungen zu „erinnern“, die seine Regierung beizeiten studieren und ernsthaft befolgen möge. Bevor iranischerseits damit begonnen werde, nukleare Kapazitäten zu verringern, müsse es erstens schriftliche Garantien des US-Präsidenten und der EU geben. Diese Erklärungen müssten die Aussage enthalten, dass die Sanktionen vollständig aufgehoben werden. Jede Erwähnung eines snap back-Mechanismus, d.h. der Aufrechterhaltung des Sanktionsrahmens, um sie im Fall von Verstößen gegen die Vereinbarung unverzüglich wieder in Kraft treten zu lassen, werde vom Iran als unvereinbar mit dem JCPOA gewertet – obwohl es dort drinsteht.

Zweitens werde innerhalb der nächsten acht Jahre jede Verhängung irgendeiner Sanktion aus irgendeinem Anlaß durch irgendeines der beteiligten Länder vom Iran als Verletzung des Abkommens angesehen und zur Folge haben, dass man die Erfüllung der übernommenen Pflichten einstellt. Drittens wird Teheran mit der Reduzierung seiner nuklearen Kapazitäten erst dann beginnen, wenn die IAEA erklärt hat, dass die Frage nach möglichen militärischen Aspekten des iranischen Atomprogramms (possible military dimensions) erledigt sei. Viertens dürfe ein Umbau des Schwerwasserreaktors in Arak erst stattfinden, wenn ein verbindliches Alternativkonzept vorliege, das von allen Beteiligten gebilligt wird. Fünftens dürfe eine Verdünnung oder Vermischung der Vorräte an angereichertem Uran nicht auf einen Schlag erfolgen, sondern nur in vielen Teilschritten und bei unterschiedlichen Gelegenheiten.

Sechstens bleibe es bei der mittelfristigen Nuklearplanung, die u.a. eine Verzehnfachung der Kapazitäten zur Urananreicherung vorsieht. Der Nationale Sicherheitsrat müsse sie bloß an die Erfordernisse des JCPOA anpassen, mit anderen Worten: wenn die Beschränkungen nach 15 Jahren wegfallen, müsse das Ziel schnellstmöglich erreicht werden. Dafür habe siebtens die iranische Atomenergieorganisation die erforderlichen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten zu organisieren. Achtens müsse den angelich irreführenden westlichen Interpretationen des JCPOA immer wieder der Originaltext der Verhandlungen entgegengehalten werden, und neuntens solle der Nationale Sicherheitsrat ein qualifiziertes Gremium zur Überwachung des Fortgangs der ganzen Angelegenheit einsetzen.

Nun darf man gespannt sein, ob Obama und Juncker die geforderten Garantie-Erklärungen abgeben, in denen vom snap back nicht mehr die Rede ist; ob sich die IAEA blamiert, indem sie die possible military dimensions kurzerhand als falschen Verdacht abtut; ob die offen angekündigten Verstöße gegen den JCPOA ebenso achselzuckend hingenommen werden wie der Raketentest, den der Iran zeitgleich zur Abstimmung des In-Klammern-Parlaments durchführte. Oder ob die Aufhebung der Sanktionen dann eben auch in vielen kleinen Teilschritten bei unterschiedlichen Gelegenheiten erfolgt. Das wäre nicht nur eine Antwort, die der Supreme verdient. Es hätte auch eine Reihe wünschenswerter Nebenwirkungen. Die Bezahlung, die die Russen für ihren Militäreinsatz in Syrien sicherlich verlangen, würde sich verzögern. Die Waffenlieferungen an Hisbollah würden jedenfalls nicht zunehmen. Die internationale Iran-Lobby müsste ihre Bonus-Erwartungen zurückschrauben, und die Revolutionsgardisten sich noch etwas gedulden, bevor sie hinter dem Lenkrad der begehrten neuen Daimlerbenz-Geländewagen/Militärversion Platz nehmen können – echt nobler als die billigen Toyota pickups von Da’esch.

20. Oktober 2015, 20.48 Uhr:

Messerattentate für die schlechte und die weniger schlechte Sache

von Thomas von der Osten-Sacken

Gastbeitrag von Andreas Benl

Selten treten evidente Parallelen so klar zutage wie dieser Tage:  In Köln attackierte ein Nazi die OB-Kandidatin Henriette Reker mit einem Messer wegen ihrer Flüchtlingspolitik und in Dresden wird verbal nachgelegt, in Israel verüben mit Messern bewaffnete palästinensische Attentäter eine Terrorwelle gegen Juden und werden dafür vom Islamischen Staat bejubelt, im Iran waren Messer 2009 eine Waffe der Wahl gegen oppositionelle Demonstranten.  Rechtsradikale für Volk, Rasse und Religion eben und Hetze, die zu Mord führt. Doch die Reaktionen könnten nicht unterschiedlicher sein: die Kölner OB-Kandidatin gewann mit absoluter Mehrheit, über die peinliche Bruderschaftsgeste des IS wird in westlichen Medien kaum berichtet, und die Bundesregierung und die Islamische Republik präsentierten den deutschen und iranischen Aussenminister als Sicherheitspartner – auf einer von den Organisatoren der Teheraner Holocaustleugnerkonferenz  (dem Institute for Political and International Studies) von 2006 mitgetragenen „Münchener Sicherheitskonferenz“.

Die Friedrich-Ebert-Stiftung in Ost-Jerusalem schließlich klassifizierte mit Messern bewaffnete Antisemiten bereits zu Beginn der Terrorwelle als „Aufstand“ einer neuen Generation:
„In dem Maße wie das Vertrauen in ihn [Abbas] und seine Fatah-Bewegung sinkt, steigt die Eigeninitiative von Grassroots-Gruppen, die sich nicht zu- oder unterordnen lassen. Es sind vor allem Jugendliche und Frauen, die derzeit protestieren und Verzweiflungstaten begehen. Die ältere Generation, die mit dem Kurs von Abbas unzufrieden ist, scheint sie gewähren zu lassen.“

Was wohl der Parteifreund der Autorin Ingrid Ross, Jusitzminister Maas, dazu sagen würde, wenn man das Attentat auf OB-Kandidatin Reker als verzweifelte Tat eines Angehörigen von „Grassroots-Gruppen, die sich nicht zu- oder unterordnen lassen“ bezeichnen würde?

18. Oktober 2015, 21.54 Uhr:

'Stop the Dangerous Deal' - Gegen ein deutsch-türkisches Abkommen

von Thomas von der Osten-Sacken

Die ‘Women’s Initiative for Peace’ aus der Türkei protestiert in einem offenen gegen einen möglichen Deal zwischen Deutschland und der Türkei, der wie eine offene Unterstützung der AKP und Erdogan wirken würde.

Die Türkei soll ihre Grenzen für syrische Flüchtlinge, die weiter nach Europa fliehen wollen, schließen, dafür gibt es dann viel Geld und eine diplomatische Aufwertung. Und das wenige Wochen vor den Wahlen.

Hier der Aufruf #Stop the Dangerous Deal:

The German Prime Minister Angela Merkel is coming to Turkey on Sunday in order to negotiate with Recep Tayyip Erdo?an, the President of Turkey. What is on the table is a deal that is as opportunistic as it is dangerous: if Turkey accepts to keep within its borders the Syrian refugees already on its soil (numbering around 2 million) as well as those that are to come, Prime Minister Merkel allegedly agrees to facilitate Turkey’s entrance into the European Union, consider a visa exemption for Turkish citizens traveling to Europe, and donate 3 billion Euros to Turkey for its expenses on these refugees as a proof of the good will of the EU. This deal, approved also by the German Right, is unbelievable on all levels. First of all, did anybody ask Syrians for their opinion? The conditions in Turkey are appalling for Syrian refugees. President Erdo?an has also stated over and over again that he has the intention to settle these refugees in a buffer zone on the Syrian border. What this visit means in the short term is a European seal of approval for this project, which entails both even more unlivable conditions for refugees and a clear attack by Turkey on the people of Syrian Kurdistan (Rojava).

Moreover, it is clear that this visit, especially in this period right before the election in Turkey, shall function as significant support for the election campaign of the AKP, since President Erdo?an makes no effort to hide his relationship with this party and retain the impartiality his position requires. This view has been expressed in the Bundestag by both the Left Party and the Greens.

This support for AKP’s electoral campaign comes in a period in which this party has greatly damaged the prospect of peace both in Turkey and in the Middle East in general. It has been a mere week since the Ankara bombings. We women were witness to this massacre. It has been a mere week since the police in Turkey attacked people trying to carry those wounded in these bombings to hospitals, using bullets, tear gas and pressurized water. Right after this, the Minister of the Interior had the nerve to claim that “there is no weakness regarding security.” The Minister of Justice was able to laugh upon hearing the question of whether the Minister of the Interior would resign. The Prime Minister saw no problem in stating that they have a list of all potential suicide bombers, but could not intervene until the attack had been carried out since the crime was not yet committed. The President, with whom Prime Minister Merkel shall meet, declared that “resignation is not an appropriate mechanism in each and every single incident.” This, after one of the most bloody incidents in the history of the country… And this is not all. In Turkey, the State is currently waging war on all societal groups that are demanding and working towards peace. Countless civilians have been imprisoned or deliberately killed by state security forces especially in the Kurdish region since the end of the cease-fire, and many war crimes have been committed. These have all been documented by human rights organizations.

Does the European Union, then, suddenly consider all of these acts acceptable and decide that Turkey has become more fitting of its criteria in exchange for keeping Syrian refugees away? When so many people in Turkey see at least some responsibility for the massacre that took place in Ankara in those that govern us due, for one, to their leniency towards ISIS, we ask Prime Minister Merkel not to award them money and legitimacy in return for keeping this refugee crisis ‘under control’. We call upon women’s organizations in Germany and the international public at large to prevent this deal. We know that this a real solution neither for the plight of refugees, nor the problems in Europe or Turkey. All this does is imprison Syrian refugees within the borders of Turkey while condoning all kinds of rights violations on all levels within this country.

All of our lives and our hopes to live in peace should be worth more than this. It is nothing short of an obligation for all of us women to react immediately to this deal, because a deal of this sort is dangerous for the future of the Middle East, Europe, and in longer term, the future of the entire world.

18. Oktober 2015, 13.52 Uhr:

Deutsch-iranisches Geben und Nehmen

von Thomas von der Osten-Sacken

Gastbeitrag von Andreas Benl

Während Außenminister Steinmeier als Schirmherr der in Teheran ausgerichteten „Münchener Sicherheitskonferenz“ in den iranischen Staatsmedien von den ökonomischen Zukunftsperspektiven des Irandeals schwärmt, verkünden diese die Aufhebung der EU-Sanktionen gegen das Regime am heutigen Sonntag. Auch die Verhandlungsführerin des Irandeals Helga Schmid ist anwesend und saß dort neben dem iranischen Terroristen Hamid Aboutalebi. Ihren Beitrag zum Geben und Nehmen in der Münchener Sicherheitspolitik zitiert der iranische Vizeaußenminister Araghchi folgendermaßen: „‘Ms. Schmid also stressed that Iran’s missile tests has nothing to do with the JCPOA and must be discussed within its own related field,‘ said Araghchi.“

Ali Akbar Velayati, ebenfalls ein – in Deutschland gerichtsnotorischer - Mörder, der es zum politischen Berater des religiösen Führers Khamenei gebracht hat, fasst derweil am Rande der “Sicherheitskonferenz” den Stand der Dinge bei der Suche nach gemeinsamen Interessen zwischen Deutschland und der Islamischen Republik bezüglich Syrien zusammen:
„’Since the outbreak of the crisis that has been sparked by foreigners, specially the Americans and the reactionary regional countries, in Syria to weaken the resistance front in favor of Israel, Bashar Assad’s central government has been the backbone of the axis of resistance, and he is still standing against the enemies,’ Velayati told reporters on the sidelines of the preliminary meeting of the Munich Security Conference in Tehran on Saturday.“

Wenn sich nun Revolutionsgarden und Schiitenmilizen begleitet von russischen Luftangriffen gegen Aleppo in Bewegung setzen, werden wieder hunderttausende Syrer aus vormals Assad- und ISIS-freien Zonen fliehen müssen. Sie werden nach Europa und Deutschland kommen, auch wenn es dort mit der „Willkommenskultur“ zu Ende geht, die Gewerkschaft der Polizei Zäune an der österreichischen Grenze fordert und Merkel mit Erdogan die Abwehr der Flüchtlinge organisieren will, die westliche „Sicherheitspolitik“ erst mitgeschaffen hat.

17. Oktober 2015, 19.57 Uhr:

Blutiger Wahnsinn

von Thomas von der Osten-Sacken

Heute treffen sich unter Ägide des deutsche Außenministers hochrangige Vertreter der deutschen Sicherheitskonferenz in Teheran mit ihren iranischen Amtskollegen, um über Frieden, Stabilität und Partnerschaft im Nahen Osten zu sprechen, die iranischen Amtskollegen wiederum haben gerade einmal weder zur Vernichtung Israels aufgerufen, stolz einen Raketentest absolviert und neuste Waffentechnologie präsentiert.

Und ihren obersten General ins syrische Aleppo entsendet, um dort eine Offensive, die in Kooperation mit Russland gegen Einheiten der Rebellen stattfindet, zu koordinieren, an der tausende iranischer Elitesoldaten teilnehmen. Eine Offensive, von der auch ISIS profitieren wird und über die es bisher heißt:

“The regime advanced six kilometres [on Friday] and they took three villages,” said Zakaria Malafji, a member of the Free Syrian Army inside Aleppo. “The Russians showered us with bombs even in the civilian areas. They want to clear everything so the regime tanks and even the soldiers on foot can advance.” (…)

“The regime and Isis tried to take Aleppo last year and they couldn’t, and now they are trying again with the Russians. The Russians are doing Isis a huge favour. They are giving them air cover while they are attacking us from the ground.”

Die Folgen dieser Offensive, wie immer die Kämpfe auch ausgehen mögen, fasst der Guardian in einem Satz zusammen:

Survivors of the regime’s barrel bombs are fleeing Syria’s second city in showdown between east and west.

Wer bislang, trotz barrel bombs und zerstörter Infrastruktur, in Aleppo oder Idblib ausharrte, flieht nun vor denen, mit denen die Deutschen so manierlich über Frieden sprechen. Flieht in die Türkei, deren Präsident deshalb von der EU und vor allem von Deutschland umworben wird und Milliarden in Aussicht gestellt bekommt, lässt er sie ja nur nicht nach Europa weiter reisen.

Dazu schreibt treffend ein drittklassiges Börsenportal, dessen Redakteure über den Wahnsinn nur noch den Kopf schütteln:

Die türkische Demokratie – sofern es sie je ernsthaft gegeben hat - ist längst nur noch ein Schatten ihrer selbst. Die Politik von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan wird von Tag zu Tag repressiver. Kritische Journalisten werden mundtot gemacht oder auf Jahre weggesperrt, der Waffenstillstand mit der PKK ist außer Kraft gesetzt. Die Tage des Friedensprozesses sind gezählt, stattdessen herrschen wieder Terror und Gewalt. Mit Pressefreiheit, Religionsfreiheit und all den anderen Werten, die sich die EU so gerne auf die Fahnen schreibt, hat das längst nichts mehr zu tun. Die türkische Gesellschaft ist tief gespalten. So tief, dass selbst monströse Anschuldigungen wie die, wonach die Regierung bei dem jüngsten Terroranschlag in Ankara irgendwie ihre Finger mit im Spiel gehabt haben soll, nicht mehr so absurd klingen, wie sie es eigentlich sollten.

Und doch ist das alles plötzlich zweitrangig, wenn es darum geht, den Zustrom der Flüchtlinge zu unterbinden. Plötzlich wird die AKP-Regierung mit offenen Armen empfangen und ein so gewiefter Staatsmann wie Erdogan weiß das natürlich für sich zu nutzen.

Natürlich wird Erdogan den Job so wenig machen, wie der Iran und Russland für Frieden sorgen werden. Aber sie nennen es Realpolitik, verraten alle und jeden und werden am Ende mit leeren Händen, bzw. ein paar hunderttausend Flüchtlingen mehr da stehen.

Wenn das der Imperailismus des 21. Jahrhunderts ist, so wäre er wenigstens das würdige Pendant des Sozialismus des 21. Jahrhunderts, dessen Protagonisten gerade den Srurm auf Aleppo vorbereiten.

Heute demonstrierten in Berlin einige hundert Syrer und ein paar nichtsyrische Unterstützer gegen diesen Wahnsinn. Sie standen vor der russischen Botschaft und es war wohl die erste Antikriegsdemonstration in Berlin seit Jahrzehnten, auf der kein einziges Mitglied der Friedensbwegung oder irgend einer linken Partei oder Gruppierung sich zeigte.

17. Oktober 2015, 01.20 Uhr:

Vom kleineren Übel

von Thomas von der Osten-Sacken

Die ganze Strategie Assads und nun auch Putins und des Iran erklärt Christoph Reuter in wenigen Worten. Und mehr Worte bräuchte es eigentlich auch nicht:

“Das ist Putins Kalkül. Sein Manöver folgt einem klaren, schon vor 20 Jahren erprobten Muster: Man beschwört ein islamistisches Monster herauf (hier: den IS), das letztlich den bedrängten Machthaber (Assad) wieder halbwegs gesellschaftsfähig macht.

Durchaus angenehmer Nebeneffekt: Das Monster bekämpft auch noch die Widersacher des Diktators (die Rebellen). Russlands Luftangriffe sind nichts anderes als die Fortsetzung der Politik Assads mit anderen Mitteln, in diesem Fall: mit anderen Flugzeugen.

Es geht darum, unter dem Vorwand der Terrorbekämpfung jede Alternative zum Regime zu beseitigen und die syrischen Rebellen zu vernichten, soweit es geht.

Diese Rebellen versuchen seit Wochen vor allem nördlich von Aleppo, den Vormarsch des IS aufzuhalten. Die Dschihadisten greifen mit Senfgas, Artillerie und Selbstmordanschlägen an. Dass die Anti-Assad-Rebellen von Russlands Regierung und Medien fortwährend und fälschlicherweise als IS-Terroristen bezeichnet werden, hat Methode. Jetzt werden sie von den Russen unter Feuer genommen - die Dschihadisten dagegen werden weitgehend verschont.”

Quelle: http://m.spiegel.de/politik/ausland/a-1057550.html#spRedirectedFrom=www&referrrer=http://m.facebook.com/

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