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Kürzliche Beiträge
30. Oktober 2015, 13.36 Uhr:

Repression und Religion

von Thomas von der Osten-Sacken

Die angeblich starken Männer in Nahost, die von Europa als vermeintliche Garanten einer Stabilität, die es so nie gab und in Zukunft schon gar nicht mehr geben wird, geschätzt und hofiert werden, wissen, worauf ihre Stärke beruht, auf Repression und religiöser Indoktrination. Und so geben sie ihr Geld aus:

Their budget draft for 2016 has all the hints of the country they want to build. According to the government’s medium-term economic program, Turkey’s intelligence agency (MIT), and the Directorate of Religious Affairs will see dramatic rises in their shares of the 2016 budget. MIT’s budget will rise by 47% from 2015. And the budget of the Directorate of Religious Affairs for 2016 will be larger than those of 12 ministries combined.

30. Oktober 2015, 00.05 Uhr:

Berliner Kongress 2.0

von Thomas von der Osten-Sacken

Die Welt ringt laut heute.de um Frieden in Syrien:

Mit einem beispiellosen Großaufgebot internationaler Spitzendiplomaten soll bei der Syrien-Konferenz in Wien einer politischen Lösung in dem zerrissenen Land der Weg geebnet werden. Bei dem Treffen am Freitag werden sämtliche UN-Vetomächte sowie wichtige regionale Akteure wie Iran und Oman vertreten sein, dem nach Experteneinschätzung eine bedeutende Vermittlerrolle beim Versuch zukommt, den Bürgerkrieg in Syrien einzudämmen oder gar zu beenden. Es ist der bislang weitreichendste Versuch, im Syrien-Konflikt Lösungen zu finden. Erste Gespräche standen bereits an diesem Donnerstag auf dem Programm.

Ein kleines Manko bleibt:

Die syrische Führung ist bei der Konferenz nicht dabei. Auch Repräsentanten der Opposition wurden nicht eingeladen.

Kurzum man verhandelt ohne die eigentlich Betroffenen. Das erinnert etwas an die europäische Balkandiplomatie des 19. Jahrhunderts, wo man über das Schicksals von Menschen und Ländern etwa auf dem Berliner Kongress entschied, ohne die, über die man entschied, auch nur einzuladen. Die Folgen sind bekannt.

Was eigentlich ist mit all jenen, die noch vor einem Monat so lautstark forderten, man müsse nun unbedingt mit Assad, dem kleineren Übel, reden? Offenbar taugt der syrische Diktator nicht einmal mehr dazu, man lässt ihn einfach nur weiter seine barrel bombs abwerfen und setzt sich lieber mit seinen Schutzpatronen an einen Tisch, nachdem diese eine UN Resolution gegen den Einsatz dieser tödlichen Terrorwaffen erfolgreich blockiert haben.

Aber ganz sicher werden vor allem die Russen und der Iran bei nächster Gelegenheit betonen, die Syrer müssten selbst über ihr Schicksal entscheiden und irgendwer wird ganz eindringlich auf der Souveränität des syrischen Staates oder dem Selbstbestimmungsrecht des syrischen Volkes und seiner legitimen Regierung bestehen.

Und die Europäer, die jetzt in Wien ihre so lang ersehnte multilaterale Konferenz haben, könnten derweil einen Abstecher nach Spielfeld machen, und sehen, wie es Syrern in Europa ergeht, die man in Wien auch nicht haben will und die vor einem Krieg und Tyrannen fliehen, denen Wiener Diplomatie ganz sicher kein Einhalt gebieten wird.

Am 2. September 1939 notierte D. W. Eisenhower, damals noch als niederer Offizier auf den Phillipinen stationiert, als er vom Beginn des II: Weltkrieges erfuhr, in sein Tagebuch: “Es scheint unmöglich, dass Leute, die sich stolz intelligent nennen, diese Situation entstehen lassen konnten.

Ob sich wer in Wien intelligent nennt, keine Ahnung. Intelligent zumindest klingt der deutsche Außenminister nicht, der wie in einer Zeitschleife erklärt, dass Verhandlungen und Gespräche, die zu mehr Verhandlungen und Gesprächen führen, unbedingt als Fortschritt zu werten seien.:

“Wir dürfen nicht erwarten, dass sich über Nacht all die Probleme und handfesten Interessengegensätze auflösen lassen. Dazu braucht es viel mehr als ein Wiener Treffen. Aber es wäre ein wichtiger Schritt vorwärts, einen Einstieg in weitere Gespräche und Verhandlungen zu schaffen", sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD).

Das ganze klingt vielmehr entweder wie das Gegenteil von intelligent oder eher sogar so total irre, wie die Verhältnisse es gerade sind.

Aber immerhin “ist bei allen Konferenz-Teilnehmern (unbestritten), dass der IS der gemeinsame Hauptgegner ist.”

Sie müssen dem IS - for the record einer Truppe von maximal 30 000 Milizionären, gegen die inzwischen eine Koalition zu kämpfen vorgibt, die aus mehr Staaten besteht, als die Alliierten im II. Weltkrieg, nur dass Siege oder Geländegewinne bislang keine zu verzeichnen sind - fast dankbar sein, dass es ihn gibt, denn worüber sonst könnte man sich in Wien einigen, außer das er der Hauptgegner sei?

29. Oktober 2015, 20.55 Uhr:

Afghanen abschieben

von Thomas von der Osten-Sacken

Den Plan, Afghanistan zum sicheren Herkunftsland zu deklarieren, um dorthin abschieben zu können, kommentiert Reinhard Erös, ehemaliger Bundeswehrarzt und Gründer der Kinderhilfe Afghnaistan:

Ich weiß nur eins, in Afghanistan kamen in den letzten Monaten mehr Zivilisten ums Leben als in den vergangenen 14 Jahren. In Afghanistan kamen doppelt so viel Polizisten in den letzten Monaten seit Jahresbeginn ums Leben als alle 14 Jahre vorher. Das heißt, die Sicherheitslage in Afghanistan im Jahr 2015 ist schlimmer als in all den Jahren, in denen die NATO – also ISAF, die Bundeswehr ist auch dabei – dort tätig war und für Sicherheit sorgen sollte. Und ausgerechnet jetzt entscheidet man in Deutschland de facto zumindest, das Land scheint doch nicht so unsicher zu sein, also, man kann die Leute wieder zurückschicken, die bis vor wenigen Tagen noch oder bis heute eigentlich noch Abschiebestopp aus den gleichen Gründen unterlagen.

29. Oktober 2015, 10.26 Uhr:

'Remaining and Expanding Freedom'

von Thomas von der Osten-Sacken

Die Rede von Abdelaziz Alhmaza, dem Mitbegründer der Organisation “Raqqa is Being Slaughtered Silently” auf der Club de Madrid Konferenz;

My name is Abdelaziz Alhmaza, I am a Syrian from the city of Raqqa which ISIS claims now as it’s capital. I joined my country men and women in the uprising against the dictatorship of Assad’s regime, and later started with a group of young activists to report on social media the news of the city and the atrocities done to its people by the Syrian regime.

Raqqa was liberated from the hard grip of Assad in March 2013 and we were full of joy for our newly gained freedom and looked forward with hope to a better and prosper future. Our celebration did not last long, our beloved city fallen to the hands of more brutal, bloody and violent terrorist group in January 2014, ISIS.

We were stunned by the brutality of the group which annexed our city, and we found it to be our duty to continue reporting the human rights violations done to our people by these invaders.

In April 2014 we founded a citizen journalism group called “Raqqa is Being Slaughtered Silently”. Muatz Billah Ibrahim, was one of our camping co-founders, he was arrested and executed by ISIS in May 2014.

Some of us had to flee around this time and left behind our families and homes and ended up being refugees. That did not deter us from continuing our peaceful campaign against them, we knew that the pen is much stronger than the sword and the light of the truth will win at the end on the darkness of evil.

We established Facebook and Twitter accounts and established a web site to report the atrocities done to our beloved city by ISIS, Assad regime, or anybody else. Our methods are simple, to expose ISIS and show the truth about it, we know that no human being with a sound mind will agree with such violations for basic human rights and we do not need to make ISIS uglier than it is. We have gained attention from news media as an exclusive undercover reporters from inside ISIS territories, for example you may be familiar with the story of the Jordanian pilot Muaaz Alkasasba who was burned a live in cage by ISIS in January of 2015. Few weeks before the video was published we have reported that he was executed by burning on one of our Twitter accounts.

I am glad that when someone google the name of our beloved city, Raqqa, they found now news reported by us and others about the violations done to its people. Not like a year ago when the search results were mostly ISIS materials. Some of our efforts to expose the truth about ISIS did help to de-radicalize or at least discourage some from joining or supporting it. As a result of our counter speech to ISIS violent rhetoric we have been continued to be targeted by them in lethal acts.

I had to flee Turkey where I ended up as a refugee to Germany because of the real and imminent danger for my life. Hamood Almoosa is a friend of mine and one of our co-founders, ISIS arrested his father and 4 others who were associated with him and sentenced them to death by a headshot after they tied them to a tree and made two official videos of it. We have been under consistent attempts to be hacked or social engineered by ISIS to stop our campaign.

They think if they kill us or kill our family and friends we will stop, they do not know that they do nothing but enforce our firm faith in what we do. We will not stop, ISIS has a motto for their so called “state” is “remaining and expanding”, some of our undercover reporters took this photo in front of ISIS headquarters in Raqqa with a paper which contain the campaign logo, name and these words “We are remaining and expanding, freedom forever.” Yes, we are the people of Raqqa will remain and we will expand, we will not surrender and we will continue our peaceful fight against this Evil which describe itself as a “state” and we will win at the end.

Thank you for your time.

23. Oktober 2015, 21.15 Uhr:

Iran: Tricks aus der Kiste der Diplomatie

von Thomas von der Osten-Sacken

Gastbeitrag von Detlef zum Winkel

Als erste meldete die FAZ am 11.10. die „grundsätzliche Zustimmung“ des iranischen Parlaments zum Atomabkommen. „Trotz großer Bedenken hat…“ Am 13.10. folgten dann alle im Chor. Nochmal die FAZ: „Iranisches Parlament billigt Atomabkommen.“ Tagesschau: „Iranisches Parlament sagt »Ja«… Damit steht der Umsetzung auch in den USA nichts mehr im Wege.“ Die Welt: „Iranisches Parlament stimmt Atomabkommen zu… Eine schier endlose Debatte scheint zu Ende.“ Die Zeit: „Iranisches Parlament stimmt Atomabkommen endgültig zu… Damit ist die erbitterte Debatte im Iran beendet und der Weg zur Umsetzung geebnet.“ Focus: „Iranisches Parlament billigt Atomabkommen mit dem Westen… Nach dem US-Kongress hat nun auch das iranische Parlament das Atomabkommen mit dem Westen ratifiziert.“ Süddeutsche Zeitung: „Iranisches Parlament billigt Atomabkommen mit dem Westen… Das iranische Parlament hat… ratifiziert.“ Deutsche Welle: „Iranisches Parlament stimmt Atomabkommen zu… Das Parlament in Teheran billigte die Einigung endgültig.“ Der österreichische Standard: „Iranisches Parlament segnete Atomdeal ab… Demnach stimmten nach einer Grundsatzeinigung am Sonntag die Abgeordneten dem kompletten Aktionsplan mit 161 zu 59 Stimmen zu, 13 enthielten sich der Stimme.“ Der schweizerische Blick: „Es ist geschafft. Iranisches Parlament billigt…“ Undsoweiter. Die Liste läßt sich beliebig verlängern: im Netz bringt der Suchstring „Iranisches Parlament billigt Atomabkommen“ ungefähr 7.500 Ergebnisse. Die Qualitäts-Nachrichtenagenturen haben also eine Meldung produziert, und die Qualitäts-Medien haben sie übernommen. Schön für John Kerry, Javad Zarif und dessen „dear friend Frank-Walter“ Steinmeier, dass die Geschichtsschreibung für ihren historischen Deal schon begonnen hat. Oder ist es nur eine Geschichtenschreibung?

Im Iran – und nicht nur dort – gibt es nach einer endgültigen Parlamentsentscheidung noch eine letzte Hürde, den Wächterrat, und danach jemanden, der das letzte Wort hat, den „Supreme leader“ Ali Khamenei. Bei denen sei aber auch alles paletti, meldeten die Nachrichtenmacher erfreut. Überall wird zugestimmt, ratifiziert und endgültig gebilligt, was das Zeug hält. Nun muss schnellstens mit der Umsetzung begonnen werden, bevor irgendjemand auf den Gedanken kommt, die geschmeidige Kampagne mit der rauhen Wirklichkeit zu vergleichen.

Denn der iranische Majlis, vom Supreme liebevoll als In-Klammern-Parlament - „Islamische Konsultativ-Versammlung (Parlament)“ - bezeichnet, machte seine Zustimmung von weitreichenden Bedingungen abhängig. „Der (angenommene) Antrag stellt die Bedingung, dass die Regierung ihre freiwilligen Vorleistungen stoppen soll und Gegenmaßnahmen ergreift, um die Rechte Irans wiederherzustellen, falls die andere Seite das Abkommen verletzt, insbesondere bei Aufhebung der westlichen Sanktionen“, berichtete Tehran Times. Auch müsse die Regierung sicherstellen, dass die Internationale Atomenergieagentur militärische Anlagen des Iran nicht inspizieren darf, es sei denn, der Nationale Sicherheitsrat erkläre sich damit einverstanden. Beides steht im Wiener Joint Comprehensive Plan of Action nicht drin noch entspricht es den Safeguards der IAEA. Wie man da von einer Ratifizierung sprechen kann, bleibt das Geheimnis der westlichen Nachrichtenagenturen.

Der Wächterrat, der die Vereinbarkeit der Parlamentsentscheidungen mit der islamischen Lehre überprüft, stellte trocken fest, es habe keinerlei Zustimmung des In-Klammern-Parlaments zu irgendwelchen konkreten Vereinbarungen des Joint Comprehensive Plan of Action gegeben. Im IRNN TV (18.10.) verkündete der Ratssprecher: „Neither the Majlis nor the Guardian Council approved the steps detailed in the JCPOA. This does not mean that they agree or disagree. They have not approved it, because it has not become a legal document. It is merely a political document and cannot be considered a legal binding document for the parties. The Guardian Council has examined the Majlis decision regarding the JCPOA, and not the details of the promises that the government and the negotiating parties planned to implement“ (engl. Übersetzung von memri).

Allzu überraschend ist diese Stellungnahme nicht. Denn die Wiener Vereinbarung wurde, wie der Name „Umfassender Aktionsplan“ besagt, bewußt nicht als völkerrechtlich bindender Vertrag formuliert, sondern als eine Art Absichtserklärung der beteiligten Regierungen, Zug um Zug eine Serie verabredeter Maßnahmen durchzuführen. Dazu bedarf es keiner parlamentarischen Ratifizierung. Nicht einmal eine Beschlußfassung kam in den USA zustande, weil eine Sperrminorität der Demokraten sie durch eine Endlosdebatte im Kongress verhinderte. Im Iran stellte der Wächterrat fest, dass eine Ratifizierung gar nicht erforderlich sei. Was die iranischen Gremien tatsächlich beschlossen haben, ist ein Antrag an die Regierung, der sinngemäß lautet: Macht mal, aber beachtet dabei diese und jene Forderungen. Die Forderungen wiederum höhlen den JCPOA Stück um Stück aus.

Majlis und Wächterrat lieferten freilich nur ein Vorspiel für das Diktum des Diktators, der es mit seinem letzten Wort sehr ernst nimmt. „Gott möge dir Erfolg schenken“, schrieb Ali Khamenei am 21.10. an Präsident Rohani, um ihn anschließend an neun Anweisungen zu „erinnern“, die seine Regierung beizeiten studieren und ernsthaft befolgen möge. Bevor iranischerseits damit begonnen werde, nukleare Kapazitäten zu verringern, müsse es erstens schriftliche Garantien des US-Präsidenten und der EU geben. Diese Erklärungen müssten die Aussage enthalten, dass die Sanktionen vollständig aufgehoben werden. Jede Erwähnung eines snap back-Mechanismus, d.h. der Aufrechterhaltung des Sanktionsrahmens, um sie im Fall von Verstößen gegen die Vereinbarung unverzüglich wieder in Kraft treten zu lassen, werde vom Iran als unvereinbar mit dem JCPOA gewertet – obwohl es dort drinsteht.

Zweitens werde innerhalb der nächsten acht Jahre jede Verhängung irgendeiner Sanktion aus irgendeinem Anlaß durch irgendeines der beteiligten Länder vom Iran als Verletzung des Abkommens angesehen und zur Folge haben, dass man die Erfüllung der übernommenen Pflichten einstellt. Drittens wird Teheran mit der Reduzierung seiner nuklearen Kapazitäten erst dann beginnen, wenn die IAEA erklärt hat, dass die Frage nach möglichen militärischen Aspekten des iranischen Atomprogramms (possible military dimensions) erledigt sei. Viertens dürfe ein Umbau des Schwerwasserreaktors in Arak erst stattfinden, wenn ein verbindliches Alternativkonzept vorliege, das von allen Beteiligten gebilligt wird. Fünftens dürfe eine Verdünnung oder Vermischung der Vorräte an angereichertem Uran nicht auf einen Schlag erfolgen, sondern nur in vielen Teilschritten und bei unterschiedlichen Gelegenheiten.

Sechstens bleibe es bei der mittelfristigen Nuklearplanung, die u.a. eine Verzehnfachung der Kapazitäten zur Urananreicherung vorsieht. Der Nationale Sicherheitsrat müsse sie bloß an die Erfordernisse des JCPOA anpassen, mit anderen Worten: wenn die Beschränkungen nach 15 Jahren wegfallen, müsse das Ziel schnellstmöglich erreicht werden. Dafür habe siebtens die iranische Atomenergieorganisation die erforderlichen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten zu organisieren. Achtens müsse den angelich irreführenden westlichen Interpretationen des JCPOA immer wieder der Originaltext der Verhandlungen entgegengehalten werden, und neuntens solle der Nationale Sicherheitsrat ein qualifiziertes Gremium zur Überwachung des Fortgangs der ganzen Angelegenheit einsetzen.

Nun darf man gespannt sein, ob Obama und Juncker die geforderten Garantie-Erklärungen abgeben, in denen vom snap back nicht mehr die Rede ist; ob sich die IAEA blamiert, indem sie die possible military dimensions kurzerhand als falschen Verdacht abtut; ob die offen angekündigten Verstöße gegen den JCPOA ebenso achselzuckend hingenommen werden wie der Raketentest, den der Iran zeitgleich zur Abstimmung des In-Klammern-Parlaments durchführte. Oder ob die Aufhebung der Sanktionen dann eben auch in vielen kleinen Teilschritten bei unterschiedlichen Gelegenheiten erfolgt. Das wäre nicht nur eine Antwort, die der Supreme verdient. Es hätte auch eine Reihe wünschenswerter Nebenwirkungen. Die Bezahlung, die die Russen für ihren Militäreinsatz in Syrien sicherlich verlangen, würde sich verzögern. Die Waffenlieferungen an Hisbollah würden jedenfalls nicht zunehmen. Die internationale Iran-Lobby müsste ihre Bonus-Erwartungen zurückschrauben, und die Revolutionsgardisten sich noch etwas gedulden, bevor sie hinter dem Lenkrad der begehrten neuen Daimlerbenz-Geländewagen/Militärversion Platz nehmen können – echt nobler als die billigen Toyota pickups von Da’esch.

20. Oktober 2015, 20.48 Uhr:

Messerattentate für die schlechte und die weniger schlechte Sache

von Thomas von der Osten-Sacken

Gastbeitrag von Andreas Benl

Selten treten evidente Parallelen so klar zutage wie dieser Tage:  In Köln attackierte ein Nazi die OB-Kandidatin Henriette Reker mit einem Messer wegen ihrer Flüchtlingspolitik und in Dresden wird verbal nachgelegt, in Israel verüben mit Messern bewaffnete palästinensische Attentäter eine Terrorwelle gegen Juden und werden dafür vom Islamischen Staat bejubelt, im Iran waren Messer 2009 eine Waffe der Wahl gegen oppositionelle Demonstranten.  Rechtsradikale für Volk, Rasse und Religion eben und Hetze, die zu Mord führt. Doch die Reaktionen könnten nicht unterschiedlicher sein: die Kölner OB-Kandidatin gewann mit absoluter Mehrheit, über die peinliche Bruderschaftsgeste des IS wird in westlichen Medien kaum berichtet, und die Bundesregierung und die Islamische Republik präsentierten den deutschen und iranischen Aussenminister als Sicherheitspartner – auf einer von den Organisatoren der Teheraner Holocaustleugnerkonferenz  (dem Institute for Political and International Studies) von 2006 mitgetragenen „Münchener Sicherheitskonferenz“.

Die Friedrich-Ebert-Stiftung in Ost-Jerusalem schließlich klassifizierte mit Messern bewaffnete Antisemiten bereits zu Beginn der Terrorwelle als „Aufstand“ einer neuen Generation:
„In dem Maße wie das Vertrauen in ihn [Abbas] und seine Fatah-Bewegung sinkt, steigt die Eigeninitiative von Grassroots-Gruppen, die sich nicht zu- oder unterordnen lassen. Es sind vor allem Jugendliche und Frauen, die derzeit protestieren und Verzweiflungstaten begehen. Die ältere Generation, die mit dem Kurs von Abbas unzufrieden ist, scheint sie gewähren zu lassen.“

Was wohl der Parteifreund der Autorin Ingrid Ross, Jusitzminister Maas, dazu sagen würde, wenn man das Attentat auf OB-Kandidatin Reker als verzweifelte Tat eines Angehörigen von „Grassroots-Gruppen, die sich nicht zu- oder unterordnen lassen“ bezeichnen würde?

18. Oktober 2015, 21.54 Uhr:

'Stop the Dangerous Deal' - Gegen ein deutsch-türkisches Abkommen

von Thomas von der Osten-Sacken

Die ‘Women’s Initiative for Peace’ aus der Türkei protestiert in einem offenen gegen einen möglichen Deal zwischen Deutschland und der Türkei, der wie eine offene Unterstützung der AKP und Erdogan wirken würde.

Die Türkei soll ihre Grenzen für syrische Flüchtlinge, die weiter nach Europa fliehen wollen, schließen, dafür gibt es dann viel Geld und eine diplomatische Aufwertung. Und das wenige Wochen vor den Wahlen.

Hier der Aufruf #Stop the Dangerous Deal:

The German Prime Minister Angela Merkel is coming to Turkey on Sunday in order to negotiate with Recep Tayyip Erdo?an, the President of Turkey. What is on the table is a deal that is as opportunistic as it is dangerous: if Turkey accepts to keep within its borders the Syrian refugees already on its soil (numbering around 2 million) as well as those that are to come, Prime Minister Merkel allegedly agrees to facilitate Turkey’s entrance into the European Union, consider a visa exemption for Turkish citizens traveling to Europe, and donate 3 billion Euros to Turkey for its expenses on these refugees as a proof of the good will of the EU. This deal, approved also by the German Right, is unbelievable on all levels. First of all, did anybody ask Syrians for their opinion? The conditions in Turkey are appalling for Syrian refugees. President Erdo?an has also stated over and over again that he has the intention to settle these refugees in a buffer zone on the Syrian border. What this visit means in the short term is a European seal of approval for this project, which entails both even more unlivable conditions for refugees and a clear attack by Turkey on the people of Syrian Kurdistan (Rojava).

Moreover, it is clear that this visit, especially in this period right before the election in Turkey, shall function as significant support for the election campaign of the AKP, since President Erdo?an makes no effort to hide his relationship with this party and retain the impartiality his position requires. This view has been expressed in the Bundestag by both the Left Party and the Greens.

This support for AKP’s electoral campaign comes in a period in which this party has greatly damaged the prospect of peace both in Turkey and in the Middle East in general. It has been a mere week since the Ankara bombings. We women were witness to this massacre. It has been a mere week since the police in Turkey attacked people trying to carry those wounded in these bombings to hospitals, using bullets, tear gas and pressurized water. Right after this, the Minister of the Interior had the nerve to claim that “there is no weakness regarding security.” The Minister of Justice was able to laugh upon hearing the question of whether the Minister of the Interior would resign. The Prime Minister saw no problem in stating that they have a list of all potential suicide bombers, but could not intervene until the attack had been carried out since the crime was not yet committed. The President, with whom Prime Minister Merkel shall meet, declared that “resignation is not an appropriate mechanism in each and every single incident.” This, after one of the most bloody incidents in the history of the country… And this is not all. In Turkey, the State is currently waging war on all societal groups that are demanding and working towards peace. Countless civilians have been imprisoned or deliberately killed by state security forces especially in the Kurdish region since the end of the cease-fire, and many war crimes have been committed. These have all been documented by human rights organizations.

Does the European Union, then, suddenly consider all of these acts acceptable and decide that Turkey has become more fitting of its criteria in exchange for keeping Syrian refugees away? When so many people in Turkey see at least some responsibility for the massacre that took place in Ankara in those that govern us due, for one, to their leniency towards ISIS, we ask Prime Minister Merkel not to award them money and legitimacy in return for keeping this refugee crisis ‘under control’. We call upon women’s organizations in Germany and the international public at large to prevent this deal. We know that this a real solution neither for the plight of refugees, nor the problems in Europe or Turkey. All this does is imprison Syrian refugees within the borders of Turkey while condoning all kinds of rights violations on all levels within this country.

All of our lives and our hopes to live in peace should be worth more than this. It is nothing short of an obligation for all of us women to react immediately to this deal, because a deal of this sort is dangerous for the future of the Middle East, Europe, and in longer term, the future of the entire world.

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