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Missy-Magazin
Kürzliche Beiträge
27. Oktober 2013, 01.49 Uhr:

No Woman, No Drive

von Thomas von der Osten-Sacken

Heute war erneut Protesttag in Saudi Arabien gegen das vollkommen idiotische und weltweit einmalige Fahrverbot für Frauen. Das ist da immer noch ein Riesenthema, ein Politikum ersten Grades, nicht erst seit irgend ein bescheuerter Kleriker erklärt hat, Frauen, die Autofahren würden, hätten Schwierigkeiten, Kinder zu gebären.

Aber sage niemand, selbst in Saudi Arabien tue sich gar nichts. Die Satire von Hisham Fageeh und seinen Freunden, als Solidarität mit den protestierenden Frauen aufgenommen, ist schlicht genial; nur weil sie Bob Marley covern, ist das Video auf Youtube  Deutschland blockiert.

Wer ein Facebookaccount hat, kann es sich trotzdem hier anschauen:

 

Ach, und übrigens hat die UN gerade Saudi Arabien gelobt. Für was? Natürlich “on women’s rights“, wofür denn sonst?

26. Oktober 2013, 12.52 Uhr:

Palästinenser auf der Flucht

von Thomas von der Osten-Sacken

“Wir schwammen durch Leichen". Das berichtet ein Flüchtling aus dem palästinensischen Flüchtlingslager Yarmouk, der Damaskus mit seiner Familie verließ, als die syrische Armee begann, das Lager zu bombardieren. Über Ägypten kamen sie nach Libyen, zahlten dort für die Überfahrt nach Italien und kenterten.

Ein Film der BBC über eine Familie, die Glück hatte, wenn man so etwas Glück nennen kann: sie überlebte wenigstens und ertrank nicht, wie Tausende andere, die es versuchten und versuchen, nach Europa zu kommen, im Mittelmeer:

25. Oktober 2013, 23.33 Uhr:

Zwei Monate bis zur Bombe?

von Thomas von der Osten-Sacken

Barack Obama telefoniert mit dem iranischen Präsidenten und versucht, neue Sanktionen gegen den Iran zu verhindern. Und auch in Europa ist man begeistert von Rohanis Charme Offensive, die angeblich ein neues Kapitel in den Beziehungen zum Iran öffne.

Derweil schlägt das US-Militärfoschungsinstitut ISIS Alarm, der Iran könnte binnen weniger Monate genug hochangereichtertes Uran für den Bau einer Atombombe haben. Im schlimmsten Fall einen bis 1,6 Monate.

Das entspricht nicht ganz den bisherigen Schätzungen:

The Obama administration has said Iran is probably a year away from having enough enriched uranium to make a bomb.

Und ist das Uran erst angereichert, fehlt nur noch die passende Trägerrakete, deren Bau allerdings kaum zu verhindern sein werde, erklärt ISIS weiter.

Man müsse den Iran also davon abhalten, sein Uran weiter anzureichern. Ein Vorschlag so wohlmeinend wie auch hilflos, denn er basiert auf folgender Annahme:

All of these steps are achievable and reasonable if Iran is committed to convincing the world that its nuclear program is indeed peaceful.

23. Oktober 2013, 20.59 Uhr:

Deutscher Antiimperialismus: Verkommenheit hat einen Namen

von Thomas von der Osten-Sacken

Joachim Guilliard vom Heidelberger Friedensforum, der bis vor kurzem noch “Zehn Euro für den irakischen Widerstand” sammelte, denunziert heute seine alten Jihadisten-Kumpels aus dem Irak und wirft ihnen vor, als CIA-Söldner in Syrien zu kämpfen. Dort nämlich führen sie ihren heiligen Krieg nicht gegen die Amis und andere finstere Imperialisten, sondern das Regime Bashar al-Assads, den nicht nur Faschisten und Nazis aller Couleur unterstützen, sondern auch und von ganzem Herzen die  “Antiimperialistische Aktion” in Deutschland.

In Duisburg, einem wahren hotbed des Antiimperialismus, wird Guilliard gemeinsam mit einem Herrn Abdallah Abdallah und auf Einladung der Linksjugend und der Antiimperialistischen Aktion über die wahren Hintergründe des Syrienkrieges aufklären. Herr Abdallah ist seines Zeichens nicht nur Parlamentsabgeordneter in Damaskus, sondern auch Vorsitzender der “Nordkoreanisch Syrischen Freundschaftsvereinigung” und in der Einladung heißt es:

Der syrische Aufstand ist eine getarnte, gut geplante und von außen gesteuerte Militäroperation des Westens. Die überwiegende Mehrheit der „Freien Syrischen Armee“ rekrutiert sich aus ausländischen radikalen „Jihadisten“, welche einen Gottesstaat errichten wollen und bezahlten Söldnern. Sie werden durch die US-Imperialisten und den mit ihnen alliierten arabischen Diktaturen Katar und Saudi-Arabien, finanziert, militärisch ausgebildet und nach Syrien eingeschleust, um dort gegen die syrische Regierung zu kämpfen.

Sanktionen gegen Syrien nämlich sind ganz böse und dass nun ernsthaft auch Genossinnen aus dem eigenen Lager von der Bundesregierung fordern, keine Dual Use Güter mehr an das Regime in Damaskus zu exportieren, nachdem ruchbar wurde, dass jahrelang aus Deutschland alles mögliche Zeugs geliefert wurde, das auch zur Herstellung von Giftgas benötigt wird, empört den Guilliard sehr, der in seinem Magenblatt “Junge Welt” deshalb der Hoffnung Ausdruck verleiht, dass ja kein solcher Lieferstopp verhängt wird:

Der Wahlkampf ist vorbei, und so bestand Hoffnung, daß damit auch die Anstrengungen der Partei Die Linke und von Bündnis 90/Die Grünen enden würden, aus der Lieferung von sogenannten Dual-Use-Gütern (d.h. sowohl für zivile als auch militärische Zwecke nutzbar) an Syrien einen Skandal zu machen und einen Stopp solcher Exporte zu erreichen. (…)

Die Fakten selbst geben keinen Anlaß für die ganze Aufregung und lassen Gysis und Lochbihlers Äußerungen als pure Demagogie erscheinen. Gemäß der Liste des Bundeswirtschaftsministeriums handelt es sich bei den inkriminierten Stoffen um vier Basischemikalien, die, wie Salz- oder Schwefelsäure breite Verwendung in der Industrie finden: Natrium-und Kaliumcyanid, Fluorwasserstofflösungen und Ammoniumhydrogendifluorid.

Diese Antiimps und Friedensfreunde,  sie sind so verkommen, es fällt schwer, noch die richtigen Worte zu finden. In ihrer Begeisterung für den syrischen Diktator lassen sie, ohne mit der Wimper zu zucken, selbst die, sonst so heißgeliebten, Palästinenser schmächlich hängen, die offenbar als Objekt der Solidarität  nur taugen, wenn’s gegen die Zionisten geht, und die nun, eingekesselt von Shabiba Milizen und syrischer Armee im Yarmouk Camp verrecken oder den Hund des Nachbarn essen können.

“I have watched the poorer families eat stray dogs because they have nothing else,” said Ehab, a resident of the Yarmouk camp, speaking to The Telegraph via Skype. “There is no food here now.” Shops in the camps were “completely bare” and the tight siege was preventing any movement in or out of the camp, Ehab said. The only prioper food remaining was small quantities of rice.

Selber schuld, dass so viele von ihnen gegen und nicht, wie aufrechte Heidelberger Friedensfreunde, an der Seite von Assad kämpfen. Sonst müssten sie auch kein Bombardement und keine Hungerblockade erleiden.

Aber sollte bald ein neuer Konflikt irgendwo ausbrechen, in dem Jihadisten dann erneut gegen die USA, Israel oder ein prowestliches Regime in die Schlacht ziehen, der Guilliard wird die selben sunnitischen Gotteskriegern wieder  als Kampfgenossen begrüßen und mit dem Klingelbeutel für sie durch Heidelbergs Strassen ziehen.

Auch in Ghouta, wo das syrische Gas abgeworfen wurde, hungern die Überlebenden des Angriffs, weil das Regime weder Nahrungsmittel noch Hilfsgüter durchlässt.

Und im Irak bombt Al Qaida täglich weiter. Warum eigentlich? Hatten die Guilliards uns nicht erklärt, dass es einzig gegen die Besatzung ginge und ums Selbstbestimmungsrecht der Völker? Die vermeintlichen Besatzer sind seit Jahren weg, der Terror ist geblieben, zwischenzeitlich sogar schlimmer geworden. Aber das schert sie natürlich einen Dreck, diese Freunde des Friedens, sie ziehen weiter, zur nächsten Schlacht, eilen, dem nächsten großen Führer im Kampf gegen Imperium und Zion zur Seite zu stehen.

23. Oktober 2013, 18.01 Uhr:

Islamistische Machtübernahme in Syrien?

von Thomas von der Osten-Sacken

Gesetzt der Fall, das Assad Regime stürzt und irgendwann dürfte es das tun, trotz aller direkten und indirekten Unterstützung. Dann, so hört man allenthalben, drohe eine Machtübernahme durch radikale Islamisten. Abgesehen davon, dass Jihadisten tendenziell zwar viel zerstören und viele umbringen können, selten dagegen Geschick zeigen, wenn es um’s Regieren geht, hätten sie nicht nur Syrien beträchtliche Teile der Bevölkerung gegen sich, sondern auch alle  relevanten regionalen und globalen Akteure. Dazu Michael Neumann auf Enduring America:

The threat of extreme Islamists certainly is dire and real. While it is absurd to say they’re “as bad as Assad” – even after the Latakia massacre, their atrocities are episodic, not a constant horror – they’re bad enough. What’s exaggerated is their prospects. They will never rule Syria and they will never establish enclaves in Syria. Extreme or extremely conservative Islam may conceivably come to dominate Syria, but that’s a very different sort of danger, and cause only for a very different sort of concern.

For this to happen, of course, Assad would have to fall. Their opponents would then be not just the more moderate Syrian revolutionaries, but every power, great and small, with an interest in the region. Russia and China would be on the same side as the secularist and moderate revolutionaries. So would all Kurdish factions. Jordan, the Gulf States and Israel would be united in their determination to eradicate the radical Islamist spectre. So would Turkey, now with a much freer hand, because the substantial pro-Assad opposition would now be on-side. So would the West. So would Hezbollah and the Maronites, all but choking off any support from within Lebanon. The extremists’ only source of supply would be within Western Iraq. Iran, having lost its Syrian ally and no longer capable of maintaining Hezbollah as a militarily robust proxy, would focus on strengthening the Iraqi government, its sole remaining foothold in the Arab world. In short, the extremists would not only be isolated, but surrounded by forces determined to crush them, with the enthusiastic support of both the West and the East. The idea that the extremists could, in these circumstances, hold territory, is a non-starter.


23. Oktober 2013, 15.53 Uhr:

Angenehm liberal

von Jörn Schulz

Wer braucht schon Demokratie? Deutsche Unternehmerverbände offenbar nicht. „A top German delegation yesterday acknowledged Bahrain’s secure atmosphere, slamming biased international media for spreading a distorted image of the kingdom. ‘The government has created a solid ground for economic work and investments to bounce back,’ the Arab-German Friendship Association delegation said.”

Die Deutsch-Arabische Freundschaftsgesellschaft e.V. organisierte die Lobpreisung Seiner Majestät Hamad bin Isa bin Salman al-Khalifas „in Kooperation mit der Landesvereinigung Baden-Württembergischer Arbeitgeberverbände e.V., der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V. und der IHK Berlin“. Weisheit und Weitblick unserer Leistungsträger sind immer wieder beeindruckend. “’The image spread by international media about Bahrain is distorted and detached from reality, they said. They also stressed that they realised the reality of the situation during their visit.” Während diese Menschenrechtsfuzzis monatelange Untersuchungen anstellen, nur um Seine Majestät beleidigen, braucht ein deutscher Unternehmer nur zwei Tage, um die Wahrheit zu erkennen. Bei so vielen „hochrangigen Gesprächspartnern“, von denen die hochrangigsten, wie es der Zufall so will, wie der König auf den Namen al-Khalifa hören, ist man natürlich gut informiert. Und selbstverständlich hat man auch mit der Zivilgesellschaft gesprochen, repräsentiert durch Esam Abdulla Fakhro, den Vorsitzenden des Bahrain Chamber of Commerce and Industry.

Allerdings, offenbar wusste man schon vorher alles. „Ein kleines, traditionell liberales Land, welches sich seit Ende der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts durch religiöse Toleranz, hohe Rechtskultur, früh einsetzende Frauenemanzipation und gute Ausbildungsmöglichkeiten für beiderlei Geschlecht einen guten Namen gemacht hat, geriet aufgrund einseitiger, verkürzter und oberflächlicher Berichterstattung allzu schnell in Misskredit.“ Whow. Wahrscheinlich hat nicht einmal der König selbst gewusst, dass er so fortschrittlich ist. Um die „angenehmen, liberalen Lebensverhälnisse“ zu erhalten, hat Seine Majestät allerdings mehr als 1,7 Millionen Stück Tränengasmunition nachbestellen müssen, pro Einwohner etwa anderthalb.

Es könnte sich lohnen, dort gleich eine Tränengasfabrik zu bauen, denn die Nachfrage ist garantiert. Zu einer ungewöhnlichen Widerstandsaktion, deren politischer Hintergrund allerdings unklar ist, kam es am Montag: „A group of cross-dressing men were said to have attacked police and destroyed a patrol vehicle with firebombs in Bahrain on Monday, according to a local news report. The police jeep was gutted by fire near a police station in the capital, Manama. The attackers, disguised in traditional Arab women’s clothing, also targeted the police station (…) The jeep was completely gutted and tear gas was fired to restore order.”

 

22. Oktober 2013, 23.59 Uhr:

Why Muslims should love secularism

von Thomas von der Osten-Sacken

Ein lesenswertes Plädoyer von Hussein Ibish:

Muslims should love secularism. But very few of them do, largely because they misunderstand what it stands for and would mean for them.

Secularism as an English term – in contrast to the French concept of laïcité – simply means the neutrality of the state on matters of faith. This bears almost no resemblance to the way in which most Arabs understand the term, whether translated as ‘almaniyya, ilmanniyya, or even dunyawiyya.

Secularism has become strongly associated in the Arab and broader Muslim worlds with atheism, iconoclasm, and anti-religious attitudes and policies. And in the process, one of the most important pillars of building tolerant, inclusive, and genuinely free Muslim-majority societies has been grotesquely misrepresented and stigmatized.

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