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Kürzliche Beiträge
16. Januar 2016, 00.05 Uhr:

Drohender Dammbruch

von Thomas von der Osten-Sacken

Seit Jahren ist bekannt, dass dieser Damm in einem miserablen Zustand ist, die letzten Jahre scheinen ihm den Rest zu geben:

Iraks größter Staudamm droht nach Angaben des US-Außenministeriums im Frühjahr zu brechen und eine 20 Meter hohe Flutwelle durch das dicht besiedelte Tal des Tigris zu schicken. Schuld sei fehlende Wartung des instabilen Untergrundes – der Damm steht auf Schichten aus Gips, Kalk und Lehm, so dass der Untergrund des Bauwerks seit seiner Inbetriebnahme permanent durch technische Maßnahmen stabilisiert werden muss. Diese Arbeiten sind durch den Krieg gegen die Terrormiliz Daesh seit nunmehr 16 Monaten unterbrochen. Nun sehen Fachleute Indizien dafür, dass Wasser im Untergrund das Fundament der Staumauer von unten her abträgt. Im schlimmsten Fall, so schätzen die US-Diplomaten, könnte das Versagen des Damms mehrere hunderttausend Menschenleben kosten.

9. Januar 2016, 13.49 Uhr:

Ultimative Handlungsempfehlungen für Sittsamkeit

von Thomas von der Osten-Sacken

Gastbeitrag von Andreas Benl

Nachdem die Stellungnahme des “MuslimStern” zur shariakonformen Abhilfe in Köln durchs Internet gelaufen ist, hat die Redaktion den ursprünglichen Post gelöscht, an anderer Stelle wiederveröffentlicht und Sätze wie “Man kann nicht vor einem Löwen eine nackte Antilope werfen und erwarten, dass bei dem Löwen sich nichts regt.” mit der schmierigen Anmerkung versehen: “Dass Frauen keine Schuld trifft, wenn sie Opfer sexueller Straftaten werden, egal wie sie gekleidet sein mögen, ist für uns selbstverständlich und steht auch nicht zur Debatte!”

Bei den Moderaten in der Islamischen Republik bedarf es keines solchen Eiertanzes. Ende 2015 erklärte die iranische Verkehrspolizei, 40 000 Autos von Frauen wegen Verstößen gegen das Verschleierungsgebot beschlagnahmt zu haben.
Eine Bilderstrecke der Deutschen Welle zeigt, dass man auch propagandistisch keinen Aufwand im Kampf für die zwangsverschleierte Sittsamkeit scheut.



6. Januar 2016, 08.43 Uhr:

Menschenrechtsfreunde

von Thomas von der Osten-Sacken

Gastbeitrag von Andreas Benl

Saudi-Arabien und die Islamische Republik Iran beschuldigen sich gerade gegenseitig, die Menschenrechte zu verletzen. Zwischen den üblichen gegenseitigen Anklagen des Abfalls von der wahren Religion ist der Drang offensichtlich unwiderstehlich, zwecks PR im Westen auch von Rechten zu sprechen, die mit den Islamischen Menschenrechten wenig zu tun haben, wie sie das iranische Regime in einer Antwort an den UN-Menschenrechtsbeauftragten Ahmed Shaheed 2013 formulierte:

Even  before  development  of  international  texts,  the  holy  Sharia  was  attentive  to  dignity  of  human  being  in  different  aspects.  It  has  not  created  any  limit  to  the  true  rights  of  the  human  being.

The  Special  Rapporteurs  claim  on  the  presence  of  conflict  between  some  recognized  punishments  in  the  Islamic  Penal  Code  and  human  rights  regulations  is  due  to  his  lack  of  attention  to  both  cultural  diversity  and  Sharia  provisions.

Nun twittert die Revolutionsgarden-Nachrichtenagentur FARS einen Cartoon, in dem ISIS und Saudi-Arabien folgende Gemeinsamkeiten vorgeworfen werden:

 

 

Der iranische Karikaturist Mana Neyestani hat ihnen geantwortet:

Iran vs. Saudi

5. Januar 2016, 01.54 Uhr:

Verhungern in Syrien

von Thomas von der Osten-Sacken

Aus Madaya, einer der vielen Orte in Syrien, gegen die das Assad Regime und die Hizbollah Hungerblockaden verhängt haben:

In the early hours of Sunday morning, a pregnant woman and her daughter tried to sneak out of Madaya, a mountain village perched in the snow-capped mountains of southwestern Syria.

As they reached the southern edge of town, someone tripped over a landmine, and the loud blast alerted a nearby Hezbollah checkpoint of their escape. The fighters opened fire, and between the explosion and the barrage, both mother and daughter died.

Desperate escape attempts like this one — which was reported by the UK-based Syrian Observatory for Human Rights, and confirmed to VICE News by local residents — have become more and more common in Madaya, a village of 40,000 that’s been under siege since July by a combination of Syrian forces loyal to President Bashar al-Assad and his ally, the Lebanese militia Hezbollah.

In the past month alone, 31 residents have died from starvation, or in attempts to run the Hezbollah-manned blockade that encircles the town. A report compiled by the Syrian-American Medical Society and made available to VICE News found that a kilogram (two pounds)of flour now retails for around $100, while the average Syrian makes less than $200 each month.

“I had strawberry leaves for dinner today,” Rajai, a 26-year old English and math teacher in Madaya, told VICE News by phone, asking that his name be withheld for security reasons. "I haven’t had a real meal in three months.” Since the siege began in July, he’s lost 50 pounds. “Kids are eating leaves off the trees, and the very old and very young are dying,” he said. (…)

According to Rajai, the Assad regime is punishing his hometown for its participation in the Syrian uprising in 2011. When peaceful protesters took to the streets in the nearby city of Zabadani in April 2011, Rajai joined in. “We wanted to clean this country of Assad,” he said. He was arrested and tortured. Now, after five years of civil war, his outlook is bleak.

4. Januar 2016, 21.38 Uhr:

Renaissance in Haifa

von Thomas von der Osten-Sacken

In der New York Times hat

The liberal Arab renaissance in Haifa began with the opening of Fattoush, a Palestinian restaurant, in 1998. The restaurant, which hosted cultural discussions and art exhibitions, was once a scandal to polite Arab society because men and women openly drank alcohol and flirted. Now, it is a tourist-friendly fixture on Ben Gurion Boulevard, Haifa’s main drag.

More Arab-owned businesses opened on that street in the years since, with signs welcoming all people in Arabic, English and sometimes Hebrew. Many of these bars, cafes and restaurants were crowded on a recent weeknight with couples strolling along teeming sidewalks decked with Christmas lights.

Back up the road at the Elika bar, Samer Asakleh was hanging out with a co-worker. A folksy Arab song about smoking marijuana played from the speakers, and posters tacked to the wall advertised a concert featuring an Arab ska band, Toot Ard.

“The people in Haifa, especially in these cafes, they are making revolutions,” said Mr. Asakleh, 23, his long hair tied in a messy bun. He moved here from his home village of Mughar, in Galilee, to study management and was initially surprised by the open, seemingly libertine attitudes and social mores of people he met. He said he had not encountered any openly gay people before moving here in 2011, and he used to excuse himself from parties when gay couples would show up because he did not approve of homosexuality.

Since then, he has mellowed, he said.

“I am for people’s freedoms, social, personal and individual, and you can’t divide that up,” Mr. Asakleh explained. “You can’t just not accept queer people. I believe in freedom for the Palestinian people, so we also have to support personal freedoms.”

3. Januar 2016, 15.05 Uhr:

Religionskrieg versus Freiheitskampf

von Thomas von der Osten-Sacken

Gastkommentar von Andreas Benl

Die saudische Monarchie hat 47 Menschen hingerichtet, darunter neben Al Qaida-Kadern den schiitischen Kleriker Nimr al-Nimr, über den man wohl immerhin sagen kann, dass er gegen Assad war. Einen Mann also, der dem iranischen Regime tot mehr nützt als lebendig. Khamenei stellte ihn bereits in eine Reihe mit „Märtyrern“ aus dem Libanon und Gaza: den auch unter oppositionellen Syrern verhassten antisemitischen Kindermörder Samir Kuntar und den Hamasführer Yassin.

Die saudischen Herrscher teilen mit der Islamischen Republik das Interesse, vergessen zu machen, dass es bei dem vom Westen verratenen Aufstand im Iran 2009 und seinem Echo in der arabischen Welt 2011 nicht um einen Religions- sondern um einen Freiheitskrieg ging. Und von den Freunden Assads, Putins und Khameneis am lautesten vorgetragene Empörung im Westen findet ihr Pendant im eisigen Schweigen zu den iranischen Hinrichtungsweltmeistern und in der Verachtung gegenüber jenen als Loosern geschmähten syrischen „former doctors, farmers, pharmacists and so forth“ im Mittleren Osten, die sich der Sektenlogik verweigern.

Das iranische Regime hat auf seine allbekannte Art reagiert und die saudische Botschaft in Teheran von seinen Milizen anzünden lassen. Gérard Araud, der französische Botschafter in den USA sieht darin eine notwendige Reaktion des iranischen Regimes und jedenfalls definitiv keinen Kriegsakt. (Seinen Twitter-Post hat er inzwischen gelöscht.)

Man wird also sehen, ob der Westen in dem immer heißer werdenden kalten Krieg zwischen dem saudischen und dem iranischen Regime offen Partei für das iranische ergreift, oder ob man nun für die Stabilitätspartner, die doch gerade in Wien das syrische Gemetzel „lösen“ sollen, noch eine Parallelkonferenz zur Schadensbegrenzung organisiert.

Jeden Tag zeigt sich offener der antisemitische ideologische Unterbau, auf dem der Kampf im Orbit der ethnoreligiösen Konkurrenz der Despoten ausgetragen wird. Während die Revolutionsgarden nicht nur das „Blut der Märtyrer“ in Saudi-Arabien beschwören, sondern die Hinrichtungen als „zionistische Verschwörung“ klassifizieren, sind die sunnitischen Konkurrenten auf diesem Feld jedoch ins Hintertreffen geraten. Das saudische Königshaus hat in der aktuellen Situation kein Interesse, die antiisraelischen Reden seiner Kleriker in die Tat umzusetzen. Der einstige Held der Mavi Marmara Erdogan befindet sich mit seinem Projekt, auch in Sachen Antizionismus zum Führer der Sunniten aufzusteigen, auf Schlingerkurs. Und die Drohungen des IS gegen Israel sind nichts im Vergleich zu zehntausenden von iranischen Raketen im Libanon und in Gaza. Niemals würde das iranische Regime eine Drohung gegen Israel zurücknehmen.

Ein auf antisemitischer Konsequenz aufgebautes Regime schafft eine Parallelwelt, in der es keine Kompromisse gibt, was den Kampf gegen die Juden und aller mit ihnen Identifizierten angeht. Antisemitismus und Antiamerikanismus sind für die Islamische Republik keine Taktik im Gegensatz zu anderweitigen rationalen Selbsterhaltungsinteressen, sondern ihre unverzichtbare Gegenrationalität.

Der Versuch der Verständigung mit dieser Gegenrationalität endet im Verständnis für ihre Ziele. Im selben Maße, wie der Ausbau der Partnerschaft mit dem iranischen Regime weitergetrieben wird, schreitet die Selbstzerstörung der zivilisatorischen Restposten im Westen voran. Eine Entente Cordiale mit der Islamischen Republik und seinen Moskauer Verbündeten wäre das sichere Rezept dafür, das Gerede vom „Religionskrieg“ im Mittleren Osten wahrwerden zu lassen. Und sie wäre identisch mit einer heiligen Allianz gegen alle, die in der Region für Mäßigung oder gar Säkularismus und Demokratie stehen.

2. Januar 2016, 22.21 Uhr:

'We denounce the silence of Western governments ...'

von Thomas von der Osten-Sacken

Die Kata’ib Hizballah, eine vom Iran unterstützte schiitische Miliz im Irak, verurteilt die Hinrichtung von Sheihk Nimr al-Nimr durch die saudische Regierung und schwört Rache:

We we denounce the silence of Western governments that pretend to be defending human rights and guarantee the freedom of expression, yet do not exercise pressure on any of its agents “the oil sheikhs” to have them stop the annihilation campaigns against persecuted people.

Und, das ist so schön am Nahen Osten, sie kritisieren den Westen, zu schweigen (was er nicht in diesem Falle nicht einmal tut) und nichts für die “freedom of expression” zu unternehmen.

Kritisiert aber wer die Verhältnisse da, wo eine Hizbollah oder ihr großer Master, der Iran, immerhin  “Weltmeister” im Exekutieren, regieren, dann werden sie ganz böse und werfen dem “großen Satan” vor, sich in innere Angelegenheiten einzumischen und die Souveränität zu mißachten oder erklären, dass das westliche Konzept von Menschenrechten eh dem wunderbaren Islam widerspreche, dem sie nur Folge leisten und der ja die Menschenrecht viel besser garantiere.

Ob die Kata’ib Milizionäre, die so brav im namen ihres Gebieters in Teheran  für den Erhalt des Assad Regimes in Syrien kämpfen wissen, dass Nimr al Nimr es nicht so mit dem syrischen Präsidenten hielt? Den nämliche erklärte in einer Ansprache:

“The oppressed should unite together against the oppressors, instead of becoming tools in the hands of the oppressors. The Khalifa family [in Bahrain] are oppressors, and Sunnis are not responsible for their actions. These are not Sunnis, they are tyrants. The Assad family in Syria are oppressors, and Shiism is not responsible for their actions. Never defend an oppressor. It is never justified for someone who is oppressed to defend [another’s] oppressor.”

Am Ende war es alles dann doch nur wieder eine weitere zionistische Verschwörung stellen die Iranischen Revolutionsgardisten klar:

“The criminal act of execution of Sheikh Nimr the leader of Shia in Saudi Arabia is part of a Zionist conspiracy to sow discord among the world Muslims which will be aborted by the Heavenly blessings coming down to us by the pure blood of these martyrs,” the statement emphasized. “Definitely, Muslims will react to this atrocity and violence through consolidation of unity, which will contribute to the resistance ideals of liberation of the holy Quds.”


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