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Kürzliche Beiträge
24. August 2016, 12.13 Uhr:

From Behind

von Thomas von der Osten-Sacken

Seit heute Morgen um vier Uhr Ortszeit findet mit Unterstützung der US-Luftwaffe eine de facto türkische Invasion in Nordsyrien mit dem Ziel statt, den Islamischen Staat aus der Stadt Jarablus zu vertreiben.

Turkish special forces, aided by American military advisers, U.S. drones and Turkish artillery units, moved into northern Syria before dawn as part of the coordinated campaign to push Islamic State out of a strategic town on the Euphrates River, officials said.

Der türkische Präsident erklärte dazu:

The operation is targeting ISIL and Syrian Kurdish fighters in northern Syria to end attacks on Turkey’s border. At 4:00 this morning, operations started in the north of Syria against terror groups which constantly threaten our country, like Daesh [the Arabic acronym for ISIL] and the PYD [ the Syrian Kurdish group].

Laut türkischer Definition nämlich befindet man sich im Kampf gegen den Terror und zwar sowohl gegen den islamischen Staat als auch gegen die Einheiten der kurdischen YPG, die als syrische Branch der PKK gesehen werden.

Zusammengefasst: Türkische Panzer greifen mit US-Luftunterstützung Jarablus an, ihr erklärter Gegner sind auch die Einheiten der YPG.

Die aber sind Verbündete der USA im Kampf gegen den Islamischen Staat und erhielten erst jüngst massive Luftunterstützung von der US-Airforce und als syrische Flugzeuge Stellungen der YPG in Hassakeh bombardierten, da drohten die USA, dass sie, sollte Assad nicht einlenken, bereit seien, seine Flugzeuge abzuschießen, obwohl sich die USA offiziell nicht im Konflikt mit dem syrischen Regime befinden.

Zwischenzeitlich erklärte Saleh Muslim, dessen PYD offiziell ein Verbündeter der USA ist, dass die Türkei, NATO-Mitglied und offiziell Verbündeter der USA in Syrien eine schreckliche Niederlage erleiden werden:

“Turkey will be defeated in the Syrian quagmire, just like ISIS,” Saleh Muslim wrote on Twitter as Turkish officials heralded the start of the country’s widely-anticipated cross border action.

“I think they will [suffer] heavy losses, [the decision] to enter this war was in their hands, [but getting out of it] won’t be,” the ANHA news agency—which is close to Muslim’s party—quoted him as saying in a follow-up report

Dagegen begrüßen Einheiten der Free Syrian Army, offiziell irgendwie auch noch eine Organisation, die von den USA unterstützt werden, den türkischen Vorstoß:

An official in the Free Syrian Army-affiliated Mutassim Brigade on Tuesday night told the pro-rebel Enab Baladi outlet that rebels would soon cross the Turkish border into Jarablus.

“The coming days will witness fierce battles against ISIS, and Jarablus will return to the bosom of the revolution once again,” Mustafa Sejari, the head of the faction’s political office, vowed.

Wieder einmal also gelingt es der Obama Administration alle gegen sich aufzubringen, Kräfte zu unterstützen, die sich de facto gegenseitig bekriegen und am Ende fliegen dann Piloten der US-Airforce Einsätze gegen Stellungen der eigenen Verbündeten. Wie man so etwas nennt? Dummheit und Unfähigkeit wären wohl treffende Begriffe. In Washington sprach Friedensnobelpreisträger Obama dagegen einst von einer Strategie des „Leading from behind“.

Jedenfalls dürfte ab heute morgen eine de facto Schutz- und Flugsverbotszone über Nordsyrien Realität geworden sein.

23. August 2016, 10.52 Uhr:

Wer den Preis für den Iran-Deal zu zahlen hat

von Thomas von der Osten-Sacken

Warum hat Barack Obama seinen starken Worten über „rote Linien“ in Syrien keine Taten folgen lassen und trotz des massiven Giftgaseinsatzes durch das Assad-Regime im August 2013 nicht militärisch reagiert? Weil es auf anderem Wege und in vorbildlicher Zusammenarbeit mit Russland gelungen sei, die syrischen Chemiewaffenbestände zu vernichten – sagen Vertreter und Apologeten der Obama-Administration. Weil ein Angriff auf das Assad-Regime das heiß ersehnte Atom-Abkommen mit dem Iran unmöglich gemacht hätte, sagt dagegen Jay Solomon vom Wall Street Journal, der ein in diesen Tagen erscheinendes Buch über den Iran-Deal geschrieben hat. Die Menschen in Syrien, die bis zum heutigen Tage Angriffen mit chemischen Kampfstoffen durch das Assad-Regime ausgesetzt sind, zahlen demnach den Preis für einen Deal, der sich immer deutlicher als das faule Ei erweist, das er von Anfang an war. Im Interview mit MSNBC schildert Solomon, was seine Recherchen ergeben haben:

„If you go back in time, when the President announced his plans to attack and then pulled back, it was exactly the period in time where American negotiators were meeting with Iranian negotiators secretly to get the nuclear agreement. And U.S. and Iranian officials have both told me they were communicating that if the U.S. starts hitting a Iran’s closest Arab ally, sort of the ability to project their power through the Middle East and Lebanon and the Palestinian territories, they cannot conclude. The Revolutionary Guard would not accept a continued engagement with the U.S. if their closest ally was being hit.”

Das Zugeständnis an den Iran war nicht nur ein Bruch der eigenen Verlautbarungen Obamas und demolierte nachhaltig dessen Glaubwürdigkeit, sondern seit dem August 2013 erst wurde der syrische Bürgerkrieg zur größten Tragödie des neuen Jahrhunderts – denn von da an wussten das Assad Regime, die russische und iranische Führung und die libanesische Hisbollah, dass sie in Syrien auch in Zukunft freie Hand haben werden.

 

 

22. August 2016, 16.39 Uhr:

No Bombing Zones

von Thomas von der Osten-Sacken

Zwar kein Ersatz für Flugverbotszonen, aber immerhin wenigstens eine Forderung. Der SDP käme sie nicht über die Lippen.

A total of 30 Labour MPs are calling on the government to demand  for  "no bombing zones"  to be established in Syria, in the spirit of their murdered colleague Jo Cox.

The MPs have told the Telegraph they would support the creation of safe zones around hospitals and using Navy frigates and RAF aircraft to launch retaliation strikes if these are breached.

It follows an investigation by the United Nations into possible war crimes after at least four people were killed in an apparent chlorine gas attack in the Syrian city of Aleppo.


20. August 2016, 18.24 Uhr:

Die Protokolle der iranisch-russischen PR-Achse

von Thomas von der Osten-Sacken

Gastbeitrag von Andreas Benl

Alex Rowell in „NOW Lebanon“ über eine kollektive antisemitische Attacke auf den US-Journalisten Michael Weiss, die exakt das heutige Spektrum der Advokaten der Protokolle der Weisen von Zion beschreibt und ihr gemeinsames ideologisches Einstehen für Despotie und Terror, was sie projektiv ihren Gegnern unterstellen. Ausgangspunkt ist Trita Parsi, der Chef der Iranregimelobby in den USA, die dort im Gegensatz zu einigen europäischen Pendants als ‚progressiv‘ auftritt. Er tweetete die Hasstirade eines Richard Silverstein (man kennt sich wohl aus Kampagnen gegen iranische Oppositionelle) von einer rechtsradikalen Website. Höhepunkt der Vorwurf, Weiss sei der „Hofjude“ westlicher kriegstreiberischer Herrscher. An Bord gingen mit Retweets sofort die Helden der antiamerikanischen Paranoia - Wikileaks und der Pulitzer-Preisträger Glenn Greenwald - sowie der Islamophobieexperte Reza Aslan.

Trump- und Putin-Fans, Online-Antiamerikanismus und die PR-Abteilung von Teheran: alle vereint beim Posten eines antisemitischen Schmähartikels gegen einen amerikanischen Autor, der dagegen vor allem von Syrern verteidigt wird. Frontlinien in der heutigen Auseinandersetzung mit Diktatoren und Djihadisten:

These are big names, and big numbers. Greenwald is a Pulitzer Prize winner, while Aslan’s 2013 book Zealot debuted at #2 on the New York Times bestseller list. So just what is this article they agree is such a “MUST READ” all about? The kindest thing that can be said for it is it’s a nasty work of racist conspiracy theorizing. Its subject, the author and The Daily Beast editor Michael Weiss, is portrayed as a bloodthirsty Muslim-hating warmonger bent on manipulating American foreign policy at the behest of Israel, in the mould of what Silverstein calls the “court Jews” of “European rulers [in] the Middle Ages.” You read that right – Weiss, an atheist of partial Jewish descent, is likened by the article’s author to a medieval “court Jew.” In a tweet clarifying this terminology Thursday, Silverstein explained, “Weiss does the bidding of oligarchs & the powerful much like court Jews once did for rulers.”

It’s extremely tempting to leave things there. Need any more time be wasted on a piece so nakedly manured with textbook anti-Semitism? Will anyone be prepared to stand up and say, ‘Sure, some passages rather whiff of the Protocols, but otherwise it’s a cogent critique’? Actually, it turns out they are, yes. Someone named Kevin Rothrock, editor of a website called RuNet Echo, who tweeted the article more than once to his nearly 9,000 followers, found himself able to declare that, “The “court Jews” comment is disgusting, but my Twitter interest is in media focused on Russia, hence my focus in [sic] the funding rumor.

20. August 2016, 15.31 Uhr:

Und plötzlich: Eine No-Fly-Zone über Syrien

von Thomas von der Osten-Sacken

Donnerstag griffen zum ersten Mal seit Jahren syrische Kampfflugzeuge Stellungen der kurdischen PYD in Hassakeh an, keine 48 Stunden später verhängen die USA eine de facto Flugverbotszone über diesem Teil Nordostsyriens. So schnell kann es gehen, wenn man nur will, d. h. alles Gerede über Flugverbotszonen war bislang eben Gerede und drückte nur den Unwillen der Beteiligten aus. Spätestens seit Februar 2012 fordern syrische Oppositionelle und ihre internationalen Unterstützer, dass über Nord- und Südsyrien No-Fly-Zones errichtet werden sollen, um die Bevölkerung vor dem Bombenterror des Regimes und seiner Alliierten im Iran und Russland zu schützen.

The US-led coalition scrambled fighters to protect US advisers working with Kurdish forces after Syrian regime jets bombed the area, in the latest escalation of Syria’s bloody conflict, the Pentagon said Friday.

Thursday’s air strike, conducted by two Syrian SU-24 attack planes, targeted Kurdish forces who were undergoing training from US special operations advisers in the area around the northeastern city of Hasakeh, Pentagon spokesman Captain Jeff Davis said.

In a bid to intercept the Syrian jets, the coalition scrambled its own jets to the area, but the regime planes had left by the time they arrived.

This was done as a measure to protect coalition forces,” Pentagon spokesman Captain Jeff Davis said of Thursday’s incident, in which regime bombers conducted air strikes in the area around the northern city of Hasakah.

“We did make clear that US aircraft would defend troops on the ground if threatened.

20. August 2016, 11.50 Uhr:

Der Gazastreifen als Wellness-Oase: Wahlkampf à la Hamas

von Thomas von der Osten-Sacken

Gastbeitrag von Florian Mark, Mena-Watch

„Danke Hamas“ ist auf den Schildern zu lesen, die von Bewohnern des Gazastreifens in die Kameras gehalten werden. Die Dankesbekundungen sind Teil eines Wahlkampfspots, den die Islamisten im Vorfeld der im Oktober stattfindenden palästinensischen Kommunalwahlen produziert haben. Anders als in der ans Ausland gerichteten Propaganda, in der Gaza stets als ‚größtes Gefängnis der Welt‘ in Szene gesetzt wird, in dem die Israelis Not und Elend verursachen würden, präsentiert die Hamas das ihr unterworfene Land als einen Ort blühenden Lebens, der von grünen Parks, modernen Stadtvierteln, Einkaufszentren, luxuriösen Badelandschaften und pittoresken Stränden geprägt wird. Nun handelt es sich dabei selbstverständlich um Propaganda. Es ist leicht nachzuvollziehen, dass die Hamas nicht ausgerechnet mit Bildern der Zerstörungen Wahlwerbung betreibt, die sie durch ihren Terrorkrieg gegen Israel über die eigene Bevölkerung gebracht hat – die sind zwar als Waffen im Propagandakrieg in westlichen Medien bestens zu gebrauchen, nicht aber als Wahlwerbung daheim. Aber die Aufnahmen zeigen sehr wohl den Teil der Realität, der von anti-israelischen Propagandisten stets unter den Tisch fallen gelassen wird, wenn sie von Gaza als einem „Gefängnis“ oder, wie der Journalist Jakob Augstein, gar von einem „Lager“ sprechen.


19. August 2016, 12.58 Uhr:

Assads Luftwaffe bombardiert Kurden

von Thomas von der Osten-Sacken

Die PYD wird unter anderem von den USA unterstützt, weil sie nicht gegen Assad kämpft. Das erst erklärte erst jüngst wieder der Mann Obamas der syrischen Opposition.

Hilft auch nicht viel, jedenfalls gab es jetzt einen ersten Angriff der syrischen Luftwaffe gegen Gebiete, die die PYD kontrolliert:

Syrian government warplanes bombed Kurdish-held areas of the northeastern city of Hasaka on Thursday for the first time in the five-year-old civil war, the Syrian Kurdish YPG militia and a monitoring group said.

People’s Protection Units (YPG) spokesman Redur Xelil said the air strikes had hit Kurdish districts of the city, which is mostly controlled by Kurdish groups, and the positions of a Kurdish security force known as the Asayish.

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