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Kürzliche Beiträge
16. Januar 2016, 15.01 Uhr:

Brief aus einem türkischen Gefängnis

von Thomas von der Osten-Sacken

Der Herausgeber der türkischen “Cumhuriyet", Can Dündar, sitzt im Gefängnis. Von dort schrieb er einen Gastbeitrag für die “Welt". Und was für die Türkei gilt, gilt genau so für alle anderen Länder in der Region:

Das, was in der Silvesternacht in Köln passiert ist, kam uns Türken wohlbekannt vor. Es war dasselbe, was sich jedes Jahr auf dem größten Platz von Istanbul, dem Taksim-Platz, zuträgt. (…)

In der Türkei kämpfen seit Jahren Frauen und Männer unter Lebensgefahr gegen dieses Weltbild und für ein laizistisches, modernes Leben und eine demokratische Republik. Sie sind davon überzeugt, dass man sich nicht mit den Symptomen, sondern mit den Ursachen auseinandersetzen und eine Politik entwickeln muss, die diese Ursachen bekämpft.

Auf welcher Seite aber stehen die westliche Welt und die Europäische Union und insbesondere Deutschland und Frau Merkel, wenn diese beiden verschiedenen Auffassungen in Istanbul oder in Köln aufeinanderprallen? Wir kennen die Antwort auf diese Frage. Und genau darum lächeln wir bitter, wenn wir von Merkels harter Reaktion auf die Angreifer von Köln hören.

Der Weg in eine Welt, in der nicht die Religion das Leben reglementiert, in der Frauen und Männer in Freiheit zusammenleben, in der Gerechtigkeit, Demokratie und Freiheit die allergrößte Wertschätzung genießen und in der nicht der Krieg, sondern der Frieden gepriesen werden, führt nicht darüber, die Grenzen zu schließen. Er führt über die globale, grenzüberschreitende Solidarität jener, die dieselben Ideale teilen.

Derweil füllen sich die türkischen Gefängnisse mit anderen Kritikern Erdogans.

16. Januar 2016, 00.09 Uhr:

Der Krieg und die Flüchtlinge

von Thomas von der Osten-Sacken

Die EU zahlte Gaddafi bis 2011 Milliarden, damit er Flüchtlinge in Libyen internierte.

Heute zahlt die EU Erdogan Milliarden, damit der Flüchtlinge nicht weiter ziehen lässt.

Gaddafi nutze die Drohung, seine Grenzen zu öffnen, äußerst geschickt, um mehr Unterstützung von der EU zu erhalten. Erdogan ist nicht weniger gerissen.

Putin, Assad und Iran produzieren gemeinsam jeden Tag neue Flüchtlinge.

Flüchtlinge sind somit nicht nur eine Einkommensquelle und Überlebensgarantie, sie selbst werden zur Waffe.

Und jeder, der Europa weiter schwächen will, verfolgt mit Freude, wie effizient dies mit Flüchtlingen, die man zu Millionen “produziert", funktioniert.

Nur die Europäer glauben weiterhin, sie befänden sich ja eigentlich gar nicht im Krieg, wenn, dann gegen ein paar Jihadisten des IS und der würde mit Bombenflugzeugen entschieden.

Oder sie führen Krieg gegen den Flüchtlinge selbst … nicht gegen jene, die sie erst erschaffen, womit sie erneut genau denen in die Hände spielen, die jederzeit ein paar weitere Millionen Flüchtlinge produzieren können.

Der Krieg gegen die Flüchtlinge ist nur eine weitere der vielfältigen Fronten, an der Europa den “War on Terror” verliert. Denn er ist nur eine weeitere falsche Front, eine, an der der Gegner immer siegen und Europa verlieren wird, strategisch und moralisch.

16. Januar 2016, 00.05 Uhr:

Drohender Dammbruch

von Thomas von der Osten-Sacken

Seit Jahren ist bekannt, dass dieser Damm in einem miserablen Zustand ist, die letzten Jahre scheinen ihm den Rest zu geben:

Iraks größter Staudamm droht nach Angaben des US-Außenministeriums im Frühjahr zu brechen und eine 20 Meter hohe Flutwelle durch das dicht besiedelte Tal des Tigris zu schicken. Schuld sei fehlende Wartung des instabilen Untergrundes – der Damm steht auf Schichten aus Gips, Kalk und Lehm, so dass der Untergrund des Bauwerks seit seiner Inbetriebnahme permanent durch technische Maßnahmen stabilisiert werden muss. Diese Arbeiten sind durch den Krieg gegen die Terrormiliz Daesh seit nunmehr 16 Monaten unterbrochen. Nun sehen Fachleute Indizien dafür, dass Wasser im Untergrund das Fundament der Staumauer von unten her abträgt. Im schlimmsten Fall, so schätzen die US-Diplomaten, könnte das Versagen des Damms mehrere hunderttausend Menschenleben kosten.

9. Januar 2016, 13.49 Uhr:

Ultimative Handlungsempfehlungen für Sittsamkeit

von Thomas von der Osten-Sacken

Gastbeitrag von Andreas Benl

Nachdem die Stellungnahme des “MuslimStern” zur shariakonformen Abhilfe in Köln durchs Internet gelaufen ist, hat die Redaktion den ursprünglichen Post gelöscht, an anderer Stelle wiederveröffentlicht und Sätze wie “Man kann nicht vor einem Löwen eine nackte Antilope werfen und erwarten, dass bei dem Löwen sich nichts regt.” mit der schmierigen Anmerkung versehen: “Dass Frauen keine Schuld trifft, wenn sie Opfer sexueller Straftaten werden, egal wie sie gekleidet sein mögen, ist für uns selbstverständlich und steht auch nicht zur Debatte!”

Bei den Moderaten in der Islamischen Republik bedarf es keines solchen Eiertanzes. Ende 2015 erklärte die iranische Verkehrspolizei, 40 000 Autos von Frauen wegen Verstößen gegen das Verschleierungsgebot beschlagnahmt zu haben.
Eine Bilderstrecke der Deutschen Welle zeigt, dass man auch propagandistisch keinen Aufwand im Kampf für die zwangsverschleierte Sittsamkeit scheut.



6. Januar 2016, 08.43 Uhr:

Menschenrechtsfreunde

von Thomas von der Osten-Sacken

Gastbeitrag von Andreas Benl

Saudi-Arabien und die Islamische Republik Iran beschuldigen sich gerade gegenseitig, die Menschenrechte zu verletzen. Zwischen den üblichen gegenseitigen Anklagen des Abfalls von der wahren Religion ist der Drang offensichtlich unwiderstehlich, zwecks PR im Westen auch von Rechten zu sprechen, die mit den Islamischen Menschenrechten wenig zu tun haben, wie sie das iranische Regime in einer Antwort an den UN-Menschenrechtsbeauftragten Ahmed Shaheed 2013 formulierte:

Even  before  development  of  international  texts,  the  holy  Sharia  was  attentive  to  dignity  of  human  being  in  different  aspects.  It  has  not  created  any  limit  to  the  true  rights  of  the  human  being.

The  Special  Rapporteurs  claim  on  the  presence  of  conflict  between  some  recognized  punishments  in  the  Islamic  Penal  Code  and  human  rights  regulations  is  due  to  his  lack  of  attention  to  both  cultural  diversity  and  Sharia  provisions.

Nun twittert die Revolutionsgarden-Nachrichtenagentur FARS einen Cartoon, in dem ISIS und Saudi-Arabien folgende Gemeinsamkeiten vorgeworfen werden:

 

 

Der iranische Karikaturist Mana Neyestani hat ihnen geantwortet:

Iran vs. Saudi

5. Januar 2016, 01.54 Uhr:

Verhungern in Syrien

von Thomas von der Osten-Sacken

Aus Madaya, einer der vielen Orte in Syrien, gegen die das Assad Regime und die Hizbollah Hungerblockaden verhängt haben:

In the early hours of Sunday morning, a pregnant woman and her daughter tried to sneak out of Madaya, a mountain village perched in the snow-capped mountains of southwestern Syria.

As they reached the southern edge of town, someone tripped over a landmine, and the loud blast alerted a nearby Hezbollah checkpoint of their escape. The fighters opened fire, and between the explosion and the barrage, both mother and daughter died.

Desperate escape attempts like this one — which was reported by the UK-based Syrian Observatory for Human Rights, and confirmed to VICE News by local residents — have become more and more common in Madaya, a village of 40,000 that’s been under siege since July by a combination of Syrian forces loyal to President Bashar al-Assad and his ally, the Lebanese militia Hezbollah.

In the past month alone, 31 residents have died from starvation, or in attempts to run the Hezbollah-manned blockade that encircles the town. A report compiled by the Syrian-American Medical Society and made available to VICE News found that a kilogram (two pounds)of flour now retails for around $100, while the average Syrian makes less than $200 each month.

“I had strawberry leaves for dinner today,” Rajai, a 26-year old English and math teacher in Madaya, told VICE News by phone, asking that his name be withheld for security reasons. "I haven’t had a real meal in three months.” Since the siege began in July, he’s lost 50 pounds. “Kids are eating leaves off the trees, and the very old and very young are dying,” he said. (…)

According to Rajai, the Assad regime is punishing his hometown for its participation in the Syrian uprising in 2011. When peaceful protesters took to the streets in the nearby city of Zabadani in April 2011, Rajai joined in. “We wanted to clean this country of Assad,” he said. He was arrested and tortured. Now, after five years of civil war, his outlook is bleak.

4. Januar 2016, 21.38 Uhr:

Renaissance in Haifa

von Thomas von der Osten-Sacken

In der New York Times hat

The liberal Arab renaissance in Haifa began with the opening of Fattoush, a Palestinian restaurant, in 1998. The restaurant, which hosted cultural discussions and art exhibitions, was once a scandal to polite Arab society because men and women openly drank alcohol and flirted. Now, it is a tourist-friendly fixture on Ben Gurion Boulevard, Haifa’s main drag.

More Arab-owned businesses opened on that street in the years since, with signs welcoming all people in Arabic, English and sometimes Hebrew. Many of these bars, cafes and restaurants were crowded on a recent weeknight with couples strolling along teeming sidewalks decked with Christmas lights.

Back up the road at the Elika bar, Samer Asakleh was hanging out with a co-worker. A folksy Arab song about smoking marijuana played from the speakers, and posters tacked to the wall advertised a concert featuring an Arab ska band, Toot Ard.

“The people in Haifa, especially in these cafes, they are making revolutions,” said Mr. Asakleh, 23, his long hair tied in a messy bun. He moved here from his home village of Mughar, in Galilee, to study management and was initially surprised by the open, seemingly libertine attitudes and social mores of people he met. He said he had not encountered any openly gay people before moving here in 2011, and he used to excuse himself from parties when gay couples would show up because he did not approve of homosexuality.

Since then, he has mellowed, he said.

“I am for people’s freedoms, social, personal and individual, and you can’t divide that up,” Mr. Asakleh explained. “You can’t just not accept queer people. I believe in freedom for the Palestinian people, so we also have to support personal freedoms.”

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