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Kürzliche Beiträge
10. Juli 2013, 19.06 Uhr:

Saudis versus Qataris

von Thomas von der Osten-Sacken

Die  Fronten  im Nahen Osten, sie siehen so aus: da waeren die sunnitischen Laender, die alle gemeinsam irgendwie gegen den Iran stehen und die Opposition in Syrien gegen die engsten Alliierten des Iran, das Assad Regime und die Hizbollah, unterstuetzen. Bislang sah das von aussen wie eine recht geschlossene Formation aus, war’s aber nicht, sonst waer’s ja auch nicht der Nahe Osten, denn Qatar und die Tuerkei halten es mit den Muslimbrudern, vor denen sie keine Angst haben, ganz anders als etwa die Saudis oder Emirate. Da mag man die Muslimbrueder naemlich, weil sie eine potentielle Gefahr fuer die eigene Herrschaft darstellen, gar nicht und hat bislang deshalb ueberall die Salafiten gestuetzt, die wiederum die Muslimbruder schwaechen sollten. Das war aber nur ein bedingt erfolgreiches Modell.

Inzwischen unterstuetzen die Saudis sogar jeden, der nur einigermassen plausibel nachweisen kann, dass er weder den Iran noch die Muslimbruder mag. Und deshalb haben sie den Sturz Mursis auch kraeftig gefoerdert und begruusst. Der wiederum war eine herbe Niederlage vor allem fuer Qatar aber auch die AKP-Regierung in der Tuerkei.

The ouster of Egypt’s Islamist president Mohamed Morsi last week by the army and the election by the Syrian opposition of Saudi-linked Ahmad Assi Jarba as new leader stripped Qatar of strong influence in both countries.

“Qatar had tried to take a leading role in the region but overstepped its limits by openly backing the Muslim Brotherhood in Egypt, Syria, and other Arab Spring states,” said Kuwaiti political analyst Ayed al-Manna.

Jonathan Eyal, head of international relations at Britain’s Royal United Services Institute, argued that Qatar’s regional politics have failed.

“Qatar’s Middle Eastern diplomacy now lies in ruins: it failed to produce dividends in Libya, backfired in Syria and has now collapsed in Egypt,” local Emirati daily The National quoted him on Tuesday as saying.

Realising the damaging effects of their policies, Manna noted, “the Qataris sought to cut down on their commitments” which were already affected by the emir’s abdication and the sidelining of the influential prime minister Sheikh Hamad bin Jabr al-Thani.

As a result, “Saudi Arabia, a historical regional US ally, regained its role” in coordination with other oil-rich Gulf monarchies, said Manna.

7. Juli 2013, 22.52 Uhr:

Wenn Islamisten ihren Glauben verlieren

von Thomas von der Osten-Sacken

Liest man bei Al Qaida und den Muslimbruedern eigentlich deutsche Zeitungen und verfolgt die Stellungnahmen des Aussenministeriums? Oder kommen die ganz von selbst darauf, zu erklaeren, was der kritische Europaer so hoeren will?

Der hat ja inzwischen entschieden, dass wenn man die Islamisten nicht ihre Diktaturen errichten laesst, die den Glauben an die Demokratie verlieren, weshalb jetzt die grosse Gefahr bestuende, dass sie sich radikalisieren und man deshalb ganz dringend den Dialog intensivieren und “zur Demokratie zurueckkehren” muesse.

Die Jungs vom Islamischen Staat jedenfalls, die in Syrien ihr jihadistisches Unwesen treiben und zuvor mit Bomben, IEDs und Messern so ungefaehr alles unternommen haben, damit der Irak in blutiges Chaos und Buergerkrieg stuerzt, statt sich in ein einigermassen demokratisches Gebilde zu transformieren, nehmen den Sturz des aegyptischen Praesidenten nun zum Anlass, der Welt zu erklaeren, wie unheimlich enttaescht von der Demokratie sie doch seien, weshalb sie auch “chosen the ammunition box instead of the ballot box".

Und auch bei den Muslimbruedern hat man verstanden, was wohl am besten in Europa ankommt:

Egypt’s Muslim Brotherhood believes Western governments fully supported the military overthrow of President Mohamed Morsi, a decision it says will fuel hatred towards the United States and Europe and ultimately backfire on them. (…)

Beltagy also flagged concerns that Morsi’s removal would trigger violence by Islamists who would see no point in democratic processes that the mainstream Brotherhood had worked hard to bring them into.

Weiterlesen.

6. Juli 2013, 14.00 Uhr:

Children of the Revolution

von Thomas von der Osten-Sacken

Was dieser Junge ueber die aegyptische Verfassung erzaehlt, ueber Gleichberechtigung und den Faschismus der Muslimbrueder …. ach, seht selbst.

Ich mag den Begriff Revolution im Zusammenhang mit den Umwaelzungen in der Region nicht besonders, aber wenn die Children of the Revolution so klingen kann man auch gerne von Revolution sprechen:

 

(Gefunden bei den Free Arabs)

5. Juli 2013, 20.15 Uhr:

Nicht von dieser Welt

von Thomas von der Osten-Sacken

Stimmen die Informationen von AFP, dann hat schon am 23. Juni das aegyptische Militaer de facto ein Ultimatum an Mohammad Mursi und die Muslimbrueder gestellt:

The countdown had begun as early as June 23, when Sisi gave Morsi and the opposition a week to work out their differences — a remote possibility given the wide gap between both sides.

Brotherhood officials said they saw the end coming based on Sisi’s comments nine full days before Morsi’s actual ouster.

“We knew it was over on 23 June Western ambassadors told us that,” said another Brotherhood spokesman. US Ambassador Anne Patterson was one of the envoys, he added.

Die USA und die Europaer wussten also die ganze Zeit Bescheid. Und was taten sie? US-Aussenminister John Kerry betrieb angestrengte und absurde Shuttle-Diplomatie zwischen Jerusalem und Ramallah, um den Nahostfrieden voranzubringen, ganz so, als waere der israelisch-palaestinensische Konflikt gerade immens relevant, Obama tourte durch Afrika und die Europaer beschaeftigten sich mit Edward Snowden und PKW-Abgasnormen, als handele es sich bei Aegypten um ein kleines Suedseeatoll, dessen Zukunft voellig irrelevant fuer die Weltgeschichte sei.

Ach nein, falsch, irgendwer hat in der Zwischenzeit mal mit irgendwem telefoniert und seiner Besorgnis Ausdruck verliehen.Das wurde dann auch brav von den Medien berichtet. Und am Day After erklaerten sie dann unisono, wie besorgt sie doch seien ueber die Entwicklung.

Sie wirken alle inzwischen so, als seien sie nicht von dieser Welt.

Eine Bitte nun hat man, nach diesem erneuten Totalversagen: Niemand moege in den naechsten zehn Jahren mehr die Floskel von der Internationalen Staatengemeinschaft, die jetzt dies und jenes tun muesse, in den Mund nehmen. Das zumindest ist man den Menschen in Aegypten, Syrien und anderswo schuldig.

Derweil berichten sie gerade aus Kairo, dass dort Anhaenger und Gegner des gestuerzten Praesidenten aufeinander losgehen. Es wird eine blutige Nacht werden:

Watching it from a birds’ eye view, both sides seem to have live ammo. This is getting ugly. It already seems utterly pointless.

5. Juli 2013, 20.02 Uhr:

Wird ungehoert verklingen

von Thomas von der Osten-Sacken

Gerade wird wieder Homs von syrischen Truppen bombardiert, denen Einheiten der Hizbollah zur Seite stehen. Hilferufe aus der Stadt verklingen - es handelt sich schliesslich um Syrien - ungehoert. Das naechste Massaker kann stattfinden, vielleicht berichtet ja in ein paar Tagen eine Zeitung darueber. Ob wohl wieder Giftgas eingesetzt werden wird? Egal, interessiert ja eh niemanden, ausser denen die elendig daran krepieren.

In einem Interview erklaert Ahmad al-Soud, Kommandeur der Free Syrian Army, dass es sich bei ihnen keineswegs um eine Jihadistentruppe handelt. Auch das wird erneut ungehoert verklingen. Oder vielleicht doch nicht ganz? Seit die Aegypter, denen ja auch nachgesagt wurde, sie hielten es in ueberwaeltigender Mehrheit mit den Muslimbruedern, zu Millionen gegen Mohammad Mursi auf die Strasse gingen, sind vielleicht ein paar Ueberzeugungen, wie der Nahe Osten denn so sei, ein wenig in Frage gestellt worden.

Ob das den Syrern in Homs und anderswo, die eine weitere Nacht unter Granatbeschuss erwarten, helfen wird? Man kann es guten Gewissens bezweifeln.

Diego Cupolo: How are Islamist groups impacting the strategy of the Free Syrian Army?

Ahmad al-Soud: Let me first say 99 percent of Syrians are against any organization that operates like Al-Qaeda. Most of our people simply want to live in a democracy like Western countries. That’s why this war began. We want peace and we want freedom. We cannot achieve this with a dictator like Assad and we certainly won’t achieve this by bringing Al-Qaeda or other extremists to power.

As I told you, the current presence of Islamist groups in Syria remains small. If the war ended today, the Syrian population would push these groups out of the country and we would move forward with a modern democratic government. The problem is this war has no foreseeable end and the longer it continues, the more power the Islamist groups will gain. They recruit more men every month.

Diego Cupolo: When did fundamentalist groups begin appearing on the battle fields? Have you personally seen their recruitment numbers rise?

Ahmad al-Soud: I can give you an example from my hometown, the city of Idlib. One year ago I did an interview with a Washington Post reporter and I told him there were three Al-Qaeda members in the city. Since then, their numbers have grown to 45 members. Still, 45 is small in a city of 125,000, but it’s a trend that will continue for the remainder of the war. By this time next year, I wouldn’t be surprised if they have 1,000 men or more.

Why? Because the Syrian people are vulnerable and will take any help they can get at this point. Russia, Iran and Hezbollah are helping Assad, but no one is helping the resistance. Al-Qaeda is smart, they’re organized and they have money and arms. They have everything rebel fighters need. Think about it. Our people have been at war for more than two years now and if someone, anyone, offers them help, of course they’re going to take it.

4. Juli 2013, 20.49 Uhr:

Lieber Westen ...

von Thomas von der Osten-Sacken

Noch vor dem dramatischen Ende des Muslimbruderpraesidentschaft schrieb Mahmoud Salem in einer seiner lesenswerten Kolumnen diese Zeilen. Jetzt, wo von Guido Westerwelle ueber die FAZ bis zum Neuen Deutschland alle sich ueber den “Rueckschlag der Demokratie in Aegypten” (O-Ton deutscher Aussenminister) beklagen, sollte man sie unbedingt noch mal lesen:

No matter what happens, let’s celebrate the Egyptians who have stood in the millions in opposition to attempts of creating a theocratic state in Egypt. Muslims and Christians went down yesterday to stop a government that: (1) attempted to destroy the institution of the state; (2) utilised religion to smear its opponents and critics; and (3) incited sectarianism on an unprecedented level against both Christians and Shiites (locally and abroad). In the new Egypt there will naturally be a place for Salafi and religious conservative parties, but they will have to abide by the rules of the game: no sectarianism, no thuggery and no religion in politics. Politics should be the war of ideas aimed at making the lives of people better, not a method to get into power to simply fulfil your fantasies of absolute power and divine rule.

While we are at it, dear western analysts and pundits: please don’t tell us that we shouldn’t take to the streets and overthrow a regime that violates our rights, kills us, places itself above all accountability (popular or judicial) and fails at providing even the most basic functions of the state due to its insistence on resorting to nepotism over efficiency and experience. You have institutions, we don’t. You have rights that are respected in the constitution, we don’t, and we won’t be silent until they are enshrined as well, and we will topple any regime that attempts to take them away from us. The age of the strong stabilising autocratic regimes in the Middle East is over. For one last time, the people will decide their fate, not regimes or interests. Also, dear US government: it would be wise to remove Ambassador Anne Patterson from her position, and place her as far away from the Middle East as possible for her complete and epic failure to do her job and complete antagonism to the population in your name. Transfer her elsewhere.  Swaziland sounds nice.

4. Juli 2013, 12.38 Uhr:

„Israel muss sich auf einen neuen Holocaust vorbereiten“

von Wahied Wahdat-Hagh

Mashreghnews veröffentlichte am 25. Juni 2013 einen Artikel, in dem vom „Märchen vom Holocaust“ die Rede ist. Ein solches „Märchen“ diene dazu Deutschland zu zwingen Wiedergutmachungen zu zahlen.

Mashreghnews interessiert sich nicht für die Verbrechen, die im Namen des deutschen Volkes begangen wurden. Nein, die iranische Zeitung orientiert sich an rechtsradikalen und neonazistischen Positionen.

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