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Kürzliche Beiträge
20. Februar 2017, 20.46 Uhr:

Schwedischer Hijabhumor

von Thomas von der Osten-Sacken

Ein wenig für Aufsehen und Kritik hat er schon gesorgt, der bekopftuchte Besuch jener schwedischen Ministerinnen im Iran, die sich so ganz dem Feminismus verschrieben haben.

Und wie reagieren die Damen? Entschuldigen sie sich? Erklären sie, es das nächste Mal, sollten sie je wieder den Henkern in Teheran den Hof machen, es anders machen zu wollen.

Nein keineswegs, sie posten selbstgefällig dieses Bild auf Facebook und schreiben dazu: “Was hält Björklund davon, dass die weibliche Regierung beim nächsten Staatsbesuch Hüte mitnimmt.”

Aus diesem Bild sprechen Dummheit und Ignoranz, die kaum noch zu überbieten sind, es steht sinnbildlich für den ganzen europäischen Dialogbetrieb mit den Mullahs in Teheran.

Die Gründerin der Kampagne “My Stealthy Freedom” hat die richtigen Worte über den Humor dieser Damen gefunden:

I am an Iranian woman and the founder of this anti compulsory hijab campaign. Have you ever being forced to wear hijab? have you ever experienced morality police that forced you to cover your hair? NO. But we did. that is why you never understand the difference between compulsory headscarf and a hat which you chose to wear it. Yes you can make fun of our struggle but I would appreciate if you understand we are talking about compulsory hijab, here we are talking about having freedom of choice. I am sure you condemn burking ban and you never made fun of the compulsion France. Here No one forced you to wear these beautiful hats. have fun and stay safe. we never give up and I am sure one day you will be our voice in order to challenge compulsory hijab because it is not an internal matter and our government forced all of you to follow a discriminatory law. We all have to be brave and say NO to any humiliation. That is called sisterhood and solidarity. We never asked yo to insult our country law we asked you to challenge the insulting law. so now you even insulting all women who are trying to say that compulsory hijab is against women’s dignity by compering to a hat which you chose to wear it. Stand next to your sister and ask a simple question about a discriminatory law. History will judge all of us. By the way we are welcoming you to our beautiful country but be as brave as Iranian women and challenge the compulsory hijab because if you forced Iranian female politicians to take off their headscarves they will definitely protest. So we would love to have god relation with the west but we want you to stand for your own dignity and values as a woman.

20. Februar 2017, 20.12 Uhr:

Gemeinsam gegen die iranische Bedrohung

von Thomas von der Osten-Sacken

Eine selte Einigkeit herrschte auf der Münchner Sicherheitskonferenz zwischen Saudi Arabien, Israel und der Türkei:

Saudi Arabia and Israel both called on Sunday for a new push against Iran, signaling a growing alignment in their interests, while U.S. lawmakers promised to seek new sanctions on the Shi’ite Muslim power.

Turkey also joined the de facto united front against Tehran as Saudi and Israeli ministers rejected an appeal from Iranian Foreign Minister Mohammad Javad Zarif for Sunni Gulf Arab states to work with Tehran to reduce violence across the region.

While Saudi Arabia remains historically at odds with Israel, their ministers demanded at the Munich Security Conference that Tehran be punished for propping up the Syrian government, developing ballistic missiles and funding separatists in Yemen.

International sanctions on Iran were lifted a year ago under a nuclear deal with world powers, but Republican senators said at the conference they would press for new U.S. measures over the missiles issue and Tehran’s actions to “destabilize” the Middle East.

Saudi Foreign Minister Adel al-Jubeir called Tehran the main sponsor of global terrorism and a destabilizing force in the Middle East.

19. Februar 2017, 19.43 Uhr:

Materialien zu Stalinismus, Kulturrelativismus und Islamismus

von Thomas von der Osten-Sacken

Gastbeitrag von Andreas Benl

Wer die grenzenlose libertäre Verachtung für das Trio infernale Stalinismus/Kulturrelativismus/Islamismus nachvollziehen will, lese Charlie Hebdo und alte Texte von Situationisten zwischen Teheran und Paris - der einzigen gegenüber linker Trikont-Romantik völlig unsentimentalen radikalen Strömung nach 1945 - im Kontrast zu einem Werk wie “Wer ist Charlie? Die Anschläge von Paris und die Verlogenheit des Westens” des linken französischen Soziologen Emmanuel Todd:

Wir werden einräumen müssen, dass Frankreich nicht mehr es selbst ist, uns aber auch fragen, ob es eine Chance hat, eines fernen Tages mithilfe – warum auch nicht – des Islam und der Wähler des Front National wieder es selbst zu werden. …

Vorstellbar ist ein Beitrag, der aus den Randbereichen des muslimischen Glaubens kommt und manche Familien in ihrem Bemühen unterstützen könnte, geistige, schulische und soziale Leistungen zu fördern. Hier würde es schon genügen, wenn man diese Familien sich selbst überließe oder, besser gesagt, vor den Beleidigungen und Anfeindungen des militanten Atheismus schützte, der als ein Radikalsäkularismus neuerdings die Glaubensfreiheit bedroht. Dieser muss wie der Katholizismus, der Protestantismus, das Judentum und der Islam im Zuge eines echten Laizismus von öffentlichen Schulen ferngehalten werden. …

Manche fragen sich, wie eine Religion und eine Familienstruktur, die der Frau einen derart niedrigen Status zuweist, als egalitär gelten kann. Eine solche Frage entspringt einer naiven und ahistorischen Vorstellung von Gleichheit, insbesondere, wenn es um die Gleichheit in den Familienstrukturen geht. …

Völlig unabhängig von der – nicht zu beantwortenden – Frage, ob Gott existiert und es Voraussetzungen für einen Zugang zum ewigen Leben gibt, kann ein Ideal, das eine individuelle Moral, ein kollektives Projekt und schöne Aussichten beinhaltet, Menschen in ihrem Bemühen unterstützen, den eigenen Status als fragile Geschöpfe in einer sinnlosen Welt zu überwinden. So gesehen könnten gewisse Spielarten des Islam durchaus positiv dazu beitragen, dass sich Einzelne psychisch stabilisieren, bessere Leistungen erbringen und sich erfolgreich in die französische Gesellschaft integrieren. Hier geht es nicht darum, die Probleme der Vorstädte strukturell durch den Islam lösen zu wollen! Aber klar sein muss, dass die Trabantenstädte heute weitaus mehr von der Anomie als vom Kommunitarismus bedroht sind.

Emmanuel Todd: Wer ist Charlie? Die Anschläge von Paris und die Verlogenheit des Westens (2015)

Ihr Phantasma verfolgend - um jeden Preis ein revolutionäres Subjekt zu finden - haben sie Hand an die Muslime gelegt, nachdem sie die Arbeiterklasse der Vergessenheit überantwortet haben, so wie die Dritte Welt, von der unter ihnen keiner mehr zu reden wagt. …
Für diese scharfsinnigen Schurken wäre Charlie, eine Zeitschrift von alten Anti-Rassisten, so ungewollt rassistisch geworden. Unsere zweitklassigen Denker weisen den Arabern, allen Arabern und bald ohne Zweifel auch allen Schwarzen, die Zugehörigkeit zu einer Religion zu, der sie einen Status der Unberührbarkeit verleihen.

Fabrice Nicolino: Cette gauche qui s’est toujours couchée devant les despotes (2017)

The ruling classes in countries in which Islam still holds sway have enforced a silence on Islamic matters, to the extent that even a simple critique cannot be allowed, because those who rule in the various feudo-bureaucratic dictatorships, use Islam to maintain their hideous grip on the wretched populations. Here we can see a similarity with Eastern bloc countries where truth and freedom of expression are muzzled, stalinism and Islam have a lot in common. Recently the Salman Rushdie affair has brought up to the surface a wealth of materials for analysis. One minute the President of Iran, the Ayatollah Ali Khamenei declared that the death order would be rescinded if Mr Rushdie apologised, a few hours later the Ayatollah-in-Chief Khomeini declared that even if Mr Rushdie repented it was the duty of every Muslim to put him to death. Iran today is a tweedeldum and tweedeldee country. The rulers of that devastated part of the world constantly need an external enemy in order to keep the minds of its people away from the mounting daily miseries at home. Mr Rushdie’s book was a Godsend opportunity to unite the flocks. But for how long?
Al-Djouhall: The Misery of Islam (1989)

Da die Maoisten als die Verfechter der absoluten Ideologie erschienen sind - man sieht mit welchem Erfolg - kamen ihnen bisher die westlichen Intellektuellen - denen bei solchen Reizen immer das Wasser im Munde zusammenläuft - mit der höchst phantastischen Achtung und Zustimmung entgegen. … Es gab übrigens viele Trotzkisten, die sich in ihr wiedergefunden haben und sich selbst dadurch Gerechtigkeit widerfahren ließen. … Die Sinologen, die fast alle Stalino-Christen sind … haben wieder von der ‘chinesischen Seele’ gesprochen, um die Legitimität des neuen Konfuzius zu bezeugen. Damit wurde der schon immer burlesken Haltung der bürgerlichen Intellektuellen der mäßig stalinfreundlichen Linken die schönste Gelegenheit gegeben, vor solchen chinesischen Spitzenleistungen folgendermaßen aufzublühen: diese “Kulturrevolution muss vielleicht 1.000 oder 10.000 Jahre lang dauern; es ist dem ‘Kleinen Roten Buch’ endlich gelungen, den Marxismus chinesisch zu machen”; “In allen Armeeeinheiten kann man hören, wie die Männer mit starker, deutlicher Stimme Zitate rezitieren”; “Die Dürre ist keineswegs erschreckend, Mao Tse-tungs Denken ist unser befruchtender Regen”
Situationistische Internationale: Der Explosionspunkt der Ideologie in China (1967)

Es sind all die Aufständischen, die heute noch gegen die neue, alte Ordnung revoltieren, der Sand in den Gebetsmühlen, denen das Opium der Religion das Bewußtsein der Freiheit, die sie auf dem Höhepunkt der Revolution erlebt und für diese kurze Zeit verwirklicht hatten, niemals hat nehmen können. … Chomeini und seine Lakaien wissen sehr genau, daß diese Feindschaft unversöhnlich ist und keiner dieser islamischen Weltverbesserer macht heute noch ein Hehl daraus, daß es für die islamische Republik nur eine Lösung gibt: die vollständige physische Liquidierung dieser Kräfte. Das ist die ganze Geschichte des ersten halben Jahres dieser Republik.
Subrealistische Bewegung: Des Kaisers neue Kleider. Über die orientalische Revolution (1979)

19. Februar 2017, 11.13 Uhr:

Türkei: Auf dem Weg zum Sultanat

von Jungle World

In einem Beitrag für die Zeit schreibt Can Dündar über das anstehende Referendum in der Türkei, ein Tag nachdem in Oberhausen der türkische Ministerpräsident vor Tausenden für das Referendum und damit dür die Einführung der Todesstrafe und die Abschaffung seines Amtes warb.:

Obwohl er die Türkei seit 15 Jahren allein regiert, klagte Erdo?an über Kompetenzenmangel. Er wollte auch die Befugnisse des Premierministers, wollte seine Partei, das Parlament und die Justiz unmittelbar lenken. Erdo?an strebt danach, die Kompetenzen von Parlament und Regierung auf sich zu vereinen, die Justiz an sich zu ziehen und im bereits errichteten Palast als “Sultan” zu regieren. Vorige Woche startete er die Kampagne für das neue Regime und behauptete gleich in der ersten Rede, wer Nein sage, wolle das Land spalten. “Das Ergebnis im Volksentscheid wird auch ein Signal für die Todesstrafe sein", verkündete er.

Für die Ja-Kampagne stehen der Regierung alle staatlichen Instrumente und die Medien zur Verfügung, die Nein-Sager dagegen haben aufgrund des Ausnahmezustands keine Möglichkeit für Werbung. In der Hauptstadt Ankara sind Kundgebungen verboten. In Istanbul wurden zwei Männer, die Nein-Sagern mit dem Tod drohten, nach kurzer Festnahme freigelassen. Der Moderator der meistgesehenen Morgensendung wurde entlassen, als er erklärte, er werde Nein sagen. Der Vorsitzende und elf Abgeordnete der zweitgrößten Oppositionspartei sitzen weiterhin in Haft.

Dennoch liegen in Meinungsumfragen Nein und Ja nach wie vor gleich auf. Es geht darum, die unentschlossenen Massen zu überzeugen. Das könnte womöglich deutschen Geschichtsbüchern gelingen, die zeigen, wohin es für ein Land und die Welt führen kann, wenn einem Mann sämtliche Kompetenzen ohne jeden Kontrollmechanismus an die Hand gegeben werden.

19. Februar 2017, 08.42 Uhr:

Exekutiert nach der 'Befreiung' Aleppos

von Thomas von der Osten-Sacken

Immer neue Einzelheiten kommen ans Licht über das, was die russisch-iranisch-syrische Achse des Widerstandes als Befreiung Aleppos feiert:

Syrian regime forces have executed the Syrian paediatrician Mahmoud Satu after he was indicted for treating and feeding the children of Aleppo when its eastern districts were controlled by the opposition, the Jordanian Assabeel newspaper reported yesterday.

Citing the London-based news website Al-Araby Al-Jadeed, Assabeel said that local sources in Aleppo said that Satu and another Syrian resident called Ahmed Assad were executed two months after they were arrested.

According to the sources, the two men were executed in the main square of the Al-Sukarri neighbourhood in Aleppo, the area where he and his family had lived.

Sources close to Satu told a Syrian news site El-Dorar that he was arrested on 11 December 2016, when the regime raided the Al-Salihin neighbourhood in Aleppo. The Syrian news site also said that the paediatrician and his family were captured when they were trying to leave Aleppo with the other residents.

18. Februar 2017, 16.52 Uhr:

Koran und Vergewaltigung

von Thomas von der Osten-Sacken

Ein in kurdischer Gefangenschaft sitzender Kämpfer des Islamischen Staates (IS) erzählt:

Islamic State militant Amar Hussein says he reads the Koran all day in his tiny jail cell to become a better person. He also says he raped more than 200 women from Iraqi minorities, and shows few regrets. (…)

Hussein said his emirs, or local Islamic State commanders, gave him and others a green light to rape as many Yazidi and other women as they wanted.

“Young men need this,” Hussein told Reuters in an interview after a Kurdish counter-terrorism agent removed a black hood from his head. “This is normal.”

Hussein said he moved from house to house in several Iraqi cities raping women from the Yazidi sect and other minorities at a time when Islamic State was grabbing more and more territory from Iraqi security forces.

 

18. Februar 2017, 14.31 Uhr:

'Tod der Tyrannei': Massenproteste im iranischen Khuzestan

von Thomas von der Osten-Sacken

Weitgehend unbemerkt von internationalen Medien kommt es im Iran immer wieder zu Demonstrationen und Protesten gegen das Regime, zuletzt während der Beisetzung des kürzlich verstorbenen ehemaligen Präsidenten Rafsanjani in Teheran.

Vor allem in der mehrheitlich von Arabern besiedelten Provinz Ahvaz, die im Iran offiziell Chuzestan heißt, ist der Unmut groß. Seit Jahrzehnten beklagen sich vor allem die arabischen und lurischen Bewohner der ölreichen Provinz über systematische ethnische Diskriminierung durch die Regierung in Teheran. In den vergangenen Tagen kam es erneut zu Massenprotesten, weil in Folge verheerender Staubstürme in vielen Städten der Provinz die Wasser- und Stromversorgung zusammengebrochen ist:

„Zwei Tage an Demonstrationen und Ausschreitungen in der iranischen Provinz Chuzestan haben dazu geführt, dass Politiker vor einer ‚nationalen Bedrohung‘ warnen. Iranischen Medien und Aktivisten zufolge wurde In der unruhigen Provinz gegen Wasser- und Stromknappheit protestiert.

In elf Städten in Chuzestan, dessen Bevölkerung mehrheitlich aus Arabern und Luren besteht, fiel am vergangenen Wochenende nach einem intensiven Sandsturm die Stromversorgung aus. Der darauf folgende Ausfall von Wasserwerken und Kläranlagen führte zu Wasserknappheiten.

Die Proteste gegen die Ausfälle, die mehrere Tage lang andauerten, schaukelten sich auf zu Demonstrationen gegen allgemeinere Umweltprobleme in der Region und sogar gegen die Islamische Republik, was unter Politikern die Alarmglocken läuten ließ.

Die Demonstranten riefen: ‚Tod der Tyrannei‘, ‚Wir, das Volk von Ahvaz, werden Unterdrückung nicht akzeptieren‘ und ‚Saubere Luft ist unser Recht, Ahvaz ist unsere Stadt‘. Auch Rücktrittsforderungen an den Gouverneur der Provinz wurden laut.“

Außerdem kämpfen Iraner überall im Land mit den Folgen gravierender Umwelt- und Luftverschmutzung. Flüsse und Seen trocknen aus, dem Iran wird eine düstere Zukunft vorausgesagt, sollte die Regierung nicht mit ihrem Raubbau vor allem an den Wasservorkommen des Landes aufhören. Besonders betroffen ist auch hier die Provinz Chuzestan.

Der „Nationale Widerstandsrat Iran“, der als politischer Arm der oppositionellen Volksmudschahedin gilt, erklärte dazu:

„Das iranische Regime hat in der Provinz Chuzestan eine Reihe tückischer Pläne umgesetzt, die zu katastrophalen Umweltbedingungen in der Region geführt und das Leben und die Gesundheit der Menschen aufs Spiel gesetzt hat.

Zu diesen Plänen gehörten die Umleitungen der Flüsse Karun und Karche, der exzessive Bau von Dämmen und die Anwendung von billigen Methoden der Ölförderung durch das Ölministerium. Sie haben zum Austrocknen von Teichen und Seen in der Region geführt, darunter das berühmte Feuchtgebiet von Hoor al-Azim und die Lagune von Schadegan.“

Das Regime reagiert wie immer: Mit Repression. Inzwischen soll ein Demonstrant erschossen worden sein. Aber die Proteste gehen weiter.

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