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Kürzliche Beiträge
15. Oktober 2014, 13.30 Uhr:

'Hill of Shame'

von Thomas von der Osten-Sacken

Sherine Tadros schreibt über jenen Hügel in Suruc, auf der türkischen Seite der Grenze, von dem aus  Journalisten die Kämpfe in Kobani verfolgen:

The town is also falling into IS hands in full view of the world’s media.

From a hilltop around three miles from Kobani, the media can point to “what we think are possible airstrikes” and talk about “what we think is the sound of heavy artillery” from a safe distance.

The militants have conveniently put up their black flag within camera zoom distance.

The location has been dubbed by journalists as the “hill of shame” - but the shame isn’t that we can’t get any closer to the action, but the reality that if Kobani was a further 25 miles away, we would likely not have paid it this much attention. In the week before extremists encircled Kobani, they took over 65 villages on the way.

Kobani should instead be seen as a symbol of the hypocrisy of the West’s policy towards Syria and media bias.

The coalition attacking IS includes the UAE and Saudi Arabia, which US intelligence has reportedly identified as key funders of the group they are now trying to destroy.

During just two weeks in August, Saudi beheaded more people than all the IS videos combined. (…)

The Assad regime continues to barrel bomb rebel held areas killing civilians. They have used chemical weapons to murder thousands of women and children in the most horrific, painful way.

The Prime Minister called IS “pure evil” that must be destroyed, but why did Assad not generate this kind of language? For many Syrians, this is exactly what his regime represents.

The idea is not to compare IS to Assad. But increasingly, we seem to be forgetting the atrocities being committed in the shadows by the Syrian regime, because we have a new and more exciting bogeyman who knows how to play to the media, right in front of us.

14. Oktober 2014, 14.56 Uhr:

Deutsche Werbung für Teheran

von Thomas von der Osten-Sacken

Fast scheint es, als gäbe es in der deutschen Außenpolitik unter Frank-Walter Steinmeier eine einfache Regel: man muss lediglich verfolgen, was der Leiter der Stiftung Wissenschaft und Politik Volker Perthes so vorschlägt.

Und der erklärte kürzlich in einem Interview , bei künftige Strategien im Kampf gegen den Islamischen Staat  sei “der Iran (…) unverzichtbar für politische Lösungen, sowohl im Irak als auch in Syrien. Und im Irak hat diese Koordination tatsächlich funktioniert. Als alle beteiligten Kräfte gesehen haben, dass der ehemalige Premierminister Maliki in vielfacher Hinsicht versagt hat, dass es unter seiner Führung nicht möglich sein wird, den irakischen Staat zusammenzubauen und die arabischen Sunniten zurück in den Staat zu bekommen, hat es diese Einigung gegeben zwischen Iranern und Amerikanern, und die Saudis hat man auch mit ins Boot geholt.”

Nur Minuten nachdem der Deutschlandfunk dieses Interview ausgestrahlt hatte veröffentlichte die FAZ einen Artikel, in dem es hieß:

Alle Anstrengungen, einen Keil zwischen die bewaffneten Islamisten und ihre sunnitischen Unterstützer zu treiben, sind bislang fehlgeschlagen. (…) Zu groß ist der Verdacht unter den sunnitischen Stämmen, dass die amerikanische Luftwaffe hinter den Kulissen ein stillschweigendes Bündnis mit Iran eingegangen ist, deren Ziel nicht die Stärkung, sondern die Schwächung der sunnitischen Kräfte ist.

Steinmeier aber reist dessenungeachtet  durch die Gegend und wirbt ganz offensiv für eine stärkere Einbindung des Iran in die anti-IS Koalition, ganz so als sei dieser nicht schon im Irak und Syrien militärisch und als Finanzier aktiv. Ganz offen gibt Teheran inzwischen zu, Soldaten und Ausbilder in beide Länder entsendet zu haben, in Syrien dürfte das Assad Regime ohne iranische Hilfe längst Geschichte sein. Im Irak kämpfen Einheiten der Al Quds Brigaden nicht nur zusammen mit schiitischen Milizionären, sondern auch Seite an Seite mit der Patriotischen Union Kurdistans (PUK).

Man mag von irakischen Sunniten halten, was man will, für sie jedenfalls stellt die Lage sich vor Ort jedenfalls recht einfach dar: Die USA und der Westen haben sich deshalb in Lesart der überwältigen Mehrheit der Bevölkerung in Anbar und Niniweh mit dem verhassten Iran verbündet; lieber lebt man also unter der sunnitischen Knute des Islamischen Staates, als sich von schiitischen Milizionären, einer weiterhin schiitisch dominierten irakischen Regierung oder gleich iranischen Truppen terrorisieren zu lassen.

Weiterlesen.

14. Oktober 2014, 00.36 Uhr:

Weg mit den Bärten

von Thomas von der Osten-Sacken

Erfreuliche Nachrichten aus Diyarbakir:

Barbers in a southeastern Turkish city are doing a roaring trade shaving off the beards of men worried about being labelled jihadists, the ?hlas News Agency (?HA) reported on Oct. 13.

Last week’s violent protests against the Islamic State of Iraq and the Levant (ISIL) left 37 people dead and many wounded throughout the country. The highest death toll was in the southeastern province of Diyarbak?r, where supporters of the outlawed Kurdistan Workers’ Party (PKK) clashed with Hizbullah members, who allegedly sympathize with ISIL.

After several people were reportedly targeted by a mob that accused them of being ISIL sympathizers due to their beards, hundreds started rushing to barbers in Diyarbakir as the protests died down.

Barbers who spoke to ?HA said on some days up to 15 customers were coming to get rid of their potentially trouble-making beards.

13. Oktober 2014, 01.17 Uhr:

Das andere Kurdistan?

von Thomas von der Osten-Sacken

Gefühlte eintausend Mal las man in diesen Tagen, DIE Kurden kämpften gegen den Islamischen Staat, ganz so als handele es sich bei ihnen um jenes homogene Volk, von dem zu träumen deutschvölkische Romantiker nie aufhörten.

In dieses projektive Weltbild mag wohl gar nicht passen, dass die Killer vom Islamischen Staat in Kobani auch von einem Kurden angeführt werden, ja in ihren Reihen eine ganze kurdische Einheit kämpft:

“A leading Kurdish Islamist fighting with one faction of the rebels north of Aleppo tell us that Abu al-Khatab leads a group of Kurd jihadists coming from Kurdistan, has joined them under IS of some young Kurds fundamentalists of Hasaka and Aleppo, although their numbers have been limited, but they formed an influential force for IS during his attack on Kurdish villages in the countryside Kobani and Al-Hasakah in the past few months.

According to news from Jarablus and Manbej areas neighboring to Kobani in Aleppo shows that Abu Al-Khatab brought in the last two days reinforcements from the towns of Jarablus and Manbej included some young Kurds belonging to the Islamic state, and managed these reinforcements from supporting the attack by the elite forces to storm Kobani during the past few hours, led by the KurdishAbu al-Khatab.

Update: Heute haben sich Freunde aus Halabja bei der dortigen Sicherheitspolizei erkundigt und in Erfahrung gebracht, dass Abu al-Khatab zwar aus Kurdistan stamme, nicht aber aus Halabja komme.

 

11. Oktober 2014, 12.45 Uhr:

Steuern sinnvoll verwendet

von Thomas von der Osten-Sacken

Sollte die Meldung stimmen, wäre heute ein historischer Tag.

Dann hätten nämlich ausnahmsweise mal die Richtigen deutsche Waffen bekommen, wo ansonsten deutsche Rüstungsgüter ansonsten bevorzugt an Akteure wie Qatar, das ehemalige südafrikanische Apartheidsregime, südamerikanische Schmierendiktatoren und nordafrikanische Halsbaschneiderregimes geliefert wurden und werden.

Kurzum für diese Milanraketen hat es sich gelohnt, horrende Tabak- und sonstige Luxussteuern zu bezahlen.

Erstmals und nach mehrfachen Forderungen der êzîdîschen Kämpfer in Shingal, haben Pêshmerga schweres Kriegsgerät an die Verteidigungseinheit Shingal (HPS) geliefert. Nach Informationen die êzîdîPress vorliegen, befinden sich darunter auch drei MILAN Panzerabwehrsysteme, an denen êzîdîsche Kämpfer derzeit von Pêshmerga Soldaten ausgebildet werden.

Die deutschen Waffenlieferungen, die an die Pêshmerga Einheiten in Südkurdistan geliefert werden, umfassen unter anderem 30 Panzerabwehrrakten vom Typ MILAN mit 500 Raketen. Per Helikopter seien nun drei MILAN Panzerabwehrrakten und mit dem Abwehrsystem vertraute Pêshmerga in den vergangen Tagen in Shingal gelandet.

11. Oktober 2014, 00.42 Uhr:

Worst Case Szenario

von Thomas von der Osten-Sacken

In einem Interview mit CBS erklärte der saudische Prinz Bandar im Jahre 2004, dass Al Qaida die islamische Welt solange nicht kontrollieren könnte, wie es nicht Saudi Arabien kontrolliere. Als Grund nannte er das Öl und die heiligen Stätten des Islam.

Und in der Tat war es immer eines der zentralen Ziele der Organisation, so realitätsfremd dies früher auch klingen mochte, den größten Golfstaat unter ihre Kontrolle zu bringen. Denn wer die saudischen Ölquellen kontrolliert, hat Mittel in der Hand, die Weltwirtschaft ganz nachhaltig zu beeinflussen bzw. zum de facto Zusammenbruch zu bringen.

Wie, das kann man in unzähligen amerikanischen Thrillern aus den 90er Jahren nachlesen, die entsprechende Szenarien entwickeln.

Der Islamische Staat dürfte ein ähnliches Ziel verfolgen und anders als Al Qaida könnte er damit sogar Erfolg haben. Im Irak kontrolliert er de facto schon das Grenzgebiet zu Saudi Arabien. Was geschähe, griffe er das Königreich an, man möchte es sich eigentlich nicht ausmalen. Im August jedenfalls forderten die Saudis zum Schutz ihrer Grenze pakistanische und ägyptische Soldaten an – weil sie ihrer eigenen Armee nicht vertrauen. Zwischen der Ideologie des herrschenden Wahabismus und der des IS gibt es mehr Ähnlichkeiten als Unterschiede, ob saudische Truppen auf dem Boden bereit wären gegen ihre jihadistischen Kollegen zu kämpfen, ist hochgradig zweifelhaft.

Nun ist auch im Süden des Golfstaates der Jemen de facto kollabiert, vom Iran unterstützte Houthis haben in San’a die Macht übernommen. Damit hat ein Alptraum der saudischen Regierung sich materialisiert. Und die USA schauten einmal mehr zu ohne irgendetwas zu unternehmen.

Die wohl stärkste Gruppierung der alten Al Qaida dagegen sitzt im Süden des des Jemen, AQAP (Al Qaida in the Persian Golf). Noch streitet man sich in der Truppe, ob man seine Eigenständigkeit bewahren soll oder sich besser dem so erfolgreicheren Islamischen Staat anschießen solle, der momentan schlicht die wesentliche größere Ausstrahlungskraft auf junge Jihadisten hat.

Sollte man sich zu  letzterem entscheiden, säße der IS komfortabel an der Nord- und Südgrenze des Königreiches, könnte in aller Ruhe einen Angriff planen, während seine Führer dieser Tage in Kobani und der irakischen Anbar Provinz studieren können, wie erfolglos die anti-IS Koalition mit ein paar Luftangriffen und schlecht ausgerüsteten und trainierten lokalen Bodentruppen, versucht seinen Vormarsch zu stoppen.

Nicht weitere kurdische Enklaven oder das mehrheitlich von Schiiten bewohnte Bagdad stellten also  lohnende neue Ziele dar, sondern viel mehr ein Angriff auf Saudi Arabien. Sollte der gelingen, man wäre dem Ziel, den Westen zu zerstören und ein zusammenhängendes Staatsgebiet zwischen Südostasien und Nordafrika zu kontrollieren, ein gutes Stück näher gekommen.

Fünfjahresplan des IS: Gebiete, die man bis 2020 zu kontrollieren plant

Lange gehörte in Washington die Vorstellung, irgendwelche radikalen Gruppierungen könnten in Saudi Arabien die Macht  - oder zumindest die Kontrolle über die Ölquellen übernehmen - , zum absoluten Worst Case Szenario und als zwingender Kriegsgrund.

Aber diese Tage scheinen vorbei und sollten die IS-Jihadisten die Grenze überschreiten, so steht zu befürchten, wird man sich im Weißen Haus und Pentagon so überrascht zeigen, wie nach der Einnahme von Mosul.

Und fiele Saudi Arabien als Hauptlieferant von Öl der Weltmärkte weg , der Iran wird diese Rolle gerne übernehmen. Zu seinen Konditionen. Und wer würde angesichts crashender Börsen, rasant explodierender Ölpreise und eines drohenden globalen ökonomischen Kollapses sich denen dann schon widersetzen wollen. (Und schon ein einziger Angriff auf einen saudischen Grenzposten dürfte entsprechende Reaktionen an Weltbörsen und Spotmärkten nach sich ziehen.)

Wie diese Konditionen lauten würden, man braucht es gar nicht zu notieren.

10. Oktober 2014, 19.19 Uhr:

Iran: Assad bleibt

von Thomas von der Osten-Sacken

Deutliche Worte aus Teheran:

Iran will not allow Syrian President Bashar Al-Assad’s regime to fall, the country’s Deputy Foreign Minister, Hossein Amir Abdul Abdollahian, stressed yesterday.

Speaking during a conference entitled Iraq and the international coalition against ISIS, he said: “The US informed Iran, before its attack on ISIS, that it does not have any plans to attack Iran, or the centres of Bashar Al-Assad’s government, and it told the Syrian government the same thing, but we do not trust them in these matters. So we are following the developments closely.”

The official said: “So I say that all incorrect attempts that may be carried out by the United States or any other country, such as imposing a no-fly zone, threatening the national sovereignty of Syria, or moving military units onto Syrian territory will lead to serious consequences.”

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