Schlüppis
Kürzliche Beiträge
10. September 2014, 18.20 Uhr:

Nicht die Kurden in die Arme des Iran treiben

von Thomas von der Osten-Sacken

Alex Vatanka and Sarkawt Shamsulddin warnen die Obama Adminsitration, mit ihrer Politik nicht die irakischen Kurden in die Arme des Iran zu treiben:

It might be timely for Washington to reassess its previous refusal to directly engage with Kurdish armed forces. As the last few weeks of military battles against ISIS show, when American assistance has not been forthcoming, the Iraqi Kurds have turned to Iran for help.

In terms of identity, the Kurdish Regional Government (KRG) in northern Iraq stands apart from most of the rest of the Middle East due to its secular way of life and pro-Western orientation. And what the Kurds have put together here since securing autonomy from Baghdad in 2005 is antithetical to the primordial worldview of ISIS, which calls itself the Islamic State.

Now, with its record of relative stability and nascent democracy in danger, officials in the KRG are once again turning to the United States. The Kurds have welcomed Washington’s decision to confront ISIS. At the same time, however, officials in Irbil are urging the Obama administration to start a long overdue process of helping the Kurds help themselves by empowering them militarily. (…)

As American policy-makers wrestle with this question in Washington, Iraq’s Kurds have had to look elsewhere for support. In June, following the barrage of military victories of ISIS, Iran was at first the only country that proved willing to come to the aid of the Kurds with military supplies and advisors.

In a press conference with the Iranian foreign minister, Javad Zarif, in Irbil on August 26, Masoud Barzani, President of Iraqi Kurdistan, said “Iraqi Kurds will never forget Iran’s support that came at a crucial time beyond our expectation.”

But Iran’s appearance as the key backer of the Peshmerga is not cost-free. Under Tehran’s stewardship, Iranian-backed Shia militias from elsewhere in Iraq have come north to join the fight against ISIS. As much as the Kurds have welcomed Iran’s role in rolling back ISIS, there are fears about the longer-term impact of Tehran’s larger footprint in Iraqi Kurdistan.

31. August 2014, 20.38 Uhr:

IS-Blockade um Amerli gesprengt

von Thomas von der Osten-Sacken

Manchmal gibt es noch gute Nachrichten: Heute ist es Einheiten der irakischen Armee und kurdischen Peshmerga, unterstützt von der amerikanischen Luftwaffe, gelungen, den IS-Belagerungsring um die Stadt Amerli zu sprengen. Dort waren seit über zwei Monaten die schiitisch-turkmenischen Bewohner von IS-Jihafisten eigekesselt, wäre ihnen die Stadt in die Hände gefallen, hätten es ein weiteres Massaker an Tausenden gegeben:

Iraqi security forces and Shiite militiamen on Sunday broke a six-week siege imposed by the Islamic State extremist group on the northern Shiite Turkmen town of Amirli, following U.S. airstrikes against the Sunni militants’ positions, officials said.

Army spokesman Lt. Gen. Qassim al-Moussawi said the operation started at dawn Sunday and the forces entered the town shortly after midday.

Speaking live on state TV, al-Moussawi said the forces suffered “some causalities,” but did not give a specific number. He said fighting was “still ongoing to clear the surrounding villages.”

Breaking the siege was a “big achievement and an important victory” he said, for all involved: the Iraqi army, elite troops, Kurdish fighters and Shiite militias.

28. August 2014, 18.55 Uhr:

Das Erbe der Diktatur

von Jörn Schulz

In der deutschen Debatte wird nun wieder der Eindruck erweckt, als müssten „wir“ für die Amerikaner die Kastanien aus dem Feuer holen, die 2003 dummerweise nicht auf unseren Kanzler hören wollten. „SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann hat indirekt die USA für den Vormarsch der Extremistengruppe Islamischer Staat (IS) im Irak mitverantwortlich gemacht. ‚Was wir im Augenblick erleben, ist zu einem großen Teil zurückzuführen auf den zweiten Irakkrieg.’

Weiterlesen.

27. August 2014, 01.11 Uhr:

Erste muslimische Heirat eines lesbischen Paars

von Thomas von der Osten-Sacken

Ein algerischer Iman und Mitglied einer salafitischen Organisation traute in Stockholm zwei iranische Frauen, wie Gaytunisie berichtet:

Deux iraniennes qui se marient, c’est déjà insupportable pour des salafistes algériens. Mais que ce mariage soit célébré par un imam algérien, gay lui-même, cela met dans tous ses états le chef du Mouvement Salafiste de la Sahwa, Abdelfattah Hamaddache qui appelle à le déchoir de sa nationalité algérienne. (…)

Les deux femmes qui se sont connues via les réseaux sociaux il y a neuf ans ont reçu l’onction de l’imam franco-algérien, Ludovic Mohamed Zahed, gay lui-même et qui a lancé, en 2012, la première mosquée ouverte aux homosexuels à Paris. Il a créé l’association « Homosexuels musulmans de France » (HM2F) qui regrouperait plus de 500 membres.

Dies sei, schrieb der Iman, die erste öffentlich zelebrierte Heirat eines lesbischen muslimischen Pärchens:

Sous la photo qu’il a postée sur son compte Facebook, il écrit : « Le premier couple de lesbienne à être marié publiquement devant un imam (moi-même). Qiyaam et moi, étions les premiers musulmans gay à être mariés publiquement par un imam à Paris en 2012. AlhamdouliAllah, nous sommes bénis d’être partie prenante dans un mouvement progressiste de notre histoire humaine ».

27. August 2014, 00.22 Uhr:

Der Westen spricht

von Thomas von der Osten-Sacken

Es gibt ihn noch, den Westen, manchmal spricht er gar mit einer Stimme. Etwa wenn in Tripolis islamistische Milizen nach tagelangen Kämpfen den Flughafen einnehmen und de facto nun die Hauptstadt Libyens kontrollieren.

In so einem Falle nämlich verurteilen in einer gemeinsamen Erklärung the Governments of France, Germany, Italy, the United Kingdom, and the United States strongly (…)  the escalation of fighting and violence in and around Tripoli, Benghazi, and across Libya, especially against residential areas, public facilities, and critical infrastructure, by both land attacks and air strikes.

We reiterate our calls, joining those of the Libyan interim government, the House of Representatives, and the Libyan people, that all parties in Libya accept an immediate ceasefire and engage constructively in the democratic process, abstaining from confrontational initiatives that risk undermining it. We support the efforts of the UN Support Mission in Libya in this regard.

Das wird die Islamisten sicher mächtig beeindrucken, die diese Offensive begannen, nachdem sie die letzten Wahlen haushoch verloren haben, also in jeder Hinsicht unbedingtes Interesse haben, sich konstruktiv in einem demokratischen Prozess zu engagieren  - der islamische Staat (IS) umwirbt gerade die Milizen von Ansar al-Sharia, sich ihm doch anzuschließen.

Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate  waren zuvor, wenn auch erfolglos, offenbar dem Ruf des libyschen Parlaments gefolgt, die um internationale Unterstützung gebeten hatte, und hatten einige Lufteinsätze geflogen, ohne vorher die USA zu informieren.

Die Antwort der westlichen Regierungen lautet, und das ist kein Witz:

We believe outside interference in Libya exacerbates current divisions and undermines Libya’s democratic transition.

Sicher, die Einmischung von Qatar, Al Qaida und anderen internationalen Jihadisten hat sicher nicht zur demokratischen Transformations Libyens beigetragen. Ebensowenig wie die völlige Nichteinmischung der Länder, die - mit Ausnahme Deutschlands - 2011 maßgeblich zum Sturz Gaddafis beigetragen hatten, dann aber Libyen sich selbst und damit den Milizen überließen.

25. August 2014, 13.17 Uhr:

Mit Assad in den War on Terror?

von Thomas von der Osten-Sacken

Drei Jahre lang  hat das Assad Regime auf diesen Moment gewartet; nun kann es sich staatsmännisch als Alliierter im War on Terror dem Westen anzudienen:

Im Kampf gegen die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) ist Syrien zu einer Zusammenarbeit mit dem Westen bereit. Bedingung dafür sei, dass die internationale Gemeinschaft die Führung und Unabhängigkeit Syriens respektiere, sagte Außenminister Walid al-Muallem in Damaskus.

Und zwischenzeitlich hat es alles dafür getan, dass Terrororganisationen wie Al Qaida und ISIS auch entsprechend stark geworden sind. Erinnert sich noch wer an die Zeiten, als der irakische Expremier Nouri al-Maliki Assad zu Recht vorwarf, im Irak alle möglichen Terroristen aktiv zu unterstützen?

Prime Minister Nuri al-Maliki said Monday that 90 percent of foreign terrorists who infiltrate Iraq did so via Syria, a charge likely to worsen already fractured relations between the neighbouring states. (…)
“Ninety percent of terrorists from different Arabic nationalities infiltrated Iraq through Syrian territory,” Maliki said during a visit by the Turkish Foreign Minister Ahmet Davutoglu, aimed at cooling the row.

Zu Beginn der Proteste in Syrien amnestierte das Regime pünktlich unzählige in seinen Gefängnissen einsitzende Jihadisten, ließ andere ungehindert ins Land einreisen und unterließ es jahrelang den Islamischen Staat anzugreifen.

Wer jetzt allen Ernstes glaubt, das Assad Regime sei ein Partner im Kampf gegen ISIS ist nicht nur dumm, handelt hochgradig unmoralisch, sondern wird nicht helfen, den Islamischen Staat zu besiegen, sondern Zustände im Nahen Osten herbeizuführen im Vergleich zu denen die Lage heute fast noch rosig ausschaut.

Sollten die USA und Europäer sich mit Assad und damit auch dem Iran und der Hizbollah verbünden, alleine man mag sich die Reaktion der sog. sunnitischen Welt gar nicht ausmalen. Ganz abgesehen von der dann wohl endgültigen Bankrotterklärung des Westens.

24. August 2014, 11.25 Uhr:

Amerli

von Thomas von der Osten-Sacken

Seit Wochen haben die Jihadisten des Islamischen Staates die mehrheitlich von schiitischen Turkmenen bewohnte irakische Kleinstadt Amerli umzingelt, von jeder Versorgung abgeschlossen und es droht, sollte es ihnen gelingen, den Ort einzunehmen, ein weiteres Massaker:

The United Nations has called for a concerted effort to end the siege of Amerli, a town 110 miles north of Baghdad, which is home to 18,000 Shia Turkmen.

The town has been encircled by jihadists from the Islamic State of Iraq and the Levant (Isil) for the past two months. The majority of the residents of Amerli are part of the Turkmen ethnic group, who are descendants of Ottoman Turks and make up roughly four per cent of Iraq’s population. As Shia, they are directly targeted by Isil, who consider them apostates.

Nickolay Mladenov, special representative of the United Nations secretary-general for Iraq, called on the international community to halt “the unspeakable suffering of Amerli’s inhabitants” – who are left with little medicine and dwindling supplies of food, water and electricity.

“The situation of the people in Amerli is desperate and demands immediate action to prevent the possible massacre of its citizens,” he said.

“The town is besieged by Isil and reports confirm that people are surviving in desperate conditions. I urge the Iraqi government to do all it can to relieve the siege and to ensure that the residents receive lifesaving humanitarian assistance or are evacuated in a dignified manner.

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