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Kürzliche Beiträge
17. Juni 2016, 15.56 Uhr:

War Erdogan schon als Student seiner Zeit voraus …?

von Thomas von der Osten-Sacken

Eigentlich läuft alles ganz prima für den türkischen Präsidenten: Die parlamentarische Opposition ist ausgeschaltet oder paralysiert; aus den eigenen Reihen hat er alle entfernt, die sich noch irgendwie kritisch hätten äußern können; die Europäer kooperieren wie nie zuvor, schließlich könnte die Türkei ja wieder ihre Grenzen für syrischen Flüchtlinge öffnen und die eigenen Leute bereiten das Land schon mal auf eine nahöstliche Ein-Mann Herrschaft vor:

„Nach Meinung eines Beraters des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan sollte Politik allein dem Präsidenten vorbehalten bleiben. ‚Es ist nicht notwendig, dass jemand anders Politik ausübt‘, sagte Erdogan-Berater Yigit Bulut am späten Dienstagabend im Staatssender TRT Haber. Erdogan betreibe sowohl Innen- als auch Außenpolitik. ‚Unsere Aufgabe in diesem Land ist, den Anführer zu unterstützen‘, sagte er.“

Alles läuft also  eigentlich wie geplant, wäre da nicht immer noch die türkische Verfassung, die man eben nicht an einem Tag, sondern nur Stück für Stück aushebeln kann. Und mit der gibt es mal wieder ein kleines Problem, das in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) so zusammengefasst wird:

„Das türkische Staatsoberhaupt hat neben dem Besitz des Bürgerrechts laut der Verfassung noch zwei weitere Bedingungen zu erfüllen: Er oder sie muss älter als 40 Jahre sein. Zudem schreibt Artikel 101 der Verfassung eine akademische Ausbildung von mindestens vier Jahren vor. Recep Tayyip Erdogan genüge dem zweiten Kriterium nicht, stellte der türkische Verband der Hochschulprofessoren (Univder) kürzlich fest. Der amtierende Präsident besitze kein Universitätsdiplom, zitierte die Nachrichtenagentur AFP den Verband. Demnach soll Erdogan seine Studien nach ‚zwei bis drei‘ Jahren abgeschlossen haben.Idris Baluken von der oppositionellen Demokratischen Partei der Völker (HDP) hat in einem parlamentarischen Vorstoß nun acht Fragen an den Bildungsminister gerichtet. Der Abgeordnete verlangt Aufschluss darüber, wie es zu erklären sei, dass die Wahlkommission Erdogan einen Studienabschluss im Jahre 1981 bescheinigt habe, obgleich die von ihm besuchte Marmara-Universität in Istanbul erst 1982 gegründet und das im Diplom genannte Institut erst 1983 in diese Hochschule integriert worden sei.

Man braucht sich bloß zwei Seiten im Internet anzusehen und wird feststellen, ja, da besteht dringender Änderungsbedarf. Denn auf der offiziellen Repräsentation des türkischen Präsidenten heißt es: „He (Erdogan) received his graduation diploma from Marmara University’s Faculty of Economics and Administrative Sciences in 1981.” Nur schreibt genau jene Marmara Universität über ihre eigene Geschichte:

The institution became known as the Istanbul Economic and Commercial Sciences Academy in 1959; in 1982, with regulations that were carried out, the institute became officially known as Marmara University and took its place among Turkish Institutes of Higher Education.In the 1982 – 1983 academic year, education began at Marmara University, which consisted of 9 faculties, 1 school, 1 institute. Today, the number of faculties is 16, the number of schools is 9, and there are 11 institutes. The number of currently operating associate and degree courses at the university is 199.”

Vermutlich dürfte es inzwischen ein wenig zu spät sein, die Einträge auf zumindest einer der beiden Seiten anzupassen, ohne dass dies groß auffiele. Und auch Erdogans Diplom dürfte einen gröberen Mangel aufweisen: Ist es doch von Prof. Dr. Orhan Oguz unterzeichnet, der laut Wikipedia aber erst seit 1982 für die Marmara Universität tätig war.

Erdogan Diplom

Erstveröffentlicht auf Mena-Watch

16. Juni 2016, 10.51 Uhr:

Arbeitsteilige Unmenschlichkeit

von Thomas von der Osten-Sacken

So sieht Arbeitsteilung im Westen aus: Die linke Regierung unternimmt alles, damit das Morden weitergeht und die Regimes, die die Flüchtlinge produzieren am Ruder bleiben, oder, wie im Falle Irans, auch noch gestärkt werden, ja keine Interventionen stattfinden oder zumindest No-Fly oder No-Bomb Zones eingerichtet werden, die Rechten unternehmen dagegen alles, damit die Überlebenden als Flüchtlinge nicht aufgenommen werden:

Following the mass shooting in Orlando, a large group of House Republicans is seeking to immediately ban all refugees from resettling in the United States regardless of country origin or profile, according to a memo and draft legislation obtained by Foreign Policy. The measure would go even further than Donald Trump’s controversial proposal to block the immigration of Muslims. (…)

Trump has launched a tirade against President Barack Obama’s resettlement program in recent days, saying there is “no system to vet” refugees. In fact, the U.S. screening process takes over two years and starts with vetting by the United Nations High Commissioner for Refugees followed by checks by U.S. security and intelligences agencies. The laborious process is a major reason that the U.S. is behind its goal of resettling 10,000 Syrian refugees. Canada, by comparison, has brought in more than 27,000.

Und Donald Trump, dessen Parteifreunde eine anti-LGBT Maßnahme nach der anderen durchsetzen, rechtefertigt den Vorstoß dann auch noch mit seiner Solidarität, die natürlich eine gegen Flüchtlinge ist:

Thank you to the LGBT community! I will fight for you while Hillary brings in more people that will threaten your freedoms and beliefs.

15. Juni 2016, 23.53 Uhr:

Das Kopftuch als Kommentar

von Thomas von der Osten-Sacken

Diese iranische Frau hat sich für “My Stealthy Freedom” mit einem ganz besonderen Kopftuch ablichten lassen: Es ist mit einem Spruch Aytaollah Khomeneis aus dem Jahr 1979 bedruckt, der besagt, dass es niemals im Iran einen Zwang geben werde, Kopftücher tragen zu müssen.

15. Juni 2016, 15.28 Uhr:

Fastenbrechen mit dem iranischen Außenminister

von Thomas von der Osten-Sacken

Der Außenminsiter des Iran ist zu Gast in Berlin und man führt nicht nur Dialoge, nein man nähert sich an und feiert gemeinsam das Fastenbrechen im Ramadan, so unter guten Freunden gehört sich das. Und pflegt “Wandel durch Annäherung” bzw. eher Annährung ohne Wandel, denn wenn iranische Gäste Europa besuchen, werden nackte Statuen verhüllt, der Wein verschwindet von der Menükarte und nun feiert man also auch noch Ramadan, besuchen allerdings europäische Delegationen den Iran, dann nur verschleiert und voller Kultursensibilität, schließlich gehört es sich nicht, an den Gastgebern in Teheran irgendwelche Kritik zu üben, das könnte ganz schnell als eurozentristische Islamophobie erscheinen und religiöse Gefühle verletzen.

Ob der Außenminister dann auch berichten darf, wie es mit der Vernichtung Israels vorangeht und wie viele Homsexuelle in den nächsten Wochen im Iran exekutiert werden?

 

Aus Halle dagegen kommt dieser Aufruf und wer immer morgen in Sachsen Anhalt weilt, möge sich doch überlegen, an dieser Kundgebung teil zu nehmen:

No deals with Teheran!

Nur wenige Meter vom erziehungswissenschaftlichen Institut, in dem sich junge Menschen über inklusive Pädagogik und Dekonstruktion von Geschlecht und Sexualität austauschen und sich selbst gerne als besonders weltoffen und aufgeklärt sehen, hat die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU (MIT) am 16.06 den iranischen Botschafter Ali Majedi zu einer Veranstaltung mit dem Thema: „ Iran - eine Wirtschaftsmacht zurück auf dem Weltmarkt“ in die Franckeschen Stiftungen eingeladen. Mit dieser Veranstaltung bieten die hallische CDU und Bernd Wiegand, der die Eröffnungsrede hält, dem Vertreter eines Regimes die Bühne, das die Scharia als Gesetzesgrundlage hat.
Mit der Offenheit und Faszination für dieses Terrorregime steht die MIT bei weitem nicht alleine da. Sei es Claudia Roth, die dem vorherigen Botschafter Ali Reza Sheikh Attar bei der Münchner Sicherheitskonferenz in aller Öffentlichkeit ein „High-Five“ gab, die Linkspartei, deren Politprominenz Dauergast beim Mullah-Regime zu sein scheint, oder Sigmar Gabriel, der erst im April diesen Jahres mit einer großen Wirtschaftsdelegation in den Iran reiste. Dies geschah aller Kritik zum Trotz, die auf den nur kurz danach im Iran stattfindenden Holocaust-Karikaturen-Wettbewerb und einer Ächtung dessen durch Gabriel abzielte. Dieser Wettbewerb steht exemplarisch für die zur Vernichtung strebende antisemitische Staatsräson im Iran. Die Unterstützung diverser Schlächterbanden in
Syrien, dem Irak und im Libanon passt dabei in das Drängen des Irans, eine einflussreiche und damit blutige Hegemonialmacht zu werden, die die “Islamische Revolution” im ganzen Nahen Osten durchzusetzen gedenkt.

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15. Juni 2016, 15.14 Uhr:

Der Westen an islamischer Homophobie schuld?

von Thomas von der Osten-Sacken

Die These, eigentlich sei der Westen wieder einmal schuld, ist keineswegs neu. Nach dem Massaker in Orlando, bei dem Omar Mateen sich erst zum Islamischen Staat bekannte und dann neunundvierzig Menschen in einem Gay Club erschoss und über fünfzig weitere verletzte, wird sie jetzt wieder hervorgekramt. „Warum das Schwulsein schon immer zum Islam gehörte“, erklärt etwa Eva Marie Kogel in der Welt und auch die Tagesschau stellt fest, dass „gleichgeschlechtliche Liebe in islamischen Ländern über viele Jahrhunderte toleriert“ worden sei.

Wie also kann es kommen, dass nach „mehr als 1.000 Jahren Toleranz“ (Queerpride.de) heute in vielen Ländern der islamischen Welt auf Homosexualität die Todesstrafe steht, Staats- und Regierungschefs wie besessen vor Homosexualisierung warnen, wie erst jüngst der iranische Revolutionsführer Ayatollah Ali al-Khamenei, und islamische Kleriker regelmäßig zum Mord an Schwulen aufrufen?

Import aus dem Westen?

Wenn wirklich Homosexualität in islamisch dominierten Ländern so lange weitestgehend toleriert wurde, dann müsse der völlige Wandel in der Wahrnehmung wohl an äußeren Einflüssen liegen: Mit Kolonialismus und Imperialismus habe sich im Orient erst die prüde europäische Sexualmoral des 19. Jahrhunderts verbreitet. „Der Westen war zu dieser Zeit industriell und politisch mächtig genug geworden, um die eigenen Sexualitätsdiskurse in die islamische Welt und den Nahen Osten zu exportieren“, erklärt Eva Marie Kogel und kommt zu dem Schluss: „An der Geschichte der nahöstlichen Homophobie hat der Westen also kräftig mitgeschrieben – und zwar so lange, bis vielen Muslimen die eigene Geschichte unangenehm wurde.“

Eine Fülle von Fakten scheinen Kogels These sogar zu stützen. Schließlich war ausgerechnet das Osmanische Reich das erste Land, das weltweit im 19. Jahrhundert homosexuelle Handlungen entkriminalisierte, in dieser Zeit blühte auch in Istanbul der Handel mit homoerotischen Miniaturen. Passend dazu zitiert Shereen El Feki in ihrer Untersuchung „Sex und die Zitadelle“ über Sexualität in der arabischen Welt einen ägyptischen Diplomaten, der im Auftrag des ägyptischen Vizekönigs Muhammad Alis nach Europa reist und die dortige prüde Sexualmoral lobt, die zu beeindruckendem wirtschaftlichem Aufschwung und Disziplin führe, während in Ägypten Päderastie und Laster den Fortschritt verhinderten.

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15. Juni 2016, 11.03 Uhr:

Mit leeren Händen auf der Strasse

von Thomas von der Osten-Sacken

Nachdem die türkische Armee die Altstadt von Diyabakir (Sur) in monatelangen Kämpfen mit kurdischen Milizionären de facto in einen Schutthaufen verwandelt hat, vertreibt die Regierung nun gezielt die verbliebenen kurdischen Bewohner aus Sur::

Diyarbakir’s Sur district has been practically bulldozed to the ground except for the historic mosque and the churches. The assassination of Tahir Elçi, the late head of Diyarbakir’s Bar Association, was the opening act in the mass deportation process. My intelligence source told me why Sur has a different significance among Kurds.

“Most poor people that found refuge in these small houses in Sur had come from the villages that were burnt during the 1990s military and security operations in the mountains. They began living there under very difficult conditions but it was at least a shelter. Now two decades later, they have to leave their homes in the heart of the city once again.”

According to local sources, if you do not have a phone or electricity bill under your name in Sur, the government automatically declares the right to take over your house. No explanation needed. Just like that, you will be out on the street with nothing.

14. Juni 2016, 23.42 Uhr:

Afghans in Solidarity with the LGBT Community

von Thomas von der Osten-Sacken

Aus den vielen Erklärungen muslimischer Organisationen und Einzelpersonen, die das Massaker von Orlando verurteilen, ob die #NotinMyName? Kampagne oder das Orlandostatement sticht die der in San Franciso ansässigen “Afghan Coalition” besonders hervor, erklärt sie sich doch explizit mit der LGBT Community solidarisch:

The Afghan Coalition stands in solidarity with the LGBTQI+ community and will continue to provide support to those in need. The Afghan community is a diverse community and it is safe to say that the action of one man does not define the community and we hope the greater community does not promote a stigma against any community. As more details come to light, we want to ensure that all people are respected and we unite as one voice against intolerance.

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