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Kürzliche Beiträge
2. August 2014, 23.19 Uhr:

'Solidarität mit den Christ*innen im Irak – nieder mit ISIS!'

von Thomas von der Osten-Sacken

Gastbeitrag von der Gruppe Perspektive Kurdistan

Heute fanden Demonstrationen zur Solidarität mit den Opfern von ISIS in verschiedenen deutschen Städten statt. Mehr als ein paar hundert Leute fanden sich an keinem der Orte ein, meist handelte es sich bei den Teilnehmer*innen um Christen aus dem Nahen Osten.

Von einer breiter Solidarität mit den Opfern des islamistischen Terrors konnte dagegen keine Rede sein.

Hier ein Redebeitrag, den die Gruppe Perspektive Kurdistan heute in Wiesbaden und Mainz gehalten hat:

Heute haben sich in Wiesbaden, Mainz, Frankfurt, und in vielen weiteren Städten Deutschlands und der ganzen Welt assyrisch-aramäische Christen, Kurdinnen und Kurden, Armenier, Jeziden und viele andere versammelt, um gemeinsam ihre Solidarität auszudrücken mit den Christinnen und Christen im Irak. Für uns ist es eine Ehre, unseren kleinen Beitrag zum Gelingen dieses wichtigen Protesttages leisten zu dürfen!

Im Vorfeld erfuhren wir, dass sich neben vielen anderen auch zwei ausgewiesene Rassisten und Faschisten des PI-Spektrums zur heutigen Kundgebung angekündigt haben. Erfreulicherweise blieben sie weg. Wären sie gekommen, so hätten wir ihnen gesagt: “Ihr seid hier weder erwünscht noch geduldet! Zieht Leine und kommt nie wieder!” Was wir und die Christ*innen im Irak am heutigen Tag am Wenigsten brauchen können, sind rassistische Moslemhasser, die unsere gemeinsamen Proteste für ihre Hetze missbrauchen wollen.

Wenn wir schauen, wer im Mittleren Osten gegen die religiösen Fanatiker des “Islamischen Staates” kämpft, dann sind das ganz sicher keine dummdeutschen Rassisten und Rechtspopulisten. Es sind vielmehr unsere kurdischen Genossinnen und Genossen von der YPG. Es sind kurdische Peshmerga, Araber, Syrer und Armenier, es sind Sunniten und Schiiten, Christen, Jeziden und Agnostiker. Die sind es, die ihr Leben aufs Spiel setzen, um dem fanatischen Wahn der Dschihadisten Einhalt zu gebieten, während die Weltöffentlichkeit wegschaut. Dafür danken wir ihnen von ganzem Herzen. Und den Religiösen unter ihnen wünschen wir: Möge Gott, möge Allah bei ihnen sein!

Deutlich wird auch, dass es hier nicht um einen religiösen Kampf der Kulturen geht, dass es nicht um Moslems gegen Christen geht, sondern um fanatische Gotteskrieger gegen die gesamte Humanität! Angesichts der Gräueltaten gehen weltweit immer mehr Schiiten und Sunniten auf Distanz zu ISIS und stellen sich auf die Seite der verfolgten Christen und aller Verfolgten.

So sagte die schiitische Fernsehmoderatorin Dima Sadeq im libanesischen Fernsehen: “Von Mossul bis nach Beirut – wir alle sind Christen!“.

Oder bereits zuvor ihre sunnitische Kollegin Dalia Al-Aquidi, die sich gar im irakischen Fernsehen zu sagen traute: “Die Christen sind indigene Bewohner dieses Landes und wir können nicht einfach so weiter machen, wenn sie nicht mehr da sind.” Und: “Unsere Religion ist eine Religion der Toleranz, und dieser politische, islamische Faschismus bringt selbst moderate Muslime wie mich selbst dazu, sich für ihren Glauben und ihre Gemeinschaft zu schämen.”

Unser Respekt für diese mutigen, klaren Worte! Mögen sie den Widerstandskämpfer*innen gegen ISIS den Rücken stärken!

Wir schließen unseren Beitrag mit den Worten eines kleinen irakischen Mädchens:

Iraq should be a home for everyone: Moslems, Christians or Sabeans

No one should try to change the identity of the other!

We don’t want the strong to swallow the weak!

We are human beings!

We are all responsible for this destruction in Iraq

Because until now we don’t have the culture of respecting the opinions and the beliefs of the others.

The Christians must come back to their homes, and the moslems who left too,

The Christians must come back, because they are the roots of Iraq

There is a foreign saying: If we’d compare the past with present, we will lose the future.

If we don’t learn to live together in love and respect we’ll lose the future!

Internationale Solidarität mit allen Verfolgten im Irak und in Syrien! Nieder mit ISIS!

Anti-ISIS Protest in Frankfurt am Main
2. August 2014, 11.38 Uhr:

Schweigen und Einverständnis

von Thomas von der Osten-Sacken

Wenn der Premierminister eines Natolandes, nämlich Recep Tayyip Erdogan, öffentlich erklärt, der terroristische Staat Israel (habe) mit seinen Gräueltaten in Gaza Hitler übertroffen und Israel eine Hitler-artigen Faschismus” vorwirft, so ist eine solche Äußerung auch 24 Stunden später keinesfall Anlass für’s deutsche Außenamt den türkischen Botschafter einzubestellen oder auf seiner Internetpräsenz zumindest ein paar Worte der Kritik zu veröffentlichen.

Was solches Schweigen für Folgen hat, man braucht es eigentlich gar nicht zu erwähnen. Es wird nicht nur in Ankara, sondern auch bei der nächsten “Gaza-Friedendemo” in Wuppertal, München oder Berlin als stilles Einverständnis gewertet und motiviert die wackeren “Kindermörder Israel” oder “Hamas, Hamas Juden ins Gas” skandierenden Protestierenden, von denen nicht wenige gezielt durch die AKP mobilisiert werden, umso mehr - ob durch Polizeilautsprecher oder nicht - in ihrem Glauben, irgendwie exekutierten sie da auf der Straße den Willen der schweigenden Mehrheit..

1. August 2014, 13.30 Uhr:

Caesers Bilder

von Thomas von der Osten-Sacken

Gestern präsentierte der ehemalige Photograph des syrischen Militärs, der unter dem Decknamen “Caesar” bekannt ist, vor dem US-Repräsentatnehaus weitere Beweise von systematischer Folter und Exekution in syrischen Gefängnissen:

Lawmakers reacted with outrage and horror at a House Foreign Affairs Committee hearing Thursday that featured photos of people who had been starved, tortured, and killed in Syria. But they also seemed at a loss for finding an immediate solution to the crisis.

Committee Chairman Ed Royce said the photos portrayed “horrendous violence carried out on an industrial scale” by the regime of Syrian President Bashar al-Assad during the country’s ongoing civil war.

The photos shown Thursday were just a small portion of the roughly 50,000 that “Caesar,” who uses the pseudonym in order to protect his safety, handed over to the Syrian opposition. Caesar, wearing a disguise at the hearing so he could not be identified, presented and discussed the photos on Thursday.

“I have seen horrendous pictures and bodies of people who had huge, tremendous amounts of torture like deep burns, and wounds and strangulation,” he told lawmakers, building a narrative of a Syrian regime that killed its own people without hesitation. “And bodies that had their eyes gouged out as well as bodies that were severely beaten.”

(Wer will, kann sich einige dieser Bilder hier ansehen)

1. August 2014, 00.39 Uhr:

Ein Irak für alle

von Thomas von der Osten-Sacken

Ein irakisches Mädchen aus Hilla (Babylon) im Südirak im Interview, die Schwester im Geiste sozusagen dieses Jungen aus Ägypten.

Auch wer nicht viel von dem Weisheit-aus-Kindesmund Gerede hält und Kinder schon gar nicht an der Macht sehen will, muss zugeben, dass offenbar im Nahen Osten einige der Kleinen ihren Altvorderen um Lichtjahre voraus sind.

Iraq should be a home for everyone:Moslems, Christians or Sabeans
No one should try to change the identity of the other!
We don’t want the strong to swallow the weak!
We are human beings!
We are all responsible for this destruction in Iraq
Because untill now we don’t have the culture of respecting the opinions and the beliefs of the others.
The Christians must come back to their homes, and the moslems who left too,
The Christians must come back, because they are the roots of Iraq
There is a foreign saying: If we’d compare the past with present, we will lose the future.
If we don’t learn to live together in love and respect we’ll lose the future!

31. Juli 2014, 01.35 Uhr:

Nabi Yunus Army

von Thomas von der Osten-Sacken

In Mosul regt sich erster Widerstand gegen den Terror des Islamischen Staates:

The dynamiting of some of Mosul’s most precious heritage has spurred a group of students and officers into the first act of armed resistance against the Iraqi city’s Islamist militant rulers.

Islamic State fighters have faced few challenges in holding the city since they took it over seven weeks ago, with Kurdish forces grounded at its gates and routed government forces in disarray.

But Anwar Ali, 23, hopes the snipers he said killed four militants on Sunday fired the opening shots of a broad popular uprising that will kick the group back into the desert.

“With a group of mainly students, but also young civil servants and merchants, I joined something we named Kataeb Al Mosul (The Mosul Brigades),” he said.

“But some people suggested we rename it Nabi Yunus Army in reaction to the blowing up by Daash (The Islamic States’ former Arabic acronym) of the shrines.”

On July 24, Islamic State militants rigged the Nabi Yunus shrine, revered by both Muslims and Christians as the tomb of Prophet Jonah, with explosives and blew it up in a public display of might.

Other precious monuments deeply rooted in Mosul’s rich history were reduced to rubble.

“This campaign of destruction of our mosques, churches and heritage sites is an attempt to suppress Mosul’s identity,” Mr Ali said. (…)

By blowing up some of the ancient city’s proudest heritage, Mosul’s Islamist rulers may have become the architects of their own downfall, as fear slowly gives way to outrage.

“I think popular opposition may be the only way left to save the remaining historic monuments,” Ihsan Fethi, from the Iraq Architects Society, said after the first destructions.

“I know I am asking and hoping for a very difficult action in view of the horrific record of these fanatics but some courage is needed now before it is too late,” he said.

30. Juli 2014, 01.31 Uhr:

Al Shifa Hospital, Gaza

von Thomas von der Osten-Sacken

Immer wieder taucht es in den Medien auf, das al Shifa Hospital in Gaza. Gestern soll es, behauptet zumindest die Hamas, von einer isarelischen Rakete getroffen worden sein. Medecins sans Frontières verurteilte den Angriff in einer  “strong condemnation”:

The international medical organization Doctors Without Borders/Médecins Sans Frontières (MSF) strongly condemns the July 28 attack on Gaza City’s Al Shifa hospital, where an MSF surgical team is working.

Al Shifa is the main referral hospital for the entire Gaza Strip. This latest bombing of a health facility, where thousands of people have taken refuge since Israel launched its Operation Protective Edge three weeks ago, demonstrates how civilians in Gaza have nowhere safe to go, and shows the difficulties of providing emergency aid in Gaza.

One MSF international staff member was in the building when the outpatient department of Al Shifa hospital was bombed. While no one was injured in this latest attack, it is the fourth hospital in Gaza to have been hit since July 8, the others being the European General hospital, Al Aqsa hospital, and Beit Hanoun hospital.

Hospitäler und andere medizinische Einrichtungen gelten im Krieg als besonders schutzwürdige Ziele, wer sie angreift oder bombardiert, steht zumindest im schweren Verdacht, ein Kriegsverbrechen begangen zu haben.

Wer allerdings Kombattanten in medizinischen Einrichtungen unterbringt oder diese gar in Kommandozentralen umfunktioniert, der mißachtet ganz gezielt alle Vorschriften des humanitären Völkerrechts. Und es sieht ganz so aus, als befände sich unterhalb des Shifa Hospitals ein Kommandobunker der Hamas, eine Einrichtung, die schon zu Zeiten der israelischen Besatzung von der IDF gebaut worden und nun von der Hamas genutzt wird:

The idea that one of Hamas’ main command bunkers is located beneath Shifa Hospital in Gaza City is one of the worst-kept secrets of the Gaza war. So why aren’t reporters in Gaza ferreting it out? The precise location of a large underground bunker equipped with sophisticated communications equipment and housing some part of the leadership of a major terrorist organization beneath a major hospital would seem to qualify as a world-class scoop—the kind that might merit a Pulitzer, or at least a Polk.

So why isn’t the fact that Hamas uses Shifa Hospital as a command post making headlines? In part, it’s because the location is so un-secret that Hamas regularly meets with reporters there. On July 15, for example, William Booth of the Washington Post wrote that the hospital “has become a de facto headquarters for Hamas leaders, who can be seen in the hallways and offices.” Back in 2006, PBS even aired a documentary showing how gunmen roam the halls of the hospital, intimidate the staff, and deny them access to protected locations within the building—where the camera crew was obviously prohibited from filming. Yet the confirmation that Hamas is using Gaza City’s biggest hospital as its de facto headquarters was made in the last sentence of the eighth paragraph of Booth’s story—which would appear to be the kind of rookie mistake that is known in journalistic parlance as “burying the lede.”

But Booth is no rookie—he’s an experienced foreign reporter, which means that he buried the lede on purpose. Why? Well, one reason might be that the “security sources” quoted whenever the location of the Hamas command bunker is mentioned—which, as evidenced by this 2009 article by the excellent and highly experienced foreign correspondent Steven Erlanger of the New York Times, happens every time there’s a war in Gaza—are obviously Israelis, not members of Hamas. It might be hard to believe the Israelis, the simple logic might run, since they obviously have an investment in arguing that Hamas is using hospitals and schools as human shields.

The Israelis are so sure about the location of the Hamas bunker, however, not because they are trying to score propaganda points, or because it has been repeatedly mentioned in passing by Western reporters—but because they built it. Back in 1983, when Israel still ruled Gaza, they built a secure underground operating room and tunnel network beneath Shifa hospital—which is one among several reasons why Israeli security sources are so sure that there is a main Hamas command bunker in or around the large cement basement beneath the area of Building 2 of the Hospital, which reporters are obviously prohibited from entering.

30. Juli 2014, 00.56 Uhr:

Jemen, ein Abgesang

von Thomas von der Osten-Sacken

Erinnert sich noch wer an den Jemen, wo 2011 montalenag Millionen gegen die Regierung demonstrierten und dann unter Ägide der USA ein ganz fauler Kompromiss ausgehandelt wurde, die “jemenitische Lösung", wie es damals hieß, die für Ex-Außenminister Guido Westerwelle gar als Vorbild für Syrien angepriesen wurde?

Seitdem hört man kaum noch etwas von oder aus dem Jemen. Dabei befinden sich vom Iran unterstützte Houthi Rebellen seit Monaten auf dem Vormarsch und stehen kurz vor Sana, Al Qaida breitet sich im Süden des Landes aus, die Ökonomie liegt darnieder, im Land herrscht eine humanitäre Katastrophe und Hunger.

Die Yemen Post mit einem berührenden Abgesang auf ihr Land und die verratenen und verlorenen Hoffnungen:

If Yemen rose anew under the impetus of the Arab Spring movement back in 2011, its people having found at last a sense of pride and political determination, the past three years have but laid waste the hopes of a nation, its dreams crushed under the boots of ruthless politicians and opposing powers.

More than just a failed state, Yemen is now a broken nation. Yemen’ spirit has been spent by a an avalanche of plagues, each one more taxing and devastating than the next, each one more difficult to get over as Yemenis have been forced to dug deeper in order to maintain their heads above water.
While of course the media have covered at length Yemen’s fall, focusing on food insecurity and widespread instability, few have however managed to convey the sheer gravity and hopelessness which have grabbed hold of Yemenis over the past few years; crushing their lungs and squeezing their burdened hearts. Yemenis are quite literally drawing in misery; robbed of all hope of a better tomorrow. Cowering under the weight of abject poverty, crippled by a system which offers them no salvation, disillusioned by officials’ empty promises, Yemenis have shrivelled up like dead leaves, waiting for one last breath of wind to swoop them up and carry them where pain no longer exists.

A once joyous country where bouts of laughter would break under a clear azure sky, silence has replaced the clatter of life, smiles have been wiped up people’s faces and sorrow has dug deep line under Yemenis’ brows. (…)

Sana’a, the city of Shem (one of Prophet Nouh’ son), the last vestige of a civilisation which span over a millennium, is but a shadow of its former self.
Dark shadows under the unforgiving sun of Arabia, beggars have overrun every street corner, every nook and cranny in the city, furtive figures looking for a few riyals to buy their daily bread.

Wasted bodies crippled by fatigue, Yemeni men can be found asleep on the cold hard floor of gas stations, clinging on to their jerry-cans as they await for the state to release whatever little fuel it can still manage to offer its people. Forced to wait like destitute, deprived of everything, Yemenis await on the cold hard floor.


Plunged in the dark Yemenis await. Plunged in the dark Yemenis bide their time, hoping beyond all hope that their suffering will somehow be lifted, their wounds tended to and their pride restored.
Yemen’ suffering is suffocating in its intensity. But more upsetting yet Yemen’ suffering is unwarranted. As the world stands idly by, it is an entire people which are wasting away …

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