Schlüppis
Kürzliche Beiträge
19. Juni 2013, 02.07 Uhr:

Ein bißchen Beischlaf oder Die FAZ befragt einen Nahostdiktator

von Oliver M. Piecha

Man durfte es ahnen, wenn der FAZ-Nahostkorrespondent Rainer Hermann bei Assad zum Interview vorspricht, kommt ziemlicher Qualitätsjournalismus dabei heraus; Rainer Hermann hat ja bereits beim Massaker in dem syrischem Marktflecken Houla weiland bewiesen, dass ihn vor allen anderen internationalen Nahostkorrespondenten die ungehemmte Empathiefähigkeit auszeichnet, sich in die syrische Staatspropaganda hineinzuversetzen. 1.2.3
Aber das kann und will auch nicht jeder leisten. Und Rainer Hermann und die FAZ standen da schon ziemlich alleine abgesehen von solchen illustren Gestalten wie Jürgen Elsässer. Nun, jeder eben wie er kann und möchte.

Der aktuell oberste Baath-Führer erklärt R. Hermann die Grundposition (Originalfoto):

Aber yes, so funktioniert das also, Rainer Hermann fragt seinen wirklich WICHTIGEN Gesprächspartner exakt das, was der sagen will. Rainer Hermann ist eine journalistische Kapazität, bitte. Und endlich hat Rainer Hermann seine Belohnung empfangen. Der große syrische Führer hat mit ihm gesprochen!
Leider ist die Lage nicht so, dass wirklich weltbewegende Antworten von Bashar Al-Assad zu erwarten wären, ist aber auch egal, darum ging es dem Herrn Diktator ja nicht, und Rainer Hermann hatte zum Glück seinen Stichwortzettel dabei, und war offensichtlich überhaupt bloß froh, zum Wichtige-Fragen-Stellen herbeibeordert worden zu sein. Die schönste, wohlabgewogenste, im tiefsten Sinne kritische Frage an den Herrn Präsidenten war dann die nach der islamistischen Al-Nusra-Front:

Auf der Seite der Rebellen in Syrien kämpft die Nusra-Front. Wer ist das? Wer versorgt sie mit Waffen und Geldern

Die Nusra-Front ist ein Zweig von Al Qaida. Sie vertritt dieselbe Ideologie. Zu finden ist sie in Syrien, im Irak, im Libanon und in Jordanien. Die Finanzierung erfolgt hauptsächlich durch anonyme Personen und Organisationen mit derselben Ideologie. Sie verfügen über Unsummen an Geld und Waffen. Die Spenden fließen direkt an die Nusra-Front; es ist schwierig, Herkunft und Abnehmer dieser Ressourcen aufzuspüren. Die Nusra-Front zielt auf die Errichtung eines islamischen Staats und stützt sich hauptsächlich auf die wahhabitische Konfession. Letztlich mündet das ins Konzept von Al Qaida - siehe die Lage in Afghanistan. Das betrifft in erster Linie die Frauen. Die Nusra-Front will das islamische Gesetz, die Scharia, anwenden. Das ist eine entstellte und deformierte Form des Islams. Auf Youtube kann man eine Vorstellung von ihrem barbarischen Handeln bekommen. Im belgischen Fernsehen war kürzlich zu sehen, wie ein Unschuldiger mit einem Beil enthauptet wurde. Die Mitglieder der Nusra-Front kommen aus Syrien, aus anderen arabischen und islamischen Staaten, auch aus Europa.

Genau, so also geht Journalismus; ein Diktator, der einen harmlosen Journalisten eines „wichtigen“ westlichen Mediums braucht, um seine Botschaft passend zur G8-Konferenz möglichst ungefiltert verbreiten zu können, oder simpler gesagt einen Heini, der alles brav aufschreibt, was er beim Tee im Präsidentenpalast zu hören bekommt; und eine deutsche „Qualitätszeitung“, die froh ist, endlich einmal wieder international breit zitiert zu werden. Glückwunsch!

Genau das ist deutscher Qualitätsjournalismus. Hier werden sie Info gemacht.

Findet das syrische Propagandaamt auch, deshalb hier: die Orgiginalversion. Das so warm von Herzen kommende Ende hat die FAZ nämlich leider weggelassen.

Interviewer: Mr President, thank you very much. I have been greatly influenced by your personality and your vision; I hope Europe and the West will benefit from this interview and look at you and your country differently.

President Assad: Thank you very much and welcome again to Syria.

16. Juni 2013, 13.43 Uhr:

Urgent Calls from Taksim Solidarity

von Thomas von der Osten-Sacken

The officials who promised to keep Gezi as a park until the end of the court case have turned Gezi Park, Istanbul and our country into a war zone.

We condemn the police assault with rubber bullets, intense teargas and sound bombs on Gezi Park at a time where the park was populated with women, children and the elderly in the evening of the 15th of June and declare this a crime against humanity.

The attacks are continuing around Taksim and neighbouring areas and the whole country.

The infirmaries at Gezi Park and the Divan Hotel have been specific targets of this assault whose intense violence could not even be justified in times of war. Protesters from all areas of Istanbul are walking towards Taksim against government violence. There are protests all over the country.

As we speak we are trying to ascertain numbers in the current assault. The declarations by the governor or police chief are far from convincing. Many people are in police custody and hundreds have been wounded by plastic bullets. Many people cannot reach hospitals.

These attacks have taken place following the meetings our representatives had with the PM and while we were having an open and democratic discussion as to how the process would be shaped from here on in. The attacks have taken place when we had been working on how to reorganise ourselves in the park and at a time where there were no protests whatsoever in Taksim Square. This is a clear indication that the intention of the PM is to intensify polarisation in Turkey and oppress the people with his insatiable lust for authority.

Our decision making processes are open to everyone and we will be following up on our humane and fair demands together with our labour unions, democratic organisations, political parties and our volunteer participants.

We were in the process of reorganising our tents at Gezi Park when the assault took place. Despite this process which had already been conveyed to MPs by artists and other MPs, the violence is an indication that public order has been destroyed by the government itself in our country.

Here are the urgent calls from Taksim Solidarity:

This violent attack by the police forces has to stop immediately. The government is solely responsible for what happens tonight and tomorrow.
The press should publicise our declarations and protect our people from the misinformation of a government at war with its own people.
We are very concerned about those who ended up wounded as a result of this harsh police intervention. Volunteering medics have been stopped from attending to those in need. Ambulance and other public health services should immediately be re-instated.
Tens of thousands of people are walking to Taksim from everywhere in Istanbul. Their voices must be heard.

TAKS?M SOLIDARITY

12. Juni 2013, 19.26 Uhr:

Morddrohungen gegen Hamed Abdel-Samad

von Jörn Schulz

„Es hat am vergangenen Dienstag angefangen, als ich in Kairo einen Vortrag über religiösen Faschismus gehalten habe. Kurz darauf begann im Internet eine Hetzkampagne gegen mich“, berichtet Hamed Abdel-Samad. Mittlerweile gibt es ernstzunehmende Morddrohungen von Jihadisten, unterstützt vom salafistischen Geistlichen Mahmoud Shaaban. Die ägyptische Regierung, die gerne ausländischen „Unruhestiftern“ die Schuld an Protesten gibt, unternimmt erwartungemäß nichts, um die Aufrufe zu unterbinden, und die Bundesregierung, die offenbar weiterhin mit den Muslimbrüdern ins Geschäft kommen will, behandelt die Angelegenheit als diplomatischen Routinefall.

Den meisten deutschen Linken gilt Hamed Abdel-Samad wegen seiner TV-Zusammenarbeit mit Henryk M. Broder offenbar als Unperson. In Deutschland gehört Abdel-Samad zur Riege jener ‚Islam-Kritiker’, die ihre Herkunftskultur mit dem vermeintlich authentischen Blick des angeblichen Insiders kritisieren“, meint Daniel Bax in der Taz. „Es gibt nicht wenige, die ihn deshalb für einen Wichtigtuer und Selbstdarsteller halten.“ Ein authentisches Beispiel für das demagogische Talent vermeintlicher Journalisten, die vermutlich Probleme hätten, zu erklären, warum dem Sohn eines konservativen Imams abgesprochen werden sollte, eine echte Innenansicht zu präsentieren und warum diese Kritik ihn zum Wichtigtuer macht. Die Distanz zu Abdel-Samad hat vielleicht auch etwas mit Neid zu tun, denn im Gegensatz zu wohl sämtlichen deutschen Linken hat Abdel-Samad eine Revolution nicht nur kommentiert und benotet, sondern mitgemacht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

11. Juni 2013, 23.32 Uhr:

Scared

von Thomas von der Osten-Sacken

Can Oz, Besitzer des Can Publishing Houses in der Türkei, kommentiert die jüngsten Ereignisse in der Türkei:

I am scared. With every speech that prime minister Recep Tayyip Erdo?an gives, I feel the hatred and disgust against me and young people of my generation increase. All we are after is a bit of freedom, a bit of space to live and a few trees. It reminds me of a line from Jimi Hendrix’s If 6 Was 9: “I’m the one that has to die when it’s time for me to die, so let me live my life the way I want to.” (…)

I am scared, not for myself, but for my girlfriend, my mother, my sister, and for my country. It is quite clear at this point that Erdo?an’s only way to cope with problems is to ratchet up aggression levels. If he continues to do so, I fear that this aggression will lead to a civil war in Turkey.

For the past few years, I have lived in fear of expressing my ideas. I didn’t do enough to criticise Erdo?an, or speak up loudly enough about the misdeeds of public officials that I had witnessed. But not any more. I am not afraid to lose my business, my wealth, or even my freedom by being jailed and sentenced; but I can not bear to live a dishonorable life any more.

Der iranische General Seyyed Yahya Safawi ist ein hochrangiger Militärberater des Revolutionsführers Ali Khamenei. Farsnews zitierte Safawi am 9. Juni 2013 wie er eine ideologische und propagandistische Militäranalyse der Situation in Syrien und in der Türkei liefert und gleichzeitig vom wachsenden iranischen Einfluss auf die Mittelmeerregion träumt. Tatsächlich stellt er die libanesische Hisbollah als ein Instrument der iranischen Armee dar. Er stellt die iranische Militärstrategie in die Tradition der Kriege der altpersischen Könige im Mittelmeerraum. Zudem propagiert der iranische General die „Zerstörung“ Israels.

Weiterlesen.

11. Juni 2013, 16.49 Uhr:

End of Syria

von Thomas von der Osten-Sacken

Farid Ghadry schreibt über das Ende Syriens, die Transformation des Landes in eine “Monstrosität” und fragt, wer für diese Entwicklung verantwortlich zu machen ist.

Between the butchery of Assad and the apathy of Obama, the grotesque transformation of Syria from a State whose people sacrificed their lives for freedom into a true evil-driven monstrosity. Syrians fighting each other have become dehumanized killing machines with each side exacting more terror and more revenge on civilians than on each other. This will have repercussions for a Levant region that prides itself on the notion of co-existence with minorities like no other Arab region to its east or west. (…)

Syria no longer exists. The ruins of its cities will be governed by the ruins of its humanity be it the Assads or the religious terrorists. What form or political shape will rise from these ashes should be our concern moving forward as we let history judge those who lacked the courage and the moral fortitude to save valuable lives rather than step aside to let lives destroy each other. There is no escaping responsibility because time always uncovers the truth.

8. Juni 2013, 17.55 Uhr:

Türkei als Beispiel?

von Thomas von der Osten-Sacken

Von Erdogan selbst bis zu Westerwelle, auf den Seiten des deutschen Orieninstitutes, überall hieß es vor zwei Jahren, die AKP-Türkei, sie sollten die Protestierenden in den arabischen Ländern sich als glänzendes Vobild nehmen, wie Islam und Demokratie, Ost und West vereinbar seien. Dazu schreibt Cihan Çelik:

Despite huge diplomatic and PR efforts, voices proposing Turkey as a “model” to the “Arab Spring” countries eventually diminished since it was a stillborn idea from the get-go. Many critics, including the author of this article, objected to the Orientalist approach of spreading “neo-Ottoman” influence in the region with the argument that those countries needed to stand on their feet after suffering for years under strong-hand regimes and to chart a path to their own unique political system that would include more freedom and civil rights. Besides, Turkey was in deep trouble in finding its own way to democratization despite the baby-step advances in some core issues, and offering it as model merely served to present the “Arab Spring” nations with a “relatively better” choice.

But in recent weeks, Turkey, in fact its people, unexpectedly proved to not only a couple of countries looking to change its rulers but to the entire region that it would make an outstanding “model” not as a political export product but as a tale of a united power against heavy-handed authorities seeking to curb freedoms.

Some would say that Turkey came late to the party in discovering its rebellious soul, and that argument would be proven true to some extent, but the awakening and rise of people who have been habitually intimidated – meaning they have remained silent for years – has heralded a new era in which the people do not hesitate to hit and stay on the streets.


With the latest stage of the Occupy protests remaining in limbo amid calls for calm, the experience of Turkey still does not provide a breakthrough for neighboring nations, but if the level of outrage sees no ebb and continues to grow with the antagonistic stance of the government, the experience of Turkey could further send tremors to the heart of the Middle East. And that would be something more than a “model.”

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