Weitgehend unbemerkt findet in Saudi Arabien gerade ein Machtwechsel an der Spitze statt. Nach dem Ableben von Kronprinz Sultan wird jetzt Naif die Regierungsgeschäfte in die Hand nehmen. Was das für Saudi Arabien bedeuten könnte, analysiert Ali Alyami für das Hudson New York Institut:
What is being myopically and dangerously overlooked, not because of ignorance but because of this disconcerting necessity, is that Naif’s ascendance to the throne could potentially spawn and expedite that which some Saudi royals and the international community are hoping to avoid – instability in Saudi Arabia. Prince Naif will be presiding over a fast-changing, more restless society that is less fearful of authority. The majority of the Saudi people, like the rest of the Arabs and others, is yearning for a better alternative to their oppressive regime and its outmoded, unresponsive, and dysfunctional institutions. It is estimated that between 60-70% of the Saudi population are under 30 years of age and that 43.2% for men and women in the 20-24 age category are unemployed. This is a “ticking bomb” that will explode unless long-term, well-paying jobs are created and made available to them; government handouts will not silence them for long.
Further, the Saudi people have more access to each other and to more domestic, regional, and global information than at any time in their history. They are among the most frequent users of the unstoppable social media that they make the most of to vent, pass time, and to discuss social, gender, political, and religious issues that were taboo before the arrival of modern technology. Unless tangible social, political, economic, and religious reforms are implemented, the people will use social media to organize an uprising against the system that is holding them back, despite Western experts’ unfounded doubts.
Women of all ages make up some of the most active groups in Saudi Arabia. Many demonstrate in front of Prince Naif’s Ministry of Interior on a daily basis to demand the release of their loved ones incarcerated without charges or trials by Naif’s police. Some are demanding equal access to education and job opportunities. Some are demanding the removal of the male guardian system and others are demanding the removal of the business manager system (Saudi businesswomen are forced to hire a male to manage their businesses for them.) The most vocal and fearless among Saudi women are those who demand the right to drive. A number of them have gone behind the wheel and have been imprisoned and interrogated, but continue their demands undeterred. Naif does not think much of women. He believes that they should stay home, producing and grooming generations of “good men.” He sees women as the property of men, stating, “Any man who accepts his wife or daughter to work as secretaries for other men has lost his manhood.”
Even though Naif may be the ruthless prince who can guarantee his family’s safety, keep its unruly members in line and maintain the temporary stability of the country through sheer force, he might be the least suitable man to rule Saudi Arabia, especially at this time of restlessness and escalating demands for change. These demands come from a generation of men and women who are disconnected from the world into which Naif and his aging brothers were born, grew up and still live. He will strengthen the religious establishment to intimidate the populace to keep them in check as he has done all his life. A more theocratic and dangerous Saudi Arabia is inevitable under Naif. Ironically, it is the West’s need for Saudi money and Saudi oil might people Prince Naif to the Saudi throne.
Die New York Times berichtet, dass die Türkei nun die “Free Syrian Army” von ihrem Territorium aus operieren lässt:
Once one of Syria’s closest allies, Turkey is hosting an armed opposition group waging an insurgency against the government of President Bashar al-Assad, providing shelter to the commander and dozens of members of the group, the Free Syrian Army, and allowing them to orchestrate attacks across the border from inside a camp guarded by the Turkish military.
The support for the insurgents comes amid a broader Turkish campaign to undermine Mr. Assad’s government. Turkey is expected to impose sanctions soon on Syria, and it has deepened its support for an umbrella political opposition group known as the Syrian National Council, which announced its formation in Istanbul. But its harboring of leaders in the Free Syrian Army, a militia composed of defectors from the Syrian armed forces, may be its most striking challenge so far to Damascus.
Heute morgen in einem Café im Zentrum von Tunis. „Es ist gut, dass Ennahda die Wahlen gewonnen hat“, sagt ein Mittdreißiger, der soeben noch mit einer etwa ebenso alten Frau ohne Kopftuch zwei Tisch weiter saß und sich nun mit mir unterhält. „Tunesien ist ein religiöses Land.“ Aber seine Schwester habe säkular gewählt, wegen der Frauenrechte. Er selbst habe eine Ausbildung im Informatikbereich, aber es sei schwer, Arbeit zu bekommen.
Das offizielle Endergebnis der Wahl von Sonntag lässt weiter auf sich warten, die politischen Manöver der Parteien richten sich entsprechend nach den der vorläufigen Ergebnissen.
Die islamistische Ennahda fordert mittlerweile die Führung der künftigen Übergangsregierung und hat seine Nummer Zwei, den Generalsekretär Hamadi Jebali, für den Posten des Premierministers einer künftigen Regierung präsentiert. Es sei „natürlich“, dass die stärkste Partei die Führung der Regierung übernehme.
Ein unbedingt lesenswerter Brief von Ayatollah Hossein Kazemeyni Boroujerdi, der im Iran im Gefängnis einsitzt, weil er unter anderem für die strikte Trennuing für Religion und Politik (wie übrigens sehr viele andere Kleriker im Iran auch) eintritt:
Honorable UN Secretary General, Ban Ki Moon, respected and esteemed representatives of the countries around the world, ladies and gentlemen of the free world,
The abominable oppression and subjugation of the people of Iran by the Revolutionary Guards, under the ruling dictatorship is so egregious, and their apparatus for its cover-up so systematic that the world at large never learns of the actual horror stories and the crimes committed by the Islamic regime against the humanity of the people of Iran.
von Bernd Beier
Es rumort vor dem Kongresspalast in der Avenue Mohamed V an diesem sonnigen Dienstagnachmittag. Das Gebäude ist mit einem großen Transparent mit Aufschriften wie „Menschenrechte“ und „Demokratie“ behängt, drinnen hat die tunesische Wahlkommission anlässlich der ersten freien Wahlen im Land ein Medienzentrum für die aus aller Welt angereisten Journalisten eingerichtet. Etwa 500 bis 600 Linke und Säkulare, darunter viele junge Frauen, haben sich in dem kleinen Park gegenüber von dem Kongresspalast versammelt. Sie halten selbst gemalte Schilder in die Höhe, auf denen Slogans zu lesen sind wie: „Wir wenden uns nicht gegen eine Partei, sondern gegen Wahlbetrug“, „Wenn sie die Wahlen manipulieren, bevor sie an der Macht sind, was werden sie erst machen, wenn sie die Macht haben?“, „Never give up the fight“ oder, in Anspielung auf die Platzbesetzungen in den Vereinigten Staaten und Europa, auch einfach: „# occupy“. Einige stimmen die Internationale an. „Haben wir die Revolution gemacht, um von Islamisten regiert zu werden?“ ist die rhetorische Frage einer jungen Frau.
Die islamistische Ennahda-Bewegung ist als stärkste politische Kraft aus den Wahlen hervorgegangen. Aber auf der Demonstration kann sich kaum jemand vorstellen, dass es dabei mit rechten Dingen zugegangen ist. Mit ihren großen finanziellen Mitteln habe Ennahda Stimmen gekauft, sie habe trotz Verbots am Wahltag weiter ihre politische Propaganda betrieben und Wähler eingeschüchtert – das sind die Vorwürfe, die immer wieder zu hören sind. Die Wahlkommission hat jedoch bereits erklärt, die Wahlen seien im Großen und Ganzen fair verlaufen, die Unregelmäßigkeiten, die vorgekommen seien, hätten keinen entscheidenden Einfluss auf den Wahlausgang gehabt.
Mittlerweile laufen die Verhandlungen zwischen den verschiedenen politischen Kräften auf Hochtouren, auch wenn das offizielle Wahlergebnis weiter auf sich warten lässt. Es wird noch etwas dauern: offenbar bis zum 9. November.
Rached Ghannouchi, der Chef von Ennahda, hat heute erklärt, es sei „natürlich“, dass seine Partei eine neue Übergangsregierung anführe, die in einer Zeitspanne von höchstens einem Monat zustande kommen solle. Für den Posten des Übergangspräsidenten werden drei Namen gehandelt: Mustapha Ben Jafaar von der sozialdemokratischen Ettakatol, Moncef Marzouki vom Kongress für die Republik und Ahmed Mestiri, ein bereits 86jähriger historischer Gegenspieler von Bourguiba.
Es scheint, als würde eine Allianz zwischen dem Kongress, Ettakatol und Ennahda stehen, aber nichts Genaues weiß man nicht über den Inhalt eines solchen Abkommens.
Eunduringamerica mit einer Videoreportage über die Balagerung der Stadt Homs, seit Monaten Hochburg der Opposition gegen das Assad Regime. Die Bilder erinnern das eingeschlossene Misrata und sprechen eine deutliche Sprache: das sind Szenen aus einem Bürgerkrieg.
30 000 Menschen sollen inzwischen in Syrien inhaftiert sein und Amnesty meldet:
Syrische Regierungsgegner werden nach Informationen von Amnesty International in staatlichen Krankenhäusern misshandelt und gefoltert.
Menschen, die bei den Protesten von den Einsatzkräften verletzt wurden, würden von Agenten der Geheimpolizei aus den Krankenbetten gezerrt und in Gefängnisse verschleppt. In anderen Fällen seien frisch versorgte Verwundete von Geheimdienst-Beamten und Schwestern zusammengeschlagen worden. Ärzte und Pfleger, die sich ernsthaft um die Verletzten kümmern, seien ihrerseits willkürlichen Verhaftungen und Misshandlungen durch die Geheimpolizei ausgesetzt.
„No women, no cry!“ sagt die junge Jurastudentin zynisch. Es ist Montagnachmittag, wir sitzen in einem Café in der Innenstadt von Tunis und diskutieren über die vermutlichen Wahlergebnisse. Einer kurz zuvor veröffentlichten Agenturmeldung zufolge erwartet die islamistische Ennahda, dass sie 40 Prozent der Stimmen erhalten hat, und der Freund der Studentin hatte ihr gerade mit schwarzem Humor eine Perspektive am Herd mit Kopftuch ausgemalt.
Sollte das das Resultat der aufständischen Bewegung sein, die im Januar den autoritären Präsidenten Ben Ali gestürzt und in der Folge mit zwei Platzbesetzungen der Kasbah in Tunis und Riesendemonstrationen dafür gesorgt hatte, dass Gefolgsleute Ben Alis aus den Übergangsregierungen geworfen wurden? Keine Frage, das vermutliche Abschneiden der Islamisten ist ein Schock für alle Linken, Säkularen und vor allem die tunesische Frauenbewegung.
Am Abend liegt nach den Prognosen Ennahda bei eher 30 Prozent, aber am heutigen Dienstag nach Angaben von al-Jazeera erneut bei 40 Prozent.
Der Kongress für die Republik, von dem erwartet wird, dass er mit Ennahda eine Allianz eingeht, liegt unverändert bei etwa 15 Prozent, ebenso die linkssozialdemokratische Ettakatol. Der Demokratische modernistische Pol hat etwas zugelegt auf acht Prozent, und der Liste „Die Initiative“ von Kamel Morjane, einem ehemaligen hohen Funktionär aus der aufgelösten Partei Ben Alis, dem RCD, bei etwa acht Prozent.
Die genauen Ergebnisse sollen heute abend bekannt gegeben werden. Zu den Prognosen lassen sich dennoch einige vorläufige Überlegungen anstellen.
Wie erklärt sich das überraschende Abschneiden von Ennahda? Sie hat kräftig auf der Klaviatur der „Märtyrologie“ gespielt, als die am stärksten unterdrückte politische Kraft unter Ben Ali. Und sie dürfte vor allem davon profitiert haben, dass es in der tunesischen Gesellschaft keine konservative Kraft gibt, was es ihr ermöglichte, alles einzusammeln, was irgendwie konservativ ist oder auch rechts davon steht, insbesondere bei der Landbevölkerung. Im Unterschied etwa zu der algerischen islamistischen Bewegung des Fis zu Beginn der neunziger Jahre befleißigte sich Ennahda im Wahlkampf keiner „revolutionären“ Rhetorik, sondern betonte eher ihre Verpflichtung gegenüber demokratischen Vorgehensweisen, erklärte, die Rechte der Frauen und der Minderheiten respektieren zu wollen.
Gestern hat ein Mitglied ihres Exekutivkomitees erklärt, Ennahda sei bereit, eine Allianz
mit dem Kongress für die Republik von Moncef Marzouki und Ettakatol von Mustapha Ben Jafaar einzugehen, denn deren Auffassungen seien „nicht weit entfernt von den unseren“.
Vermutlich wird sie also eine Allinz mit Teilen des liberalen oder linken Establishments Tunesiens eingehen, nicht zuletzt, weil Ennahda keinerlei Erfahrung im Regieren hat und fürchtet, sollte sie alleine die Regierung stellen, würde sich die eh schon prekäre ökonomische Situation des Landes weiter verschlechtern, weil es Vorbehalte seitens des Kapitals geben würde, in einem ausschließlich von Islamisten regierten Land zu investieren, was gegen Ennahda ausschlagen würde.
Ennahda setzt sich aus einem eher moderaten und einem fundamentalistischen Flügel zusammen. Vor den Wahlen hat sie den Salafisten - die sich durch zahlreiche gewalttätige Übergriffe auf Synagogen, Prostituierte, säkulare Kulturschaffende profilierten, zuletzt wegen der Ausstrahlung des Films Persepolis - Avancen gemacht, um deren Stimmen einzusammeln. Ein eindeutig faschistisch-“revolutionäres“ Profil hat Ennahda derzeit dennoch nicht. Wie die islamistische Bewegung ihre hohen Wahlergebnisse nutzen wird, ob sie auf eine Radikalisierung zusteuert – es ist noch zu früh, diese Frage zu beantworten.
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