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Kürzliche Beiträge
10. April 2013, 01.04 Uhr:

Zehn Jahre nach dem Sturz Saddams: eine Entschuldigung

von Thomas von der Osten-Sacken

Paul Wolfowitz, 2003 stellvertretender US-Verteidigungsminister und den Neocons nahe stehend,  schreibt, zehn Jahre nachdem in Bagdad auf dem Ferdous Platz die Statue Saddam Husseins gestürzt wurde, über den Irak Krieg einen sehr lesenswerten Artikel.

Und er erinnert, wofür sich die USA wirklich entschuldigen sollten: 1991 nicht den Aufstand im Süd- und Nordirak unterstützt zu haben

What did require a US apology—which the Ambassador to Iraq, Jim Jeffrey, offered in the Fall of 2011—was the failure to assist the Shia uprising in 1991, in the aftermath of Saddam’s defeat in Kuwait. When Saddam used armed helicopters to slaughter the rebels, the US did not withdraw permission for the Iraqi army to fly helicopters, which had been granted on the pretext that they were needed because so many bridges had been destroyed. (….)
Had the US acted sooner to assist in the liberation of the south as well as the north, Saddam might well have been overthrown. Iraq would have been liberated, and largely by its own people, without many years of additional suffering and the recent costly war.

Und er fährt fort:

Although it is very late in the day, perhaps it would not yet be too late to forge a coalition, one which includes Iraq, to bring an end to the bloody conflict in Syria and provide international support for a new Syrian government. But that would require real US leadership, whereas the US is not even “leading from behind” as it did in Libya. And it is already too late for the tens of thousands of Syrians who have died and too late to avoid some very damaging long term consequences

But it is not too late for the US and Europe and the GCC countries to engage with Iraq to help steer it on a course toward inclusive and accountable governance. That may sound like an unrealistic goal today, but it seems more plausible if one recalls Iraq’s past. One of the most impressive Iraqi leaders I know, a man who was fortunate to spend more than two decades outside the grasp of Saddam’s tyranny, commented to me once that he had been shocked to discover how much the Iraq to which he had returned resembled an abused child, with no confidence in itself and no trust in others. The scars of that abuse run deep, even deeper than the scars the Soviets left in Eastern Europe, and the scars of Soviet communism are still felt some two decades after the Berlin Wall came down.

Considering that challenge, it is remarkable that Iraq has done as well as it has thus far. Not only Iraq but other Arab countries emerging from decades of tyranny have deep scars of the past to overcome. But it will take time. Just as Korea took time. Just as the US took time. Just as so many other countries have needed time to transition from autocratic rule to representative government.

This transition needs and deserves the help of the United States, of all the western democracies, and of all those neighbors of Iraq who desire peace for that troubled part of the world.

9. April 2013, 15.43 Uhr:

Einsatz von Giftgas in Syrien bestätigt?

von Thomas von der Osten-Sacken

Die Haaretz meldet heute:

Intelligence officials in the West have concluded that forces loyal to Syrian President Bashar Assad used chemical weapons in their war against rebels. The information relates to two incidents in the Damascus area on March 19. However, various intelligence agencies, first and foremost the Americans, have not concluded whether the material used was a toxic chemical or a material that paralyzes only and does not kill. A senior security official in Israel told Haaretz that Syrian President Bashar Assad’s regime is still cautious about resorting to chemical weapons although it is using every other means at its disposal “from fuel-air bombs to Scud missiles,” which have been fired at areas under rebel control. “From Assad’s point of view, this is a war of life and death,” the senior official said. (…)

On March 19 accusations were exchanged between the Assad regime and the rebels regarding the use of chemical weapons in two areas in Syria – near Halab and in the area of Damascus. At the end of March there were reports that western intelligence agencies believed that it was actually the rebels who had used chemical weapons, having succeeded, by an undetermined method, to fire chlorine gas at a Syrian army checkpoint at Khan al-Assal, a village near Halab. According to these reports, 26 people were killed in that attack and dozens were injured.

Derweil behindert das syrische Regime die Einriese von UN-Inspekteuren:

Syrien will ein UN-Team zur Überprüfung eines möglichen Chemiewaffeneinsatzes in dem Bürgerkriegsland nicht einreisen lassen. Als Grund wurden “zusätzliche Aufgaben” genannt, die UN-Generalsekretär Ban Ki-moon dem Team erteilt habe und die “der Souveränität Syriens klar widersprechen", meldete die staatliche Nachrichtenagentur Sana unter Berufung auf das Außenministerium in Damaskus.

„Kein Stop für das iranische Atomprogramm“, mit diesen Worten trat der iranische Präsident Ahmadinejad heute an die Öffentlichkeit. Er fuhr fort:
„Iran ist heute atomar und niemand kann es uns nehmen,“ so Ahmadinejad. Der iranische Prüsident, der auch Vorsitzender des Nationalen Sicherheitsrates ist, sagte: „Es wäre gut, dass die Leute, die meinen die Welt zu regieren, in der politischen Auseinandersetzung ihren Verstand einsetzen würden.“ Es könne nicht sein, dass sich „vier Leute zusammensetzen und sagen, wir sind die Herren dieser Welt und der Rest sind Sklaven.“

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8. April 2013, 23.18 Uhr:

Schimmeres als Militärintervention

von Thomas von der Osten-Sacken

Die Lage in Syrien, sie ist nicht nur zum Verzweifeln, eine Tragödie, die hätte verhindert werden können, wie man an dieser Stelle seit nunmehr zwei Jahren nicht müde wird zu schreiben, was seitdem geschah war so vorhersehbar wie voraussagbar. Und es ist eingetreten: Ein verwüstetes Land, 80 000 Tote, Millionen Flüchtlinge und eine so genannte “internationale Gemeinschaft", die ganz auf Multilateralismus macht, d. h. nichts tut, außer irgendwelchen obskuren Verbänden ein ein paar Waffen zukommen zu lassen und ansonsten ab und zu mal einen UN-Heini in ein vollkommen unterversorgtes Flüchtlingslager zu schicken und sich da mit ein paar Kindern ablichten zu lassen.

Ansonsten ist man für diplomatische Lösungen, als seien die mit einem Regime, wie dem Assads zu haben, klagt über Eskalation und tut weiter nichts.  Als vor mehr als einem Jahr die Bewohner der inzwischen berühmten, leider aber auch seit einigen Wochen zur Hälfte von Islamisten kontrollierten, Kleinstadt Kafranbel sich einen George W, Bush wünschten und eine Intervention in ihrem Land, da wussten sie genau, was sie forderten.

Syrien, das ist momentan der empirische Beweis, dass es weit schlimmeres geben kann, als jene als Krieg verschieenen Interventionen, gegen die man in Deutschland vor zehn Jahren, als es gegen Saddam ging, so ganz kollektiv vom Anarchisten über den Großphilosophen bis zum Kanzler auf die Straße ging.

Jetzt ist zumindest selbst bei der Tagesschau angekommen, warum Islamisten inzwischen in Syrien so erstarken, nicht weil die Syrer so besonders islamistisch sind, sondern weil ihnen ansonsten niemand hilft:

Wer sie in dieser Stadt noch verteidigt, wollen wir wissen. Nusra, sagt sie, die kämpfen für uns und für den Islam, die opfern sich für uns auf. Überall hört man jetzt den Namen der radikalen Islamistenmiliz, der Nusra-Front. Ihr Erfolg ist das greifbarste Ergebnis westlicher Passivität im syrischen Bürgerkrieg. Weder Europa noch die USA haben den notleidenden Zivilisten im Kriegsgebiet bislang humanitäre Hilfe gewährt. Das leisten nun die Kämpfer der radikalen Milizen, die Geld aus Saudi-Arabien bekommen und damit die verarmte und  ausgebombte Bevölkerung unterstützen.

“Nusra, das sind die Einzigen, auf die wir uns noch verlassen können", sagt ein junger Mann. Amerika, Russland, Großbritannien, Frankreich - alle hätten die Syrer im Stich gelassen, nur nicht die Nusra. “Glaub mir, ich bin kein Fanatiker, kein Terrorist, kein Islamist. Aber wer verteidigt uns noch, wenn nicht die Leute von Nusra?”

7. April 2013, 18.17 Uhr:

"Der arabische Frühling begann im Irak"

von Thomas von der Osten-Sacken

Kanan Makiya, Autor des Buches “Republic of Fear” und der wohl bekannteste irakische Intellektuelle, zieht Bilanz, zehn Jahre nach dem Sturz  Saddam Hussein. Eine traurige Bilanz, die trotzdem umso lesenswerter ist, weil sie viele sehr richtige Beobachtungen auch über den so genannten arabischen Frühling enthält: The Arab Spring Started in Iraq

7. April 2013, 14.50 Uhr:

Anhaltende Kritik an Einladung des iranischen Botschafters

von Thomas von der Osten-Sacken

Gastbeitrag von Stephan Grigat

Der geplante Auftritt des Botschafters des iranischen Regimes in Deutschland, Ali Reza Sheik Attar, und von Kazem Sadjadpour vom iranischen Außenministeriums bei der Evangelischen Akademie Loccum stößt weiterhin auf vehemente Kritik: Die Deutsch-Israelische Gesellschaft Hannover kritisiert in einer Presseerklärung, dass Attar „sich einem politisch interessierten Publikum und Multiplikatoren der politischen Bildung in Deutschland als diskursfähiger Intellektueller präsentieren darf“ und die Gelegenheit bekommt, „Desinformation über die wahren Intentionen seines Landes, seine unheilvolle Rolle bei der Finanzierung von Terror im Libanon und in Gaza und über die interne Unterdrückungspraxis im Iran“ zu betreiben. International hat Michael Rubin vom American Enterprise Institute die Kritik an der Hofierung der Teheraner Machthaber aufgegriffen. Die Auslandsorganisation der Arbeiterkommunistischen Partei Iran in Deutschland hat in ihrer Erklärung „Keine Einladung für den Mörder-Botschafter der islamischen Republik in Loccum!” zu Attar ausgeführt: „In den Anfangsjahren nach der Machtübernahme der islamischen Republik, von 1980 bis 1985, hatte Scheikh Attar Gouverneursposten in West-Azarbayjan und Kurdistan inne. In diesen Jahren war er an zahlreichen Massakern an der Bevölkerung beteiligt. Er war Generalbevollmächtigter von Khomeini. Scheikh Attar war Militär-Kommandant im Nordwesten Irans. Auf seinen Befehl … sind in den 80er-Jahren zahlreiche Massenmorde und Verbrechen an der Bevölkerung verübt worden. Er hat die Todesurteile von oppositionellen Linken und Sozialisten unterschrieben und zur Vollstreckung an die ‚Wächter der Revolution’ weiter gegeben.”

Das Bündnis STOP THE BOMB hat in einer Presseerklärung gefordert, dass sich die Akademie ein Beispiel an der Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen und der Stiftung Schloss Neuhardenberg nimmt, die in den letzten Jahren bereits angekündigte Veranstaltungen mit dem iranischen Botschafter nach Protesten abgesagt haben: „Wir erwarten insbesondere von den Vertretern von CDU und SPD im Konvent der Akademie, darunter der Vorsitzende der niedersächsischen Unionsfraktion Björn Thümler und der SPD-Bürgermeisterkandidat für Hannover Stefan Schostok, sich gegen den Auftritt von Attar und Sadjadpour auszusprechen.“ Für die Tagung liegt ein Förderantrag beim Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung vor, der noch nicht bewilligt wurde. STOP THE BOMB-Sprecher Michael Spaney forderte Dirk Niebels Ministerium auf, die Veranstaltung nicht zu fördern, sollte die Akademie am Auftritt von Attar und Sadjadpour festhalten.

Björn Thümler, Fraktionsvorsitzender der CDU im niedersächsischen Landtag, scheint die ganze Angelegenheit zumindest unangenehm zu sein. Auf Nachfrage ließ er seinen Pressesprecher erklären, er sei als Neuling im Konvent der Akademie „weder mit der Planung noch der Organisation der Veranstaltung befasst gewesen“, habe aber „die mögliche Einbeziehung eines Vertreters der iranischen Opposition bei der Akademie angeregt”. Das hat die Verantwortlichen offensichtlich nicht weiter beeindruckt: Die Konferenz zur „Stärkung der iranischen Zivilgesellschaft“ soll weiterhin unter Ausschluss der iranischen Opposition stattfinden. Stattdessen sind notorische Regime-Verharmloser wie Michael Lüders eingeladen. Hiwa Bahrami von der Demokratischen Partei Kurdistan Iran (DPKI) schreibt dazu in einem Offenen Brief an die Verantwortlichen: „Der angeblichen Absicht Ihrer Tagung, die iranische Zivilgesellschaft zu stärken, könnten wir als iranische Opposition erst dann Glauben schenken, wenn Sie die geeigneten Personen als Referent einladen würden: jene, die selbst von dem islamischen Regime unterdrückt worden sind; und nicht die Täter, die für das gesamte Elend und die unvorstellbaren Grausamkeiten in Iran verantwortlich sind!“ Dieser Brief ging ebenso wie eine Stellungnahme der deutsch-iranischen Publizistin Saba Farzan auch an Klaus Holz, den Generalsekretär der Evangelischen Akademien in Deutschland, der sich vor seiner Karriere als christlicher Funktionär in dieser Zeitung Gedanken über einen „israelischen Staatsterrorismus“ gemacht hat, der die „Existenz der palästinensischen Bevölkerung“ bedrohe, um sich drei Jahre später als Autor in Broschüren des Verfassungsschutzes hervorzutun.

Bei den Organisatoren der Konferenz stößt die Kritik bisher auf taube Ohren. Auf die Frage, inwiefern die Einladung Attars und Sadjadpours „der Verkündigung der Kirche in der Konfrontation moderner Weltprobleme mit dem Evangelium“ diene und „zur verantwortlichen Planung zukünftiger Entwicklungen“ beitrage, was nach Eigendarstellung die Aufgaben der Akademie sind, gaben die evangelischen Funktionäre und die verantwortlichen Parteivertreter keine Antwort. Arno Brandt, der für das Institut für Regionalwirtschaft im Konvent der Akademie sitzt, findet es „absolut richtig“ den Botschafter des iranischen Regimes einzuladen. Seine auf Anfrage übermittelte Stellungnahme, dass Menschen, „solange sie miteinander reden, nicht aufeinander schießen“ blamiert sich nicht nur angesichts der gesamten Weltgeschichte, sondern wirkt hinsichtlich des iranischen Regimes besonders naiv: Nicht nur einmal, wie beispielsweise bei der Ermordung des DPKI-Vorsitzenden Abdul Rahman Ghassemlou und zwei seiner Begleiter 1989 in Wien, hat das iranische Regime seine Gegner zum Reden eingeladen – gerade um auf sie zu schießen.

Worum es bei der Auseinandersetzung mit dem iranischen Regime geht, mit dessen obersten Repräsentanten in Deutschland die Evangelische Akademie Loccum so gerne ein Pläuschchen halten möchte, und dessen Außenminister seinen letzten Europa-Besuch zu Drohungen gegen Regimekritiker genutzt hat, was in Wien nun ein parlamentarisches Nachspiel haben wird, hat unlängst Friedensnobelpreisträger Eli Wiesel nochmals zusammengefasst. In der Jüdischen Allgemeinen schrieb der Erstunterzeichner der STOP THE BOMB-Petition gegen Geschäfte mit der Diktatur der Ajatollahs am Tag der Erinnerung an die Shoah: „Wir Juden haben schmerzlich erfahren: Wenn jemand unsere Ermordung ankündigt, sollten wir seine Worte ernst nehmen. Nie wieder werden wir unser Schicksal in fremde Hände legen. Doch genauso steht auch fest: Nie wieder darf die internationale Gemeinschaft tatenlos zuschauen, wenn ein Staat einen Genozid plant. Und der Iran plant einen solchen. An diesem Jom HaShoa müssen wir deutlich machen: Das Mullah-Regime will Israel vernichten.“

7. April 2013, 00.40 Uhr:

Revival in Lybien

von Thomas von der Osten-Sacken

Erst dank ihrer Hilfe gelang am Ende der Sturz Gaddafis,  jahrzentelang unterdrückt und als Bürger zweiter Klasse behandelt (wenn der Begriff Bürger im Lybien des Colonels irgend eine Bedeutung hatte), melden sich die Amazigh aus dem Westen des Landes zu Wort und fordern ihre Rechte. Assem Mejaddam schreibt voller Optimismus über das Amazigh revival:

Today, two years after the Revolution began, the Amazigh culture is in my heart, it runs through my veins, I feel it and I love it. I spent a great deal of time in Jado, my hometown, this winter. It’s an Amazigh city in western Libya’s Nafusa Mountain. The city itself is ruggedly beautiful. It is an ancient land that once experienced will draw the person back there again and again. It is also one of the few places on Earth where I feel like I completely belong.

As I mentioned earlier, the Amazigh revival movements in Libya began several years ago and is now starting to bear the fruits of its labour. Our role in ending the Gaddafi regime is partly to thank for this. We’ve seen drastic change and progress in Libya. Life is moving forward and in terms of rights, we used to be light years behind our Moroccan and Algerian counterparts, but we’re quickly closing that gap, and before long we’ll be ahead of them. We’re teaching our language in school, speaking it freely and openly without fear of oppression. We hold cultural and music festivals. Our signposts are bi- or trilingual with Tifinagh included everywhere. Not long ago, Tamazight became an official language within Nalut city. Libya is truly looking to be at the forefront of change.

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