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Kürzliche Beiträge
22. August 2012, 16.52 Uhr:

Religiös zwingende und tausend Jahre alte Gebote

von Thomas von der Osten-Sacken

Religiös zwingende Gebote gibt es viele. Das Heiratsalter von Mädchen ist eines davon, schließlich soll der aufrechte Muslim dem Propheten nacheifern und der heiratete Aisha bekanntlich, als diese im zarten Alter von neun Jahren war. Ein Brauch, der immerhin auch schon 1500 Jahre alt ist. Und wir haben ja gelernt, dass Traditionen, die religiös legitimiert und auf ein hehres Alter zurückblicken, in hohem Maße respektabel sind. Konsequent also nur, wenn der Iran jetzt auch diesem Gebot folgt, nachdem kürzlich erst bekannt wurde, dass Frauen fortan aus den Studiengängen ausgeschlossen werden:

Wie im Mai bereits der Großmufti von Saudi-Arabien erklärte, sollen laut islamischen Recht Kinderehen nach dem Vorbild Mohammeds möglich sein und bleiben. Mohammed war 52, während er die Ehe mit der neunjährigen Aisha vollzog. Da Mohammeds Lebensweise oft als vorbildich und nachahmenswert für alle Muslime gepriesen wird, sind derlei problematische Traditionen, die sich auf sein Leben stützen bisher nur schwer zu bekämpfen.

Nun will auch Iran nachziehen und die Ehe für Mädchen unter 10 Jahren legalisieren. Der iranische Parlamentarier Mohammad Ali Isfenani nennt das Alter für das Erreichen der Pubertät für Mädchen mit neun Jahren, davon abzuweichen wäre eine Schwächung der Scharia-Gesetzgebung. Vor der islamischen Revolution waren Ehen unter 16 Jahren nicht möglich. Die Mullahs sind seit ihrer Machtergreifung bemüht jegliches Gesetz an die Scharia anzugleichen und die Gesellschaft islamkonform zu gestalten.


21. August 2012, 03.55 Uhr:

Und täglich grüßt das Murmeltier

von Oliver M. Piecha

Das Houla-Massaker? Schon wieder Rainer Hermann? FAZ? Punktgenau.

Ist es ein Fluch, ist er getrieben? Von was, von Scham, Sendungsbewußtsein, überlegenem hellseherischen Faktenwissen? Vermutlich bloß öde Rechthaberei. Er kann einfach nicht mehr zurück.  Folgen sie also R. Hermann, der offensichtlich immer noch nicht selbst vor Ort war,  über die etwas verwirrende Landkarte von Houla, verzwickte taktische Bewegungen und vage Satellitenbilder.

Oder lassen sie es bleiben. Verständlich, dass Hermann den UN-Bericht nicht mochte. Also muß er ihn korrigieren. Unbezweifelbar scheint, dass Herr Hermann im Folgenden auch noch eine Monographie über das Massaker von Houla schreiben wird (mutmaßlicher Arbeitstitel: “Die Warheit über eine Lüge"); wir empfehlen schon jetzt die Rezensionen von Herrn Elsässer, der Jungen Welt, weiten Teilen des deutschen Feuilletons und sowieso den bahamesischen Adorniten.

Zwar ist Ahmadinejad kein Kleriker, dennoch hielt er anlässlich des Al-Quds-Tages auf der Freitagsgebetsveranstaltung eine Rede.

Der iranische Präsident Ahmadinejad sagte: “Der Al-Quds-Tag umfasst alle Dimensionen der menschlichen Existenz, der Erkenntnis Gottes und aller sozialer Verantwortung.” Er fuhr fort: “Heute ist für alle ersichtlich, dass der Zionismus ein Kontrapunkt der menschlichen Vollkommenheit und der Gesellschaft ist.” Der Zionismus sei die “Hauptursache des Verfalls der Völker.” Ahmadinejad sagte über die Zionisten: “Eine verdorbene, verführerische, inhumane, sich gegen die göttlichen Werte richtende Gruppe hat sich organisiert.“

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16. August 2012, 17.30 Uhr:

Die iranische Führung droht Israel mit Vernichtung

von Wahied Wahdat-Hagh

Der antisemitische Aufmarsch zum Al Quds-Tag soll angeblich in über 70 Staaten dieser Welt stattfinden. Dort sind Islamisten khomeinistischer Provenienz am Werk. Ayatollah Khomeini hatte diesen antiisraelischen Tag am 8. August 1979 ins Leben gerufen und zur Vernichtung Israels aufgerufen. Seitdem demonstrieren khomeinistische Islamisten am letzten Freitag des islamischen Fastenmonats gegen den Staat Israel.

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16. August 2012, 06.33 Uhr:

Mahers Beine oder das Schicksal des Nahen Ostens

von Oliver M. Piecha

Ein praktischer Versuch in nahöstlicher Verschwörungstheorie. Es ist wirklich nur eine Versuchsanordnung. Das Fazit steht unten.

Der Ausgangspunkt ist, dass die Beine von Maher al-Assad, dem Bruder des Präsidenten von Syrien, das Schicksal des Nahen Ostens bestimmen könnten. Falls jedoch Maher al-Assad morgen, oder übermorgen seine Beine frei wedelnd im syrischen Staatsfernsehen präsentieren sollte, bitte vergessen Sie folgenden offensichtlich desorientierten Beitrag.

Wer ist Maher al-Assad? Der jüngere Bruder des syrischen Präsidenten und Chef der Eliteeinheiten des Regimes. Erinnert Sie das an was? Ja, genau Libyen. Es gab auch da den jüngeren Sohn Gaddafis, der der militärische Chef der Eliteeinheiten… genau, als der endlich tot war, war sowieso  Schluss.

Die Versuchsanordnung:

1. Ein Bombenanschlag hat definitiv stattgefunden und ihm ist mindestens die Hälfte des engeren syrischen Krisenbewältigungsausschusses zum Opfer gefallen, darunter auch der Schwager des Präsidenten. Er galt als Kopf der gesammelten Sicherheitsdienste. Politische Beobachter gingen davon aus, dass er der härteste Verlust für das Regime war, die anderen getöteten Generäle zählten zwar zum engsten Kreis, aber nicht persönlich zur Herrscherfamilie, die in ihrem Umfang deutlich begrenzt ist. Das ist ein wichtiger Punkt.

2. Über Maher al-Assad, das andere militante Standbein der Familie – er kommandiert die Elitedivision der Armee – gibt es seither kein Wort, keinen Auftritt, nichts. Das alleine heißt gar nichts.

3. Der groß angekündigte Angriff der versammelten Armee in Aleppo versandet offensichtlich. Die Mutter aller Schlachten ist angekündigt worden, es wird bombardiert ohne Ende, allein die Armee bleibt in Bezug ihrer Bodenbewegungen seltsam passiv,  soweit das einschätzbar ist. Die Free Syrian Army (FSA) sitzt nach wie vor in großen Teilen von Aleppo. Dasselbe gilt mehr oder minder für alle bisher umkämpften Städte.

4. Im Libanon wird ein altgedienter Gefolgsmann der Assads – ein ehemaliger Minister – unter dem Vorwurf verhaftet, er habe Anschläge geplant, um den Libanon zu destabilisieren. Diese Verhaftung und die prompt folgende offizielle Anklage wirft alle bisher gültigen politischen Koordinaten im Libanon um. Die Hisbollah, Verbündeter Assads und Garant der libanesischen Regierungskoalition reagiert nicht auf die Verhaftung und Anklage. Die offizielle Anklage betrifft im Übrigen auch den neuen zentralen Geheimdienstchef Assads. Im Libanon herrscht völlige innenpolitische Verwirrung über diesen bis dato unerhörten Vorgang. Verliert Syrien nun die Kontrolle über den Libanon – der zudem gleichzeitig von den alten Verbündeten der Assads reagiert wird?

5. Über die Türkei und die Golfaraber erhält die FSA nun auch offiziell massive Unterstützung, sogar die Amerikaner bekennen sich zu „ziviler Hilfe“. Berichte werden lanciert, dass der „Westen“ nun in anderer Form an die FSA herantreten müsse, um den Einfluss der Fundamentalisten einzudämmen.

6. Führungsgruppen der FSA unterschreiben einen Verhaltenskodex, der festhält, daß sie sich an die Genfer Konventionen halten werden. Berichte über Treffen zwischen der FSA und Amerikanern (Clinton).

7. Der Premierminister von Syrien, keine politisch ganz große Nummer, aber symbolisch wichtig, läuft über. Interessanterweise sagt er nichts - obwohl er das, falls es stimmt, wissen müsste – über Mahers Beine. Will er nichts dazu sagen? Soll er nicht? Könnte es Gründe dafür geben, das Regime nicht vorschnell zu destabilisieren?

8. Wenn etwas über Mahers Beine offiziell werden sollte, könnte das Regime kollabieren, es mag als steile These erscheinen, zumal noch gar nicht gesagt worden ist, was überhaupt mit Mahers Beinen los sein könnte: Nein, es geht nicht um  Kinderlähmung. Maher ist jedenfalls das militärische Gebiss des Regimes, sein Bruder mit dem Giraffenhals, der Präsident, ist das nicht. Der mag intelligenter sein, aber darum geht es gerade nicht und zu erinnern ist: der Geheimdienstmann des Regimes, der Schwager ist bereits tot. Seine als Machtfigur bezeichnete Frau, die Schwester des Präsidenten, mag das intern sein, aber als Frau kann sie die entsprechende Rolle in Syrien nicht nach außen einnehmen. Und die Zahl der Assads ist wiegesagt begrenzt.

9. Jetzt kommt die Sache mit den Beinen von Maher: Der russische Vizeaussenminister Mikhail Bogdanov soll einer saudischen Zeitung gegenüber erwähnt haben, dass Assad einen „zivilisierten“ Abgang suche, und sein Bruder Maher beide Beine beim dem Anschlag auf den Kern des Sicherheitskabinetts verloren habe. Sofort werden Zweifel laut, wieso sollte das ein Russe ausgerechnet den Saudis erzählen? Sehr Plausibel. Die Russen dementieren, das ein Gespräch überhaupt stattgefunden haben soll. Nahöstlicher Medienkrieg eben. Ein Hoax.

10. Die Saudische Zeitung beharrt auf ihrer Darstellung, veröffentlicht einen Tonbandmitschnitt, was aber wirklich interessant ist: Der Guardian ruft den betreffenden saudischen Journalisten an und erhält eine ziemlich plausibel klingende Antwort, wie und warum dieses Gespräch stattgefunden hat. Hat sich Bogdanov womöglich verquatscht, war es Absicht? Die Legende, wen es eine solche ist, klingt jedenfalls gut. Nehmen wir also mal an, Maher habe seine Beine bei dem Anschlag verloren. Bogdanov soll wörtlich so etwas gesagt haben wie: Der ist weg vom Fenster.

11. Die  Oberberaterin von Assad fliegt nach Peking, die Chinesen sagen gleichzeitig, sie wollten auch wieder mit der Opposition reden. Dem Westen gibt man die Schuld am Scheitern von allem bisher, ja gut.

12. Beim Sondertreffen der Organisation für Islamische Zusammenarbeit in Mekka wird Ahmedinejad, mit dem im Iran niemand mehr reden will, brachial prominent neben dem Saudischen König für ein nettes Foto platziert. Das ist genauso überraschend wie die Verhaftung des libanesischen Exministers. Das hätte noch vor einer Woche niemand für wirklich möglich gehalten.

Das Wunder könnten die „Beine von Maher“ sein.

Ohne den engsten Kreis seiner Familie ist Assad, sagen wir so, eher weniger als mehr. Das Assad-Business war immer ein kooperatives Business. Man muß ihn sich nur ansehen, Baschar ist kein Saddam. Was auch gar nicht gegen ihn spricht. Geht es gerade darum, leicht verzweifelt vermutlich,  zwischen Geschäftspartner, die sehr viel investiert haben, einen Modus auszuhandeln, bei dem er „zivilisiert“ abtreten kann?

Wenn Maher nicht bald fröhlich durch einen syrischen Fernsehschirm hüpft, spricht einiges dafür. Eine überaschende Exit-Strategie? Und Asma winkt versöhnlich zum Abschied.

Allerdings könnte womöglich die leiseste reale Andeutung, dass Baschar familienmäßíg nun alleine dasteht, bereits zum Zusammenbruch führen.

Daran haben natürlich weder Rußland noch der Iran ein Interesse, der Rest aber auch nicht nicht: Weder Europa, die Golfstaaten noch gar Obama. Die Regierung Netanjahu probt allerdings gerade schon den Ernstfall, das ist noch eine ganz andere Frage. Womöglich will der keinen Deal, so wie er gerade im Entstehn begriffen sein könnte. Wenn er denn entsteht.

1001 Nacht. Mahers Beine…. wo mögen sie bloß sein? Wenn wir es nur wüßten.

16. August 2012, 01.49 Uhr:

Neuestes vom vorvorletzten Massaker oder Mephistopheles rules

von Oliver M. Piecha

Der Massenmord im Gebiet des syrischen Houla hat vor ein paar Wochen Schlagzeilen gemacht; es war weder das erste Massaker des syrischen Bürgerkrieges, noch das letzte, und was die nähere Zukunft bringen mag, ist sowieso eine offene Frage. Eine Prominenz erlangte das Morden von Houla allein dadurch, dass hier die Mordtaten des syrischen Regimes zu einem gewissen Zeitpunkt - die Abkehr der internationalen Berichterstattung vom Bild der tendenziell überlebensfähigen “reformfreudigen” Assad-Diktatur - öffentlich breitgetreten wurden.

Von den satisfaktionsfähigen Medien hat sich alleine die Berichterstattung der FAZ in Form ihres Nahostkorrespondeten Rainer Hermann dem explizit verweigert und eine andere Lesart des Massakers analog der syrischen Regimepropaganda vorgeschlagen: Täter waren demgemäß die syrischen Aufständischen selbst.

Dieser Lesart haben sich in Deutschland wie international Verschwörungstheoretiker,  Freunde des Assad-Regimes, die WELT (zögerlich, trotzdem), Antiimperialisten, patentierte Adornadepten und sowieso alle Freunde bösartiger nahöstlicher Verhältnisse angeschlossen.

Die Toten von Houla macht nichts wieder lebend; es geht auch nicht um Rechthaberei, wer tötet wen im Krieg, es ist immer ein Grauen. Und der Krieg in Syrien ist unübersichtlich. Das ist keine Frage.

Nur: Wo beginnt die bewußte Lüge, wo die selbstgeglaubte Propaganda, wo bloß journalistischer Dilettantismus?

Wo beginnt es, dass ich auf Gräbern herumtrampele, für die ich nicht einmal verantwortlich bin, die ich aber lauthals gutheisse? Wieso eigentlich? Sie alle wollten und wollen Assad als Diktator leben lassen. Die Gründe dafür mögen differieren. Und?

Ein UN-Bericht stellt folgendes fest: via Guardian:

The UN has issued a damning 102-page report saying that Syrian government forces and Shabiha fighters have carried out numerous war crimes in the country including murder and torture.

They are also blamed for the notorious massacre of 100 civilians, almost half of them children, near the town of Houla in May.

The UN’s independent international commission of inquiry says the violations were the result of “state policy“. It claims President Bashar al-Assad’s “security forces and government” at the highest levels were involved in “gross violation of international human rights". […]

The UN’s report, covering February-July 2012, is based on nearly 700 interviews with witnesses and survivors, as well as photographs, satellite imagery and forensic and medical reports. The UN complained that its attempts to establish the truth about the conflict had been significantly hampered by what it called a lack of access to the country.

After reviewing all the evidence, UN commissioners came to the same conclusion about the Houla massacre as most independent observers: that regime forces and Shabiha fighters were responsible. The government, which blamed armed “terrorists", refused to allow the UN to investigate “despite specific requests", the report says.

Ein Rainer Hermann, die letzten Antiimperialisten, und unsere karibischen Adornoadepten sollten eine passende (sehr dialektische!) Antwort finden.

Hinweis für Sympathisanten, auch das steht im UN-Bericht:

The commission, led by investigator Paulo Pinheiro, reports that Syria’s rebels are guilty of violations including murder, torture and extra-judicial killings. Abuses by anti-government groups are not “of the same gravity, frequency and scale” as those committed by Syrian regime forces and allied Shabiha soldiers, it says.

Schlechter ist auch nicht gut, wohlwahr. Überhaupt Deutschland und der “Arabische Frühling", was nerven diese Araber, können sie nicht einfach israelische Fahnen verbrennen, und dann wüßte man eh… überhaupt dieser tolle “säkulare” syrische Präsident… das bißchen Folter… ja, es ist schon bitter, dass der Baathist Assad wird abtreten müssen. Sie leiden mit, die Landsleute, von rechts und links, von oben und unten. Ach, und das bißchen Morden von diesem Assad, das wird doch nachher noch viel schlimmer werden.

„Ich bin der Geist der stets verneint! / Und das mit Recht; denn alles was entsteht / Ist werth daß es zu Grunde geht; / Drum besser wär’s daß nichts entstünde. / So ist denn alles was ihr Sünde, / Zerstörung, kurz das Böse nennt, / Mein eigentliches Element.“

Ja, das ist die Quintessenz.

 

 


15. August 2012, 19.48 Uhr:

Geht's abwärts mit der Hizbollah?

von Thomas von der Osten-Sacken

Lee Smith über die Krise der Hizbollah:

Time is running out for Hezbollah. With its Syrian ally fighting with its back against the wall, the Party of God will eventually pay a price as costly as Assad. “I saw the birth of Hezbollah,” anti-Hezbollah Shiite political activist Lokman Slim told me in the spring. “I will see its end as well.”

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