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Kürzliche Beiträge
11. Oktober 2014, 00.42 Uhr:

Worst Case Szenario

von Thomas von der Osten-Sacken

In einem Interview mit CBS erklärte der saudische Prinz Bandar im Jahre 2004, dass Al Qaida die islamische Welt solange nicht kontrollieren könnte, wie es nicht Saudi Arabien kontrolliere. Als Grund nannte er das Öl und die heiligen Stätten des Islam.

Und in der Tat war es immer eines der zentralen Ziele der Organisation, so realitätsfremd dies früher auch klingen mochte, den größten Golfstaat unter ihre Kontrolle zu bringen. Denn wer die saudischen Ölquellen kontrolliert, hat Mittel in der Hand, die Weltwirtschaft ganz nachhaltig zu beeinflussen bzw. zum de facto Zusammenbruch zu bringen.

Wie, das kann man in unzähligen amerikanischen Thrillern aus den 90er Jahren nachlesen, die entsprechende Szenarien entwickeln.

Der Islamische Staat dürfte ein ähnliches Ziel verfolgen und anders als Al Qaida könnte er damit sogar Erfolg haben. Im Irak kontrolliert er de facto schon das Grenzgebiet zu Saudi Arabien. Was geschähe, griffe er das Königreich an, man möchte es sich eigentlich nicht ausmalen. Im August jedenfalls forderten die Saudis zum Schutz ihrer Grenze pakistanische und ägyptische Soldaten an – weil sie ihrer eigenen Armee nicht vertrauen. Zwischen der Ideologie des herrschenden Wahabismus und der des IS gibt es mehr Ähnlichkeiten als Unterschiede, ob saudische Truppen auf dem Boden bereit wären gegen ihre jihadistischen Kollegen zu kämpfen, ist hochgradig zweifelhaft.

Nun ist auch im Süden des Golfstaates der Jemen de facto kollabiert, vom Iran unterstützte Houthis haben in San’a die Macht übernommen. Damit hat ein Alptraum der saudischen Regierung sich materialisiert. Und die USA schauten einmal mehr zu ohne irgendetwas zu unternehmen.

Die wohl stärkste Gruppierung der alten Al Qaida dagegen sitzt im Süden des des Jemen, AQAP (Al Qaida in the Persian Golf). Noch streitet man sich in der Truppe, ob man seine Eigenständigkeit bewahren soll oder sich besser dem so erfolgreicheren Islamischen Staat anschießen solle, der momentan schlicht die wesentliche größere Ausstrahlungskraft auf junge Jihadisten hat.

Sollte man sich zu  letzterem entscheiden, säße der IS komfortabel an der Nord- und Südgrenze des Königreiches, könnte in aller Ruhe einen Angriff planen, während seine Führer dieser Tage in Kobani und der irakischen Anbar Provinz studieren können, wie erfolglos die anti-IS Koalition mit ein paar Luftangriffen und schlecht ausgerüsteten und trainierten lokalen Bodentruppen, versucht seinen Vormarsch zu stoppen.

Nicht weitere kurdische Enklaven oder das mehrheitlich von Schiiten bewohnte Bagdad stellten also  lohnende neue Ziele dar, sondern viel mehr ein Angriff auf Saudi Arabien. Sollte der gelingen, man wäre dem Ziel, den Westen zu zerstören und ein zusammenhängendes Staatsgebiet zwischen Südostasien und Nordafrika zu kontrollieren, ein gutes Stück näher gekommen.

Fünfjahresplan des IS: Gebiete, die man bis 2020 zu kontrollieren plant

Lange gehörte in Washington die Vorstellung, irgendwelche radikalen Gruppierungen könnten in Saudi Arabien die Macht  - oder zumindest die Kontrolle über die Ölquellen übernehmen - , zum absoluten Worst Case Szenario und als zwingender Kriegsgrund.

Aber diese Tage scheinen vorbei und sollten die IS-Jihadisten die Grenze überschreiten, so steht zu befürchten, wird man sich im Weißen Haus und Pentagon so überrascht zeigen, wie nach der Einnahme von Mosul.

Und fiele Saudi Arabien als Hauptlieferant von Öl der Weltmärkte weg , der Iran wird diese Rolle gerne übernehmen. Zu seinen Konditionen. Und wer würde angesichts crashender Börsen, rasant explodierender Ölpreise und eines drohenden globalen ökonomischen Kollapses sich denen dann schon widersetzen wollen. (Und schon ein einziger Angriff auf einen saudischen Grenzposten dürfte entsprechende Reaktionen an Weltbörsen und Spotmärkten nach sich ziehen.)

Wie diese Konditionen lauten würden, man braucht es gar nicht zu notieren.

10. Oktober 2014, 19.19 Uhr:

Iran: Assad bleibt

von Thomas von der Osten-Sacken

Deutliche Worte aus Teheran:

Iran will not allow Syrian President Bashar Al-Assad’s regime to fall, the country’s Deputy Foreign Minister, Hossein Amir Abdul Abdollahian, stressed yesterday.

Speaking during a conference entitled Iraq and the international coalition against ISIS, he said: “The US informed Iran, before its attack on ISIS, that it does not have any plans to attack Iran, or the centres of Bashar Al-Assad’s government, and it told the Syrian government the same thing, but we do not trust them in these matters. So we are following the developments closely.”

The official said: “So I say that all incorrect attempts that may be carried out by the United States or any other country, such as imposing a no-fly zone, threatening the national sovereignty of Syria, or moving military units onto Syrian territory will lead to serious consequences.”

10. Oktober 2014, 16.19 Uhr:

Iran-Business-Konferenz in London

von Thomas von der Osten-Sacken

Gastbeitrag von Stephan Grigat

Den Lobbyisten des Handels mit dem iranischen Holocaustleugner-Regime kann es gar nicht schnell genug gehen mit der Aufhebung der Sanktionen gegen die Machthaber in Teheran. Am 15. und 16. Oktober wird im Londoner Mariott Hotel am Grosvenor Square das „1st Europe Iran Forum“ stattfinden. „Preparing post-sanctions investment and trade“ ist das erklärte Ziel der Veranstaltung, an der u.a. der ehemalige britische und der ehemalige französische Außenminister Jack Straw und Hubert Védrine teilnehmen werden. Aus Deutschland  ist mit Michael Tockuss von der Deutsch-Iranischen Handelskammer in Hamburg einer der Cheflobbyisten des Iran-Handels am Start.

Protest gibt es insbesondere gegen die Unterstützung der Konferenz durch das renommierte Institut français des relations internationales, das in einer Stellungnahme absurderweise erklärt, die Beteiligung an der Tagung sei nicht als politische Positionierung zu verstehen. Das Forum wird allerdings direkt vom Büro des freundlichen Gesichts des Terrors unterstützt: Die Veranstalter präsentieren auf ihrer Einladung stolz einen Letter of support vom ehemaligen Präsidenten der iranischen Industrie- und Handelskammer, Mohammad Nahavandian, der heute der Chef des Präsidentenbüros von Hassan Rohani ist.

Am 15. Oktober soll es eine Kundgebung gegen diese Werbeveranstaltung für den Handel mit den Ajatollahs und Pasdaran vor dem Londoner Grosvenor-Square-Hotel geben, die u.a. von dem Bündnis STOP THE BOMB und der Henry Jackson Society unterstützt wird.

10. Oktober 2014, 15.29 Uhr:

5:0

von Thomas von der Osten-Sacken

“ISIS has defeated, at the tactical level, the Syrian and Iraqi armies, Hizbullah, Jabhat al-Nusra and the Peshmerga. They are 5-0 against potential enemies,” Christopher Harmer, an analyst at the Institute for the Study of War, told Rudaw.

“The idea that we can beat these guys by dropping bombs is ridiculous. Somebody has to be the boots on the ground fighting them.” (Quelle)

Derweil heisst es aus der Stadt Kobani:

Islamic State group militants overran the headquarters of Kurdish YPG forces defending the battleground Syrian border Kurdish town of Kobani on Friday, a monitoring group said.

“The jihadists have taken control of the headquarters building,” used by the Kurdish military and civilian authorities, the Syrian Observatory for Human Rights said.

Fierce fighting had raged for the complex throughout the morning after IS militants captured part of it used by the Kurds’ Asayish internal security force on Thursday.

“IS now controls 40 percent of the town,” after entering eastern districts on Monday and attacking from the west and the south, said the Britain-based Observatory, which has a wide network of sources inside Syria.

Und aus der irakischen Provinz Anbar:

Das Vorrücken des IS in Anbar geriet zuletzt wegen der starken Aufmerksamkeit für die Kämpfe um Kobane in Syrien aus dem Blickfeld. Doch die Dschihadisten eroberten die wichtige Provinz in den vergangenen Monaten systematisch: Städte, Dörfer, Polizeistationen. Der Vormarsch begann bereits im Januar mit der Eroberung der Stadt Falludscha. Im Juni konnten die Extremisten weit in die Region vorrücken. Doch die irakischen Truppen konnten mehrere Posten in der Provinz halten. Jetzt scheint es damit vorbei zu sein. Die irakische Armee musste laut “Washington Post” viele Rückschläge hinnehmen. Auch die Luftangriffe der US-geführten Militärallianz konnten den Vormarsch demnach nicht aufhalten.


9. Oktober 2014, 20.18 Uhr:

Grüne fordern Absage von Iran-Reise

von Thomas von der Osten-Sacken

Gastbeitrag von Stephan Grigat

 

Merkwürdige Überschrift, oder? Immerhin ist die überwiegende Mehrzahl der deutschen Grünen in den letzten Jahren immer ganz vorne mit dabei gewesen, wenn es darum ging, das iranische Regime zu hofieren und sich gegen ein konsequentes Vorgehen gegen die Ajatollahs und Pasdaran auszusprechen. In Österreich stellt sich das jedoch anders dar: Schon früh haben dort prominente Grüne wie die ehemalige Parteivorsitzende Madeleine Petrovic oder der Justizsprecher Albert Steinhauser die Forderung nach einer scharfen Sanktionierung des iranischen Regimes unterstützt. Nun fordert die außenpolitische Sprecherin der grünen Nationalratsfraktion, Tanja Windbüchler, die Absage einer schon seit längerem geplanten Iran-Reise des österreichischen Bundespräsidenten Heinz Fischer. Sie verweist dabei explizit auf das erneute Treffen von Holocaust-Leugnern in Teheran und fordert in einer parlamentarischen Anfrage an den österreichischen Außenminister Sebastian Kurz Klarheit darüber, ob die österreichische Botschaft in Teheran über die Konferenz informiert war.

9. Oktober 2014, 00.12 Uhr:

'Wer den IS bekämpft, darf Assad nicht verschonen'

von Thomas von der Osten-Sacken

Aus einem Interview, das Die Zeit mit der syrischen Schriftstellerin Samar Yazbek geführt hat:

Um es auf den Punkt zu bringen: Der IS ist die Ausgeburt der Verbrechen, die das Assad-Regime in Syrien begangen hat, und die Folge des Schweigens, mit dem die ganze Welt diesen Verbrechen zugesehen hat. Die gemäßigten Fraktionen der Rebellen wurden marginalisiert und von Assad bekämpft, wovon der IS profitiert hat.

Eine Zeit lang schlossen sich viele junge Männer den Dschihadisten von der Nusra-Front an, weil die moderateren Rebellen wie die Freie Syrische Armee keine Waffen übrig hatten und wenig bis gar keine Unterstützung von außen erfuhren. Der IS hingegen kontrolliert nun Gebiete, in denen es Ölvorkommen gibt, er raubt, entführt Zivilisten, erpresst Lösegeld. Ich habe mit meinen eigenen Augen einen Stützpunkt des IS gesehen, wo es jede Menge Hummer-SUVs gab, neue Waffen, sehr viel Artillerie. Bis jetzt ist nicht klar, wer den IS genau unterstützt, aber er hat eine Menge Geld. (…)

Das Assad-Regime und der IS sind zwei Seiten ein und derselben Medaille. Der Extremismus des IS speist sich aus den drei Jahren der extremen Gewalt durch das Assad-Regime. Und um den IS loszuwerden, müssen wir auch Assad loswerden, der eine kann nicht ohne den anderen überwunden werden.

Allerdings war das ja genau die Strategie Assads von Anfang an, sich als das geringere Übel darzustellen. Assad hat zwar chemische Waffen eingesetzt, er hat Städte in Schutt und Asche gelegt, er hat Schuld an einer halben Million von Toten, und am Umstand, dass Millionen von Syrern auf der Flucht sind, doch die ganze Zeit hat er uns versichert, dass er nur Dschihadisten bekämpft. Dabei ist es Assad, der den IS erschaffen hat, und die Untätigkeit der Welt, die den IS mit hervorgebracht hat.

7. Oktober 2014, 20.54 Uhr:

Von der Mavi Marmara ins Kalifat

von Thomas von der Osten-Sacken

Burak Bekdil über die Freunde des türkischen Präsidenten, zu denen man ganz sicher auch alle deutschen Unterstützter der Mavi Marmara zählen darf, von denen einige sich nun in Appellen zur Rettung Kobanis förmlich überschlagen:

Erdogan has never hidden that he is ideologically a next of kin to the Muslim Brotherhood and Hamas. Hamas’s overseas command center happens to be based in Turkey. Erdogan has been Hamas’s staunchest (non-Hamas) cheerleader in the last decade, and the Brotherhood’s key regional ally. Press reports say that Turkey has recently welcomed in the Brotherhood’s top brass, who were expelled on Sept. 13 from their five-million-star hotels in Qatar. Ankara has not denied that it is offering a safe haven to the leaders of the Islamist organization. (…)

When, in 2010, a Turkish-led flotilla that included the ship Mavi Marmara sailed towards Gaza to “break Israel’s siege” of the Hamas-controlled land, Erdogan greeted everyone on board as “heroes.” (…)

The Mavi Marmara incident was a wake-up call to Jerusalem, where diplomats had earlier been unrealistically optimistic about building a working relationship with Erdogan despite several other, earlier, warnings, including Erdogan’s famous tirade in Davos against (then) Israeli President Shimon Peres that, “You (Jews) know well how to kill!” The Turkish government has since frozen ambassadorial-level diplomatic relations between Turkey and Israel, and Erdogan has increased his calculated explosive rhetoric against Israel.

Erdogan’s principal argument was that a foreign military had killed Turkish nationals outside of Turkey; that those who were killed were martyrs; and that he would never allow a foreign military to harm one single Turkish citizen. Once again, he was wrong.

One of the lucky survivors of the Mavi Marmara was Yakup Bulent Alniak, an Islamist activist for the Turkish “humanitarian aid group” IHH which organized the Gaza-bound flotilla. IHH is listed by many Western countries as a terrorist organization; but its members, including Alniak, were simply heroes for Erdogan.

Alniak survived the IDF raid in 2010 but lost his life recently, at the end of September, when a U.S.-Arab coalition struck one of the largest ISIS camps in Syria. A coalition of foreign armies had killed a Turkish citizen whom the Turkish leader had declared a hero, but since then Erdogan has remained mute.

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