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Kürzliche Beiträge
15. Juli 2015, 14.49 Uhr:

2910 getötete Palästinenser

von Thomas von der Osten-Sacken

Was passiert, wenn man nicht die Juden für den Tod von Palästinensern verantwortlich machen kann? Nichts.

To be precise, at least 2,910 residents of Syria identifying as Palestinians have been killed since March 2011 through July 12, 2015 – the day a report on the matter was released by the “Action Committee for Palestinians in Syria” on the matter. Most of those deaths have been extremely violent, the report said – with hundreds killed each month in bombings, firefights, torture in prison, starvation, mass executions, and drownings as they try to escape to Europe.

The number - like other casualty figures from the Syrian civil war - only includes those Palestinians whose deaths have been definitively confirmed, and does not include those missing or otherwise unaccounted for - meaning the toll is likely higher still. (…)

The PA has never commented on these atrocities; the only statements it has made on Syria is to call for international negotiators to attempt to bring calm between the warring parties.

There has been no attempt to bring charges against the government of Syria, ISIS, or any of the Syrian rebel groups in the International Criminal Court, as the PA has been doing against Israel. Israeli officials said that it was “unlikely” that this will ever happen.

15. Juli 2015, 11.01 Uhr:

Die IS Strategie des Terror

von Thomas von der Osten-Sacken

Für Lebanon Now interviewt Hanin Ghaddar den Journalisten Christoph Reuter, dessen Buch über den Islamischen Staat  kürzlich auch von Oliver M. Piecha in der Jungle World rezensiert wurde.

In dem Interview fasst Reuter noch einmal die Grundthesen seines Buches zusammen, etwa dass der IS von ehemaligen irakischen Baathisten angeführt wird:

So the overall idea of the book is about this surface of Daesh which we perceive, but when you see how they operate, when you see who is the inner core of leadership, and when you see what relations the old leadership of the Islamic State and Iraq had with Ali Mamluk and Assef Shawkat in Syria — extremely close relations — you see that Daesh becomes kind of three-dimensional. You see that it’s not just a jihadist outlet; it’s a combination of a very cold-blooded, engineered plan — the old Baathists, the old secret service guys, with real jihadists, with believers. But you have a clear hierarchy of who’s making the plans and decisions.

NOW: Who exactly is making the plans and decisions?

Christoph: The Baathists — the old professionals. They also flip alliances.

Reuter ist überzeugt, dass, um den IS bekämpfen zu können, das Assad Regime gestürzt werden müsse:

There is no fast victory in Syria. The core problem is as long as Assad is there you will have no united front against Daesh. Once Assad is gone, everyone will be brought together to fight Daesh.

Über den Unterschied zwischen alter Al-Qaida und Islamischem Staat sagt er:

If you see the statements and actions of Al-Qaeda, they were like the early left-wing terrorists in the 1970s in Europe. They always believed in the masses. ‘We do something and then the masses will rise,’ but the masses never rose. Not for Al-Qaeda, not for the leftists. Daesh does not believe in the masses rising; Daesh believes in control: ‘oppress the masses and they will obey.’

15. Juli 2015, 01.35 Uhr:

'Jerusalem tobt'?

von Thomas von der Osten-Sacken

Gastbeitrag von Detlef zum Winkel

Das Atomabkommen mit dem Iran ist kaum unterzeichnet, geschweige denn in Gänze gelesen, geprüft und analysiert, da haben die Alphamedien schon ihr Thema gefunden. Sie schlagen auf Israel ein, weil dessen Regierung nicht in die allgemeinen Lobeshymnen über das Vertragswerk einstimmt. Auf Argumente kommt es dabei nicht an, nur auf Kräfteverhältnisse. „Israel kann wenig gegen den Deal ausrichten“, meint bzw. hofft „Zeit-online“. Israel sei „auf ganzer Linie gescheitert“, behauptet „FAZ.net“. Netanyahu stehe vor einem „politischen Scherbenhaufen“. Er habe bei seinem Auftritt vor dem US-Kongress im März die Demokraten beleidigt, das habe er nun davon.

Die „Frankfurter Rundschau“ verschärft den Tonfall: „Die Niederlage des Spalters“, schreibt die Nahost-Korrespondentin Inge Günther. „Wenn es einen Verlierer gibt bei dem Atomdeal mit Iran, dann ist es Benjamin Netanjahu.“ Nicht dass sie das bedauern würde! Denn Netanyahu habe alles daran gesetzt, eine Einigung zu „sabotieren“. Dass die Rundschau pro-iranische Lobbyarbeit betreibt, verrät sie dadurch, dass sie auf ihrer Webseite einen link zum ZDF-Interview mit Ahmadinedschad neben Günthers Artikel setzt. Das berüchtigte Interview, bei dem Claus Kleber die Beine übereinanderschlug, wenn er nicht mehr weiter wusste (was zur Folge hatte, dass JournalistInnen bei nachfolgenden Interviews mit dem Ex-Präsidenten angewiesen wurden, dies zu unterlassen – eine Anweisung, der sie prompt gehorchten) ist drei Jahre alt und trägt zur Sache absolut nichts bei. Der link geht (am Abend des 14.7.) übrigens ins Nirwana – selbst dafür sind sie zu doof.

Wir lernen: das Abkommen hat „nur Sieger“, wie es sich für ein gutes Abkommen gehört (Rohani), daneben aber doch einen „Verlierer“, auf dem man kräftig herumtrampeln muss. Mit Trampeln begnügt sich „Spiegel online“ nicht. Die treten: „Jerusalem tobt“, tadelt Severin Weiland, der Strenge. Stimmt das überhaupt? Rasten die Israelis jetzt aus?

Im Unterschied zu „Zeit“, „FAZ“, „FR“ oder „Spiegel“ wird man beispielsweise von der israelischen Zeitung „Haaretz“ ziemlich umfassend und konkret darüber informiert, was in dem Abkommen eigentlich drinsteht. Dabei ist es keineswegs so, dass man bei „Haaretz“ nur die kritischen Passagen des Deals zu lesen bekäme. Wichtige Details, die positiv zu werten sind, werden seltsamerweise nur von einer israelischen Zeitung erwähnt. Wem das nicht reicht, der bekommt einen link zum kompletten Text des Joint Comprehensive Plan of Action, Vienna, 14 July 2015, 159 Seiten.

Dieser Quellenverweis findet sich auf keiner Webseite der Deutschmedien. Nach diesem ersten Tag zu urteilen, gibt es in Israel eine überwiegend rationale Diskussion über das pro und contra des Vertrags, bei der die Skepsis überwiegt. Auch in Frankreich werden neben der positiven Wertung der Regierenden abweichende Positionen vorgestellt, ohne sie als abwegig, isoliert oder störend zu brandmarken. Grundsätzlich wird die Möglichkeit eingeräumt, dass Netanyahu eventuell ja auch recht haben könnte. In Deutschland herrscht der Zwang zur Konformität. Diejenigen, den den deutschen Unternehmen ihre Hoffnung auf Milliardengeschäfte mit dem Iran miesmachen wollen, bekommen es mit geballter Aggressivität zu tun. Journalistische Amateure, die weder die Energie noch den Sachverstand noch die nötige Intelligenz, von Kenntnissen der Nukleartechnik ganz zu schweigen, besitzen, um den Atomdeal zu beurteilen, toben sich gegen Israel aus. Erst die Griechen, dann die Juden… Der sich überlegen fühlende Deutsche beweist wieder einmal seine Minderwertigkeit.

14. Juli 2015, 22.03 Uhr:

Broken narratives

von Thomas von der Osten-Sacken

Wenigstens die alten eingefahrenen, und bis 2011 jederzeit abrufbaren Narrative im Nahen Osten wollen nicht mehr so funktionieren wie früher. Und inzwischen geben sogar Leute dies zu, von denen man es am wenigsten erwartet hatte, etwa der Autor des Blogs Maysaloon, der über sich schreibt:

You’re reading the blog of a bitter and disillusioned man who once cheered for Hassan Nasrallah during the 2006 war and believed that Tehran’s ‘Axis of Resistance’ was the region’s only hope. I changed my mind because Syrians were being murdered by the thousands, their legitimate claims dismissed, and their uprising brushed off as a terrorist uprising by a tinpot dictator who would not have survived had it not been for the help of Tehran and Hezbullah.

Heute kritisiert er die Panarabischen, zu denen er  sich selbst so lange selbst zählte, weil sie dem Nukleardeal mit dem Iran applaudieren:

Pan-Arabists are cheering a deal with Iran, because, as they keep reminding us, Israel is the real enemy; Palestine the real goal. Never mind the untold misery, guts and excrement that we are being forced to crawl through in the name of this mythical liberation that hovers on our horizon like a promised paradise for the wretched of the world. Syria is “complicated". Syrians are only to be felt “sorry for", like the victims of some flood or an earthquake. From your glass towers in Dubai you intellectual pan-Arabists can toast a deal with Iran, and celebrate the fact that nothing has been allowed to deviate your attention from the lofty goal of “liberating Palestine".

Denn der Iran nimmt für die “Liberation of Palestine” - was für Teheran gleichbedeutend mit der Vernichtung Israels ist - problemlos ein paar hunderttausend tote Syrer in Kauf:

The Iranian deal means more bombs, more bullets, and more militias will be sent to Assad, and the easing of sanctions means more money will be used to prop up his economy and keep him in power. That’s why I’m not enthusiastic about the deal with Iran. That’s why I’m angry and biased. I don’t know, maybe I’m not thinking straight; I’m too ‘emotional’.


14. Juli 2015, 19.45 Uhr:

Nobelpreisverdächtig

von Thomas von der Osten-Sacken

Ein Nobelpreis für das iranische Regime … passen täte es ja und nein, wundern täte es einen auch nicht mehr, die Ayatollahs und die USA erhielten ihn gemeinsam für das Wiener Abkommen.

A nuclear deal clinched between Iran and six major world powers that caps more than a decade of negotiations has stoked talk of a joint Nobel Peace Prize for Tehran and Washington this year, despite the likelihood of strong objections from some quarters.

US President Barack Obama, who won the prize in 2009 for promoting nuclear non-proliferation, hailed the Iran deal on Tuesday as a step towards a “more hopeful world". But Israel pledged to try to halt an “historic surrender".

Awarding the prestigious award to Washington and Tehran would fit a pattern of nuclear-themed peace prizes in years ending in ‘5′, commemorating the bombings of the Japanese cities of Hiroshima and Nagasaki in 1945.

“I think the work of the Nobel Committee … this year just got much easier,” former Swedish prime minister Carl Bildt tweeted after the Iranian deal was announced. (…)

“There are serious limitations when it comes to an Iranian candidate and a US candidate,” Kristian Berg Harpviken, director of the Peace Research Institute Oslo, told Reuters.

“But I am sure it will be seriously considered by the Norwegian Nobel Committee.”

Update:

Kerry und Zaif sind nominiert. Das ging aber schnell http://en.trend.az/iran/politics/2417082.html

14. Juli 2015, 14.55 Uhr:

Iran Deal: Reaktionen aus Syrien

von Thomas von der Osten-Sacken

Freude über den Iran Deal in Damaskus:

Erfreut zeigte sich auch Syriens Machthaber Baschar al-Assad. Er gratulierte Iran zum Atomabkommen und bezeichnete es als „großen Sieg“ für Teheran. Die Unterzeichnung der Übereinkunft sei ein „bedeutender Wendepunkt in der Geschichte des Irans, der Region und der Welt“, schrieb Assad am Dienstag an den iranischen Revolutionsführer Ajatollah Ali Chamenei und an Staatschef Hassan Rohani.

Zugleich deutete Assad an, dass er mit mehr Hilfe aus Teheran rechnet. Syrien sei sicher, dass der Iran seine Unterstützung für die „gerechte Sache der Völker“ mit mehr Kraft fortsetzen werden. Der Iran ist im syrischen Bürgerkrieg der wichtigste Verbündete der Regierung. Nach Einschätzung von Beobachtern kann das Regime in Damaskus nur noch dank der Hilfe aus Teheran überleben.

Den Al Quds Tag begeht man in Damaskus sogar inzwischen ganz ohne syrische Fahnen:

14. Juli 2015, 13.11 Uhr:

Iran Deal: Erste Reaktionen aus Deutschland

von Thomas von der Osten-Sacken

Einig Friedens- und Exportnation. Stimmen aus Deutschland:

Anton F. Börner, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel:

“Dass sich die fünf Uno-Vetomächte, Deutschland und Iran heute nach 13 Jahren auf ein Atomabkommen einigen konnten, ist ein historisches Ereignis. Die Einigung zeigt einmal mehr, dass es sich lohnt, im Dialog zu bleiben und diplomatische Lösungen zu finden. Gleichzeitig ist es ein Signal der Entspannung für den gesamten Nahen und Mittleren Osten. (…)

“Jetzt gilt es, das Abkommen mit Leben zu füllen und Stück für Stück umzusetzen. Insbesondere sollten die EU und die USA den Sanktionsabbau möglichst zügig und zeitgleich vorantreiben, damit die deutschen Unternehmen ihren Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung Irans leisten können. Besonders in den Bereichen Automobil, Maschinenbau, Chemie und Energie bietet der Iran großes Potenzial, das durch die heutige Übereinkunft offengelegt wird. Es kann nur dann wirklich genutzt werden, wenn die politischen Handelsbeschränkungen auf allen Seiten aufgehoben werden. Insbesondere mit Blick auf die Finanzierungsmöglichkeiten muss die Bundesregierung die US-Seite auf synchrone Sanktionserleichterungen drängen. Die deutschen Unternehmen brauchen dringend wieder mehr Rechtssicherheit im Handel mit Iran", so Börner abschließend.

Andrea Zumach, Friedensbewegung:

Der Durchbruch von Wien wurde möglich, weil sich in den politischen Eliten der beiden Hauptkontrahenten USA und Iran endlich diejenigen Kräfte durchgesetzt haben, die die seit der Islamischen Revolution von 1979 herrschende tiefe Feindschaft zwischen beiden Ländern überwinden wollen. Weil sie wissen, dass die Normalisierung der Beziehungen zwischen der Noch-Weltmacht und der in vielerlei Hinsicht wichtigsten Regionalmacht im konflikt- und ressourcenreichen Dreieck Naher Osten, Kaukasus, Zentralasien im wohlverstandenen Eigeninteresse beider Seiten ist.

Das Nuklearabkommen öffnet zumindest die Tür für eine Kooperation zwischen Washington und Teheran bei der Deeskalation und Beilegung diverser Konflikte in dieser Weltregion.

Frieden, Deeskaltion, Export.

Noch ist das Abkommen allerdings nicht in trockenen Tüchern

Denn da sind noch die verstockten Juden und ihr Staat, die amerikanischen rechten und diverse Golfmonarchien, die dem Frieden und dem goldenen Zeitalter von Dialog und Deeskalation im Weg stehen (Von den Millionen Opfern des iranischen Imperiums, das Teheran da gerade errichtet ganz zu schweigen, die sind selbst schuld, hätten sich ja nicht der Friedensachse des Widerstandes widersetzen müssen):

Sollten die vereinten Gegner des Nukleardeals Erfolg haben, droht der Region des Nahen/Mittleren Osten noch mehr Destabilisierung und Krieg.

Und das wäre natürlich, könnte Herr Börner hinzufügen, schlecht, da man gerne bald ganz legal Baukräne und Überwachungstechologie für Deeskalation und Frieden in die Islamische Republik exportieren würde. Wo dann endlich auch mehr Rechtssicherheit für deutsche Unternehmen herrscht.

Wie der Speigel so treffend schreibt, “alle Beteiligten zeigen sich zufrieden - vor allem die deutsche Wirtschaft. Sie hofft auf Milliardenaufträge.”

Vizekanzler Sigmar Gabriel steht schon bereit, um in Teheran für den Frieden und die Milliardenaufträge Hände zu schütteln.


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