Kaffeekollektiv Aroma Zapatista
Kürzliche Beiträge
12. Juni 2011, 21.20 Uhr:

Am zweiten Jahrestag

von Thomas von der Osten-Sacken

In Teheran kam es heute zu Demonstrationen, die, wer hätte anderes erwartet, zusammengeknüppelt wurden. Vor zwei Jahren begannen die Massenproteste gegen die gefälschten Präsidentenwahlen und im Sommer 2009 schien das Ende des Regimes in Teheran nahe:

In der iranischen Hauptstadt Teheran ist es am Rande friedlicher Demonstrationen offenbar zu Zusammenstößen mit Sicherheitskräften gekommen. Mehrere Demonstranten sollen festgenommen worden sein.

Augenzeugen berichteten, Angehörige der berüchtigten Basidsch-Milizen seien mit Stöcken bewaffnet gewesen. Die Opposition hatte zum zweiten Jahrestag der umstrittenen Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad zum “stillen Protest” aufgerufen. Laut Oppositions-Websites folgte eine große Menge dem Appell. Gleichzeitig seien tausende Polizisten und Sicherheitskräfte aufmarschiert.

Augenzeugenberichte von Bewohnern  aus nordsyrischen Dörfern, die vor den Massakern der Armee in die Türkei geflohen sind, bestätigen derweil, was eigentlich längst bekannt war: iranische Sicherheitskräfte leisten ihren syrischen “Brüdern” tatkräftige Schützenhilfe:

Nachrichtenagenturen zitieren einen verletzten Syrer aus der Provinz Idlib, der nun in einem türkischen Krankenhaus ist. Neben Sicherheitskräften seien auch iranische Soldaten in schwarzen Uniformen bei der Niederschlagung der Proteste im Einsatz, sagte Mustafa, der seinen Nachnamen nicht genannt haben wollte. Sie trügen Bärte, die den Soldaten der syrischen Armee nicht erlaubt seien, und sie sprächen nicht Arabisch. Ähnliche Erfahrungen hatten iranische Demonstranten bei der Niederschlagung der Proteste nach der Wiederwahl von Präsident Ahmadineschad gemacht. Damals hatte das Teheraner Regime Einheiten der libanesischen Hizbullah zu Hilfe gerufen.



11. June 2011, 11.06 Uhr:

Deutsche Linke wird aktiv und solidarisiert sich mit "libyschem Volk"

von Thomas von der Osten-Sacken

Endlich, die deutsche Linke und Friedensbewegung wird aktiv und stellt sich brüderlich an die Seite des darbenden libyschen Volkes, das ja nichts anderes wünscht als weiter auf dem bewährten Entwicklungsweg des Bruder Führers zu wandeln. In dem Aufruf  “Frieden für Libyen! Solidarität mit dem libyschen Volk!” heißt es:

Der Wüstenstaat, der unter seinem Revolutionsführer Muammar Al-Ghaddafi seiner Bevölkerung dank der Nationalisierung seines Ölreichtums den höchsten Wohlstand in Afrika mit unentgeltlichem Bildungs- und Gesundheitswesen, mit hochentwickelten Rechten für Frauen und Kinder bieten konnte, droht in seiner Entwicklung um Jahrzehnte zurückgeworfen zu werden. Wie in der Kolonialzeit selbstbewusst gewordene Sklaven vor den Augen ihrer Schicksalsgefährten öffentlich ausgepeitscht wurden, so wollen heute führende NATO-Staaten das libysche Volk, auch als Warnung für die Völker der Dritten Welt, mit Bomben, Raketen und gegebenenfalls militärischer Besetzung dafür bestrafen, dass es sich ihrem Diktat entzieht, seinen eigenen Entwicklungsweg geht, sich für die Einheit und Unabhängigkeit der arabischen Welt und Afrikas einsetzt und sich jeglicher Rekolonialisierung verweigert.

11. June 2011, 10.39 Uhr:

In Sicherheit gebracht

von Thomas von der Osten-Sacken

Aus Angst, sie könnte dem Zorn der Bevölkerung zum Opfer fallen, wird in Hama eine Statue von Hafiz al-Assad, dem Vater von Bashar, in Sicherheit gebracht:

10. June 2011, 13.12 Uhr:

Der syrische Horror

von Oliver M. Piecha

Die syrische Armee hat ihren Angriff auf die Kleinstadt Jisr al-Shughur und das umliegende Gebiet begonnen:

12:10 Around 40 tanks swept through the villages surrounding Jisr al-Shughur and are deploying in the village of Sarmaneyah. The Syrian army is expected to storm the village of Sheikh Sendian soon. (LCCS)

11:24 Sounds of machine guns and bomb shells are heard in the village of Al-Ziyara in Sahl al-Ghab. There are smoke clouds above the village after fields were set on fire. Three military helicopters are flying over Jisr al-Shughur. (S.N.N.)

11:20 Phone lines are cut off in Jisr al-Shughur, pro-government gangs are burning the cultivated fields. (S.N.N.) (LiveBlog von Lebnon now!)

Die syrische Armee dürfe vor allem deswegen so groß aufmarschiert sein, weil die Ereignisse um Jisr al-Shughur einen Wendepunkt anzeigen könnten; durch Befragungen von Flüchtlingen in der Türkei zeichnet sich immer deutlicher ab, daß ein Teil der Sicherheitskräfte, die in Jisr al-Shughur stationiert waren, zu den Demonstranten übergelaufen ist - woraufhin die Assad-Getreuen das Feuer auf sie eröffnet haben. Der alawitische Teil der Sicherheitskräfte wird zwar unerschütterlich treu zu seinem Präsidenten stehen, aber was ist mit dem Rest? Um diese Frage schon im Keim zu ersticken, sind nun die Panzer losgerasselt; alleine zu spät.

Die anschließende Frage ist, inwieweit sich Bewohner der Region bewaffnet haben - und wenn, woher die Waffen kommen -, und sich gegen die Armee wehren.

An der medialen Front verliert das Regime derzeit immer weiter an Boden (auch wenn die Diskussion um die existente oder nichtexistente, verhaftete oder nicht verhaftete Bloggerin Amina Araf derzeit etwas ablenkt); eine neues Video zeigt den geschundenen Körper eines weiteren totgefolterten Jugendlichen:

“Tamer Alshary, 15 yr-old, was arrested on the day of Sayda Massacre, April 29th, 2011. the same day Hamza Alkhateeb was arrested too, when people of the town of Aljiza tried to deliever food and clean water to the besieged city of Daraa. the body of this innocent child was deleivered to his family on June 8, after more tham 5 weeks, filled with torture marks. The savage monsters took one eye out, pulled his teeth. burnt his body with cigarettes, and then shot him in face, belly and legs.” (via enduring america)

10. June 2011, 00.00 Uhr:

Ratschläge aus Berlin

von Thomas von der Osten-Sacken

Deutsche Nahostexperten geben den Mächtigen dieser Welt mit besonderer Vorliebe gute Ratschläge, wie es besser zu machen sei. So auch Andrea Nüsse im Tagesspiegel:

Vielleicht wäre es an der Zeit, dass die Alliierten und die Rebellen in Bengasi noch einmal darüber nachdenken, ob sie von ihrer Maximalforderung abrücken und einen Waffenstillstand suchen.

Nicht etwa Gaddafi. Dem gibt Nüsse natürlich keine Ratschläge, auf die Idee käme sie gar nicht. Mit dem sucht man vielmehr den Waffenstillstand.

Dem derart gesuchten Waffenstillstand solle sich dann eine “politische Lösung ohne Mitwirkung des Gaddafi-Clans” folgen.

Wie das gehen soll? Darüber schweigt sie sich selbstredend aus, denn die Idee ist in etwa so praktikabel, wie im März Guido Westerwelles Vorschlag, als die Panzer des Obersten schon in den Vororten Bengasis standen, doch die Sanktionen voll auszuschöpfen.

Aber eigentlich geht es Frau Nüsse um noch um etwas anderes:

(Es) verfestigt sich ganz allmählich die Zweiteilung des Landes. Der Osten baut seine eigenen Strukturen auf, organisiert Ölexporte und will irgendwann vom Rest des Landes nichts mehr wissen.

Zweiteilung? Die Stadt Misrata liegt im Zentrum des Landes, der Fezzan im Südwesten. Beide werden von Oppositionskräften kontrolliert und verfügen über keine Landverbindung mit Bengasi. Sollen diese Gebiete also per Waffenstillstandsverhandlungen (unter Schirmherrschaft von Hugo Chavez?)  an Gaddafi übergeben werden?

Mit ihren guten Ratschlägen schafft es die Autorin immerhin ein Psychogramm deutscher Libyenpolitik abzuliefern. Man hat nichts zu sagen, keine Ideen, aber statt wenigstens den Mund zu halten, drängt man sich überall mit irgendwelchen Vorschlägen auf, die allesamt weder in Realität umsetzbar wären, noch von politischer Klugheit zeugen, geschweige denn moralisch richtig wären.

9. June 2011, 03.41 Uhr:

Große Führer schreiben ihr Nachwort

von Oliver M. Piecha

Blut, Tränen, Mord. Mehr bleibt nicht. Jahrzehnte des Unheils. Und wir wollen es nie vergessen: Jahrzehnte der Kollaboration. Auf allen Ebenen. Gadaffi war im Westen zuletzt sehr wohlgelitten, über Assad wurden sowieso Wohlgerüche der Reformwilligkeit wie blöde eingesogen.

Und jetzt schreiben sie sich alle am Ende noch einmal ein in das Höllenbuch der Geschichte: Die verbeamteten Schergen des Assad-Sprößlings, feixend über den erledigten Toten, als hätte es nie ein Internet und weltweite Zuseher gegeben, man mag dabei ahnen, wie es ausgesehen hätte, wenn solche Visagen schon im 20.Jahrhundert über Mobiltelefone mit Fotofunktion verfügt hätten. Und Gaddafi, der bunte Hund der Bluthunde, läßt an seine Meute Viagra austeilen:

“In some areas we had a number of 100 people raped. The issue for us was, can we attribute these rapes to Gaddafi himself, or is it something that happened in the barracks,” he explained.

Mr Moreno-Ocampo also said some witnesses had confirmed that the Libyan government was buying containers of Viagra-type drugs to carry out the policy, and to “enhance the possibility to rape".
(BBC)

8. June 2011, 23.46 Uhr:

Seltsame arabische Straße III

von Thomas von der Osten-Sacken

Frauen in Benghazi:

 

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