Schlüppis
Kürzliche Beiträge
2. August 2012, 16.35 Uhr:

Die "Befreiung" Palästinas als Lösung aller Weltprobleme

von Thomas von der Osten-Sacken

Mahmoud Ahmedinejad über das wohl einzige Thema, das ihn wirklich beschäftigt:

Ahmadinejad (said) that “liberating Palestine” would solve all the world’s problems, although he did not elaborate on exactly how that might work. (…)

He added: “Anyone who loves freedom and justice must strive for the annihilation of the Zionist regime in order to pave the way for world justice and freedom.”

31. Juli 2012, 21.54 Uhr:

Fliegende Teppiche, Jihadisten und eine große Lüge

von Oliver M. Piecha

Die Große Erzählung des syrischen Regimes beginnt sich nun gegen es selbst zu wenden: Man sei, so ging die Erzählung, doch schließlich ein verläßliches nahöstliches Bollwerk gegen Jihadismus und Islamismus. In Europa und Obamas Amerika hat man dieses Mantra erleichtert und sehr gerne gehört; es hat für eine Weile scheinbar die Anstrengung erspart, sich ernsthaft Gedanken über etwas zu machen, was einfach nicht sein sollte: Dass der Umbruch der arabischen Welt im Zentrum des Nahen Ostens tatsächlich ankommen sollte.
Und alle, alle wären erleichtert gewesen, hätte Assad sich behaupten können: Russen, Europäer, Chinesen, Amerikaner, die Regierung Netanjahus, die „Islamische Republik Iran“, die letzten wahren Antiimperialisten sowieso.
Die Antwort des Westens an Assad im ersten Dreivierteljahr nach Ausbruch des Aufstandes in Syrien lautete schlicht: Sorge für Ruhe, mache ein paar Reformen, von uns hast Du dann nichts zu befürchten.
Allein die Antwort der überwältigenden Mehrheit der Syrer war eine andere.
Und jetzt funktioniert die Große Erzählung des Regimes international plötzlich nicht mehr, ironischerweise ausgerechnet an dem Punkt, an dem tatsächlich Massen von Jihadisten gen Syrien aufgebrochen sind; jetzt, im akuten Vorstadium der syrischen Apokalypse, die man auch hätte voraussehen können, wird der Jihadist nun zum Argument gegen Assad.

Allistair Burt, Staatssekretär im britischen Außenministerium, macht es vor: “It must be true to say that since the initial pressure and opposition against the Assad regime, which was local, the fight has been joined by others. […] We said at a very early stage that unless this finished early, unless the proposals to have a ceasefire and get political transition going in Syria among Syrians happened, then the fight would be joined by others from outside. There is clear evidence of this.“

Nur diese störrischen „Einheimischen“, die hat man eben wegen so inkommoder Forderungen wie der nach „Freiheit“ nicht rechtzeitig unterstützen mögen, derweil man mit Assad doch die Aussicht auf so ein auch fernerhin gutes Auskommen gehabt hat.

Dieses Video zeigt etwa ein von Aufständischen in einer Aleppiner Polizeistation erbeutetes und mutwillig zerstörtes Gerät, mit dem in Assads Syrien bisher gesellschaftlicher Konsens hergestellt worden ist:

Laut Human Rights Watch handelt es sich bei dem Gerät um einen “Fliegenden Teppich", dessen genaue Gebrauchsanweisung man bitte bei Freunden des “säkularen” antijihadistischen syrischen Regimes erfragen sollte.

Und nun?

Die zynische Rechthaberei kann man voraussehen, sie werden alle, alle nachher sagen, wenn Syrien 2013 wie der Libanon 1983 aussehen sollte, das haben wir doch gleich gewußt, und diese Jihadisten, von wegen Demokratie und Araber und überhaupt.

Oder: Wieso hat dieser “Fliegende Teppich” bloß nicht mehr funktioniert?

30. Juli 2012, 14.56 Uhr:

Zweierlei Frieden

von Thomas von der Osten-Sacken

Bei der Zeit schlägt die deutsche und ganz friedensorientierte Nahostexperterei mal wieder durch:

“Das bedeutet, dass es ohne den Iran keine Lösung des Konflikts gibt. Und dass Saudi-Arabien solchen Verhandlungen zustimmen muss. Wer Syrien dauerhaft befrieden will, kommt nicht drumherum, Saudi-Arabien und den Iran an einen Tisch zu bringen. Und das könnte die schwerste Übung von allen sein.”

Es gibt aber auch noch eine ganz andere Lösung, die einzig humane und vernünftige, auf die käme man in Hamburg gar nicht, und die lautet ganz einfach: Regime Change in Teheran, Riad und  Damaskus!

Auf den Frieden, den sie da am Verhandlungstisch wollen; kann man nämlich nicht nur gerne verzichten, sondern ihnen nur die Überzeile des Hessischen Landbotens entgegenhalten“Friede den Hütten! Krieg den Palästen!”

27. Juli 2012, 02.28 Uhr:

Multilateralismus für Fortgeschrittene

von Thomas von der Osten-Sacken

Multilateralismus unter Ägide der UN, dieser Ansatz galt vor ungefähr zehn Jahren und ganz besonders in Detschland als die Lösung aller Krisen und Konflikte auf der Welt. Angewandt sieht er dann in etwa so aus:

UN chief peacekeeper Herve Ladsous said on Thursday there is “no plan B” for Syria, urging all parties to implement the plan brokered by UN-Arab League envoy Kofi Annan to stop the deadly violence.

Und so:

The United States warned Thursday that the Syrian regime may be preparing to carry out a massacre in the city of Aleppo, but stuck by its position that there would be no US military intervention.

Ganz wichtig ist auf jeden Fall beim erfolgreichen multilateralen Vorgehen, auch wenn Massaker drohen, Giftgaseinsätze, humanitäre Katastrophen und die Entwicklung eines unkontrollierbaren failed states, trotzdem und deutlich klarzustellen, dass man a) in keinem Fall militärisch zu intervenieren gedenkt und b) keinen Plan und deshalb auch auch keinen Plan B hat.

 

26. Juli 2012, 03.18 Uhr:

Syrien größthochgeostrategisch gesehen

von Oliver M. Piecha

Warum haben die Deutschen eigentlich zwei Weltkriege verloren?

Die FAZ gibt anhand Syriens eine Antwort:

1. „Realpolitik“ (genau diese, so wie schon beim letzten Kaiser weiland) wird am besten von einem Geschichtsprofessor (Uni Passau) erklärt. Das liegt denen nun mal im Blut.
2. Ohne ein Carl-Schmitt-Zitat geht gar nichts (der hat schließlich den Deutschen ihre Weltsicht erschöpfend dargelegt).
3. Ganz, ganz große knallharte Geopolitik: Mackinder lesen, Spykman, Alfred T. Mahan liegt sowieso auf dem Nachttisch. (Wir vermissen bloß Fallmerayer und Ratzel, sollte das in Passau etwa nicht mehr gelehrt werden?)

Eine Lieblingsstelle:

Der Albtraum einer von Deutschland und Japan gemeinsam oder schlimmstenfalls sogar von Deutschland allein kontrollierten „pivot area“ im Herzen Eurasiens musste mit allen Mitteln verhindert werden. Hierin bestand das erste und wichtigste Kriegsziel Roosevelts und Churchills, dem alles andere untergeordnet wurde.

Zum Schluß Poesie:

Die Würfel sind noch nicht gefallen. Aber die geostrategischen Global Player halten sie bereits in der Hand.

Hier geht es zum strategischen Großkampftag der FAZ: Und ihr denkt, es geht um einen Diktator.

(Dachten wir nie! Es geht doch immer nur darum, das Vorlesungspult stahlhart zu umklammern und die ganz großen geopolitischen Gegebenheiten (Pipelines!) mit knallhartem Carl-Schmitt-Blick anzuvisieren.)

Und danach ein gutes bayrisches Bier, sonst wird’s zu aufregend. (Der Mann gehört nach Berlin! In den Planungsstab! Von was auch immer!)

25. Juli 2012, 13.16 Uhr:

Regime Change mit den Saudis

von Thomas von der Osten-Sacken

Endlich haben wir die Zeit der gräßlichen Neocons mit ihrem Demokratisierungswahn in Nahost überwunden. Ich hoffe die Linke und Friedensbewegung freut sich. Von jetzt an findet Regime Change, wenn denn ganz unbedingt notwendig, nur noch in Absprache und Koordination mit den Saudis statt. Dann gibt’s ganz garantiert keine Demokratie, denn deren König hat ja befunden, dass Araber und Demokratie nicht zusammenpassen, eine Ansicht, die er durchaus solange mit deutschen Nahostexperten teilte, bis die letztes Jahr im Januar ein ganz klein wenig von der Ereignissen überrollt wurden: CIA’s favorite Saudi prince is laying the groundwork for a post-Assad Syria

24. Juli 2012, 17.30 Uhr:

Houla, FAZ, Spiegel, Massaker

von Oliver M. Piecha

Wer weiß noch, was mit Houla war? Genau, ein paar Massaker im syrischen Bürgerkrieg früher, da ist doch etwas in dieser Ansammlung von Dörfern in der Nähe von Homs passiert? Da sind nämlich über 100 Zivilisten umgebracht worden. Und wir erinnern uns: entgegen der Weltmeinung, die das Assadregime verantwortlich sah, waren es seltsamerweise nur Verschwörungstheoretiker und Rainer Hermann von der FAZ, die zu wissen glaubten, die Aufständischen hätten sich hier quasi selber umgebracht (die Welt hat sich dieser Version später etwas lahm ein bißchen angeschlossen).

Der Spiegel hat nun etwas Sinnvolles getan, zumal auch noch etwas, was die deutsche Presse im Gegensatz zu ihren internationalen Kollegen so gar nicht mag: Statt sich brav dem Regime anzuvertrauen, anzufragen, wohin man denn fahren darf und wohin nicht, um am Schluß dann genau das aufzuschreiben, was bei dieser Art von journalistischem Selbstverständis fast zwangsläufig heraus kommen muß, sind zwei Leute vom Spiegel einfach ins befreite und vom Regime belagerte Houla gefahren und haben Augenzeugenberichte aufgeschrieben und per Video dokumentiert.

Woher die ominösen Augenzeugen des Rainer Hermann & Co womöglich kommen, wird dabei an einer Stelle zumindest angedeutet:

Colonel Mohammed Tayyib Baqur, who served in the Syrian army for two-thirds of his life and deserted a few weeks ago, worked most recently in the political division of the Defense Ministry. He now reports that, on May 28, he received a call from Jamil Hassan, the head of Syrian Air Forces intelligence and one of the leading members of the regime: “He told me to come in on June 2. He pointed out that I was from Houla, and that an international conspiracy against Syria was underway. For that reason, he wanted me to find a few people, as poor as possible, from Houla or the surrounding area. I was to bring them to Damascus so that they could circulate the regime’s version of the massacre. He said that the people from Houla would be paid, and so would I. Then he called his office manager and told him to give me 25,000 Syrian pounds.” This is the equivalent of slightly more than €300 or roughly $385.

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