Schlüppis
Kürzliche Beiträge
26. Juli 2012, 03.18 Uhr:

Syrien größthochgeostrategisch gesehen

von Oliver M. Piecha

Warum haben die Deutschen eigentlich zwei Weltkriege verloren?

Die FAZ gibt anhand Syriens eine Antwort:

1. „Realpolitik“ (genau diese, so wie schon beim letzten Kaiser weiland) wird am besten von einem Geschichtsprofessor (Uni Passau) erklärt. Das liegt denen nun mal im Blut.
2. Ohne ein Carl-Schmitt-Zitat geht gar nichts (der hat schließlich den Deutschen ihre Weltsicht erschöpfend dargelegt).
3. Ganz, ganz große knallharte Geopolitik: Mackinder lesen, Spykman, Alfred T. Mahan liegt sowieso auf dem Nachttisch. (Wir vermissen bloß Fallmerayer und Ratzel, sollte das in Passau etwa nicht mehr gelehrt werden?)

Eine Lieblingsstelle:

Der Albtraum einer von Deutschland und Japan gemeinsam oder schlimmstenfalls sogar von Deutschland allein kontrollierten „pivot area“ im Herzen Eurasiens musste mit allen Mitteln verhindert werden. Hierin bestand das erste und wichtigste Kriegsziel Roosevelts und Churchills, dem alles andere untergeordnet wurde.

Zum Schluß Poesie:

Die Würfel sind noch nicht gefallen. Aber die geostrategischen Global Player halten sie bereits in der Hand.

Hier geht es zum strategischen Großkampftag der FAZ: Und ihr denkt, es geht um einen Diktator.

(Dachten wir nie! Es geht doch immer nur darum, das Vorlesungspult stahlhart zu umklammern und die ganz großen geopolitischen Gegebenheiten (Pipelines!) mit knallhartem Carl-Schmitt-Blick anzuvisieren.)

Und danach ein gutes bayrisches Bier, sonst wird’s zu aufregend. (Der Mann gehört nach Berlin! In den Planungsstab! Von was auch immer!)

25. Juli 2012, 13.16 Uhr:

Regime Change mit den Saudis

von Thomas von der Osten-Sacken

Endlich haben wir die Zeit der gräßlichen Neocons mit ihrem Demokratisierungswahn in Nahost überwunden. Ich hoffe die Linke und Friedensbewegung freut sich. Von jetzt an findet Regime Change, wenn denn ganz unbedingt notwendig, nur noch in Absprache und Koordination mit den Saudis statt. Dann gibt’s ganz garantiert keine Demokratie, denn deren König hat ja befunden, dass Araber und Demokratie nicht zusammenpassen, eine Ansicht, die er durchaus solange mit deutschen Nahostexperten teilte, bis die letztes Jahr im Januar ein ganz klein wenig von der Ereignissen überrollt wurden: CIA’s favorite Saudi prince is laying the groundwork for a post-Assad Syria

24. Juli 2012, 17.30 Uhr:

Houla, FAZ, Spiegel, Massaker

von Oliver M. Piecha

Wer weiß noch, was mit Houla war? Genau, ein paar Massaker im syrischen Bürgerkrieg früher, da ist doch etwas in dieser Ansammlung von Dörfern in der Nähe von Homs passiert? Da sind nämlich über 100 Zivilisten umgebracht worden. Und wir erinnern uns: entgegen der Weltmeinung, die das Assadregime verantwortlich sah, waren es seltsamerweise nur Verschwörungstheoretiker und Rainer Hermann von der FAZ, die zu wissen glaubten, die Aufständischen hätten sich hier quasi selber umgebracht (die Welt hat sich dieser Version später etwas lahm ein bißchen angeschlossen).

Der Spiegel hat nun etwas Sinnvolles getan, zumal auch noch etwas, was die deutsche Presse im Gegensatz zu ihren internationalen Kollegen so gar nicht mag: Statt sich brav dem Regime anzuvertrauen, anzufragen, wohin man denn fahren darf und wohin nicht, um am Schluß dann genau das aufzuschreiben, was bei dieser Art von journalistischem Selbstverständis fast zwangsläufig heraus kommen muß, sind zwei Leute vom Spiegel einfach ins befreite und vom Regime belagerte Houla gefahren und haben Augenzeugenberichte aufgeschrieben und per Video dokumentiert.

Woher die ominösen Augenzeugen des Rainer Hermann & Co womöglich kommen, wird dabei an einer Stelle zumindest angedeutet:

Colonel Mohammed Tayyib Baqur, who served in the Syrian army for two-thirds of his life and deserted a few weeks ago, worked most recently in the political division of the Defense Ministry. He now reports that, on May 28, he received a call from Jamil Hassan, the head of Syrian Air Forces intelligence and one of the leading members of the regime: “He told me to come in on June 2. He pointed out that I was from Houla, and that an international conspiracy against Syria was underway. For that reason, he wanted me to find a few people, as poor as possible, from Houla or the surrounding area. I was to bring them to Damascus so that they could circulate the regime’s version of the massacre. He said that the people from Houla would be paid, and so would I. Then he called his office manager and told him to give me 25,000 Syrian pounds.” This is the equivalent of slightly more than €300 or roughly $385.

23. Juli 2012, 20.42 Uhr:

Die Angst der iranischen Machthaber vor einem Gebet

von Wahied Wahdat-Hagh

In den letzten Wochen hat die systematische Verfolgung der Bahai im Iran zugenommen. Immer wieder werden Bahai unter falschen Vorwürfen verhaftet und ins Gefängnis gesteckt. Diese Politik dient im Kern den Zielen der Verbreitung von Angst und Schrecken und der gänzlichen Vernichtung der iranischen Bahai-Gemeinde.

Weiterlesen.

23. Juli 2012, 17.21 Uhr:

Das neue Ägypten und der Alkohol

von Thomas von der Osten-Sacken

Eine beunruhigende Meldung:

Egyptian Tourism Minister Mounir Fakhry Abdel-Nour has decided that prohibitions on the serving of alcoholic beverages to Egyptian citizens would be applied on all major Islamic holidays and not just during the fasting month of Ramadan, Egypt’s state news agency MENA reported on Sunday.

Nur:

Abdel-Nour has reportedly decided to apply the prohibition on four other days of the year: the Islamic New Year, the holiday commemorating the Israa and Me’rag, Prophet Mohamed’s birthday and the day of Arafa. (…)

However, serving of alcohol to Egyptians on any of the aforementioned days has been banned for over 30 years.

Sollte es also dabei bleiben, alte Regelungen nur als neue Dekrete zu verkaufen, auch trinkende Ägypter könnten damit leben. Solange sie in der Opposition waren konnten die Muslimbrüder dagegen solche Verbote als zumindest partiellen Sieg gegen eine vermeintlich säkulare und verwestlichte Regierung verkaufen, stellen sie selbst die Regierung und verbieten den Alkohol nicht, wie in anderen islamischen Staaten,  an 365 Tagen im Jahr, dann haben sie sich mit Realitäten abgefunden, die zu ändern sie eigentlich einst antraten. Man wird sehen, ob das Verbot, das keines ist, Anfang oder Ende eines Prozesses ist.

 

 

18. Juli 2012, 22.55 Uhr:

Ein Terrorunterstützer lobpreist den anderen

von Thomas von der Osten-Sacken

Während man in Burgas noch Leichenteile zusammensammelt und die Hinweise sich verdichten, dass der Iran und die Hizbollah hinter dem Massaker an israelischen Touristen stehen könnten, lobpreist Hassan Nasrallah seinen doch arg in Bedrängnis geratenen Kollegen in Damaskus, den heute eine Bombe fast seines gesamten inneren Machtzirkels beraubt hat. In Damaskus also wird gekämpft, im Südlibanon erklärt wofür:

Syria provided arms not only to Hezbollah, but to terrorist groups in Gaza, Hezbollah Secretary-General Hassan Nasrallah said in a Wednesday speech marking the anniversary of the 2006 Lebanon War.

“Syria was an aid to the Resistance and gave [us] weapons that we used in the July War. Not only in Lebanon, but also in the Gaza Strip,” Nasrallah said, according to Now Lebanon.

In a bid to boost support for embattled Syrian President Bashar Assad, Nasrallah mocked Egypt and Saudi Arabia for not providing weapons support to “the resistance.” The weapons used against Israel, he said, “were rockets from Syria and transferred through Syria. The Syrian leadership was risking its interests and existence in order for the resistance in Lebanon and Palestine to be strong.”


“Show me one Arab regime that does the same,” he added.

18. Juli 2012, 21.19 Uhr:

Irans Griff nach der "Gurgel der Welt"

von Wahied Wahdat-Hagh

Das iranische Regime betrachtet die Meerenge von Hormuz, die an ihrer schmalsten Stelle 55 Kilometer breit ist, als ihr geographisches Privileg und will diese im Krisenfall blockieren. Täglich passieren 17 Millionen Barrel Rohöl diese Meerenge. Dies entspricht etwa 35 Prozent des auf dem Seeweg transportierten Rohöls. Die Machthaber der islamistischen Diktatur warnen seit Jahren, im Falle eines Angriffs auf den Iran, die Meerenge zu blockieren. Sie sprechen von der “Gurgel der Welt", die sich in ihren Händen befände.

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