Das Kein-Schmarrn-Abo
Prager Frühling Banner
Kürzliche Beiträge
5. Juni 2012, 17.38 Uhr:

Lieber Bengasi als Berlin

von Jörn Schulz

“Life is pretty normal. I talked to a Libyan of African heritage who had worked in Germany 14 years and recently had returned. He said he is much happier in Libya.” Juan Cole, US-Historiker und gewiss kein Neocon, berichtet aus Libyen: “Imagine my surprise on visits to Benghazi, Misrata and Tripoli, to find that there were no militiamen to be seen, that most things were functioning normally, that there were police at traffic intersections, that there were children’s carnivals open till late, families out, that jewelry shops were open till 8 pm, that Arabs and Africans were working side by side, and that people were proud in Benghazi of having demonstrated against calls for decentralizing the country.”

“Cities unhappy with the foot-dragging of the transitional national government have simply staged their own municipal elections. Benghazi just held its successfully, and Misrata did this months ago. I met the husband of a newly-minted female city council member in Benghazi; she was the number one vote-getter among the candidates that ran, and may chair the council. The municipal governments have the legitimacy of the ballot box and are beginning to address local problems.”

“In the urban north, I found a society actively reconstructing (…) So while I wouldn’t want to minimize what difficulties remain, and while I am aware that a week on the ground won’t reveal all the society’s problems, I can say with certainty that the image found in the Western press of the place is far more negative than what I saw with my own eyes and what I heard from locals in Arabic-language conversations.”

 

 

 

3. Juni 2012, 15.54 Uhr:

Free Syria From Assad!

von Thomas von der Osten-Sacken

Ein Aufruf der Antideutschen Aktion Berlin (ADAB):

Im März des vergangenen Jahres hatten Kinder in der südsyrischen Stadt Daraa den im Arabischen Frühling in Tunesien und Ägypten verwendeten Slogan „Das Volk will den Sturz des Regimes“ an mehrere Wände geschrieben. Die Kinder wurden verhaftet und gefoltert. Daraufhin forderte die Teilnehmer auf der ersten großen Demonstration in Daraa die Freilassung dieser Kinder. Eine weitere Demonstration am Freitag, den 18. März, wurde von Sicherheitskräften gewaltsam angegriffen, mindestens vier Menschen verloren ihr Leben. Bei den Begräbnissen der Toten wurde am Tag darauf ein weiterer Mensch von den syrischen Sicherheitskräften getötet. Die Proteste griffen im Weiteren auf andere Städte in Syrien über.

Über ein Jahr, zwei Beobachtermissionen, zehntausende Flüchtlinge, abertausende Verhaftungen und beinahe 10.000 Tote später verhandelt die internationale Weltgemeinschaft nach wie vor mit dem syrischen Diktatur Baschar al-Assad über ein Ende der Gewalt. Das Ergebnis ist immer dasselbe. Assad verkündet ein oder zwei Reförmchen und lässt dort wo gerade die internationalen Beobachter ihre Runde drehen die Waffen schweigen. Überall sonst in Syrien gehen die Sicherheitskräfte weiterhin brutal gegen die Opposition vor. Business as usual.

„Natürlich kann man einerseits sagen, dass durch Revolutionen alles nur noch schlimmer geworden ist. Die französische Revolution hat der Menschheit den Nationalismus und die allgemeine Wehrpflicht gebracht. Letztere hat es möglich gemacht, dass die Gemetzel in den beiden Weltkriegen alle vorangegangenen in den Schatten stellten. Und ohne Demokratie kein NS-Regime. Andererseits: Niemand weiß, was uns geblüht hätte ohne die Französische Revolution.

Auf jeden Fall kann man von Menschen nicht verlangen, dass sie sich mit der Despotie und den Folterkellern eines Mubarak-Regimes abfinden sollen. Sie haben das volle Recht, es mit Gewalt zu stürzen, ohne zu bedenken, was nachher kommt. Und vielleicht kommt es bei Ihnen ja nicht so schlimm, wie es bei uns gekommen ist.“ (1)

Weiterlesen.

1. Juni 2012, 14.47 Uhr:

Iran:"Ein Schuss auf den Apostaten"

von Wahied Wahdat-Hagh

In einem Online-Computerspiel dürfen Fanatiker nun die Hinrichtung von „Apostaten“ üben. Staatliche Nachrichtenagenturen des Iran ermuntern die Muslime, dieses Spiel herunterzuladen. Die staatliche Nachrichtenagentur Farsnews meldete, dass das Spiel „Ein Schuss auf den Apostaten“ ins Internet gestellt worden ist. Jeder kann das Spiel umsonst herunterladen und auf den Rapper Shahin Najafi zielen. Das Spiel sei von der Stiftung „Kunst des reinen Islam“ zur Verteidigung der „religiösen Ehre“ entwickelt worden. Der Spieler könne Shahin Najafi, den „Vertreter des Teufels“, nach einigen Übungen ermorden.

Weiterlesen.

1. Juni 2012, 13.31 Uhr:

Ennadha versus Salafiten?

von Thomas von der Osten-Sacken

Es scheint, der Konflikt zwischen der regierenden islamistischen Ennadha Partei in Tunesien und den Salafiten spitzt sich zu:

Tunisia’s Interior Minister Ali Larayedh used tough language today when addressing recent violence in the Tunisian hinterland from religious hardliners from some Salafist groups in Tunisia.

“Those who think that sovereign institutions such as police barracks can be attacked with impunity should know that in such cases the law authorises the use of live rounds,” the AFP reports Larayedh told reporters.

Recent incidents in GhardimaouJendouba, Sidi Bouzid and Sejnane among other places have seen violent acts of Salafists attacking bars, setting police stations on fire and threatening those who do not practice their version of Islam. (…)

Larayedh is a member of the governing Islamist Ennahda political party. Ennahda Party officials have become increasingly vocal recently about cracking down on religious based violence seen as disturbing public order.

In February the Tunisian Interior Ministry announced the arrest of 12 suspects from an extremist group with alleged ties to Al Qaeda who were stockpiling weapons with the intention of creating an Islamic Emirate in Tunisia.

31. Mai 2012, 10.52 Uhr:

Iranischer Botschafter dementiert sein FTD-Interview

von Wahied Wahdat-Hagh

Gestern betitelte Financial Times Deutschland ein Exklusiv-Interview mit dem iranischen Botschafter Aliresa Scheich Attar: Irans Kehrtwende im Atomstreit: „Wir brauchen die 20 Prozent nicht mehr“.

Prompt dementierte nun der iranische Botschafter sein Interview gegenüber der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur Farsnews: „Der iranische Botschafter hat das in der Financial Times Deutschland veröffentlichte Interview über die zwanzigprozentige Anreicherung von Uran ausdrücklich dementiert.

Weiterlesen.

31. Mai 2012, 00.14 Uhr:

"Schutz der Revolution und des zivilen Staates"

von Thomas von der Osten-Sacken

Ein Bündnis aus verschiedenen nichtreligiösen, linken und liberalen Parteien hat sich nach der ersten Runde der Präsidentenwahlen in Ägypten zusammengeschlossen, um mit einem 12-Punkte Forderungskatalog Druck auf die beiden Gewinner auszuüben, also auf Muslimbruder Mohammad Mursi und den Ex-General Ahmed Shafik . Beide, die jeweils 25% der Stimmen im ersten Wahlgang auf sich vereinigen konnten, sind nun nämlich auf Unterstützung angewiesen, wollen sie die Stichwahl in knapp drei Wochen gewinnen. Und deshalb werden sie gezwungen sein, Kompromisse einzugehen und Zugeständnisse zu machen. Und es scheint das Bündnis ist nicht bereit sich billig zu verkaufen. Schließlich gibt es drei einflussreiche Machtblöcke in Ägypten: neben Militär und Islamisten die, die sich Revolutionäre nennen und den Tahrir-Platz für sich reklamieren. Auch wenn, und gedankt sei ihm für den Mut, Ahmed Khairy von der Free Egyptians Party von einer Wahl zwischen an “Islamic fascist” and a “military fascist”sprach, eröffnen  sich doch neue Perspektiven, sollte es der Opposition gegen Islamisten und Militär denn diesmal gelingen, ihre Front united zu halten:

Leftist and liberal political forces behind new coalition group The United Front, which includes former presidential hopefuls Amr Moussa and Khaled Ali, will announce Wednesday “The Document of The Pledge” detailing 12 actions to protect the revolution and ensure a civil state, that the upcoming president must vow to follow.  (…)

It also demands that the upcoming president start negotiations to form a new coalition government that will include women, youth and Christians as well as being representative of all Egypt’s political forces. The name of the prime minister, the document added, must also be made public before the runoffs.

The document emphasised the right of the Egyptian people to resist and revolt should the next president not respect the 12 articles or in cases of constitutional, public freedom or human rights violations. (…)

The United Front includes a number of leaders from key political parties and movements, such as National Association for Change’s coordinator Abdel-Galil Mostafa, Free Egyptians Party head Ahmed Said, the Egyptian Social Democratic party’s Mohamed Abul Ghar , Ghad El-Thawra founder Ayman Nour,  Socialist popular alliance Party leader Abdel-Ghafr Shukr and the Karama Party leader Mohamed Sami. It also includes representatives from El-Adl Party, the Social Democratic Front Party and Masr El-Horreya Party.

Die ägyptischen Wahlen sind nun keineswegs nur eine innenpolitische Angelgenheit, auch die Golfstaaten haben kräftig mitgemischt … Qatar etwa, indem es die Muslimbrüder, Saudi Arabien indem es den unabhängigen Islamisten Foutouh gegen die Muslimbrüder unterstützt hat. Nun muss Saudi Arabien sich umorientieren, denn mit den Muslimbrüdern kann das Haus Saud überhaupt nicht:

It is now likely to support Shafiq’s campaign. Should he fail, the Saudis are unlikely to rush to rescue Egypt from oncoming bankruptcy. They will be content to leave the former Nasserite powerhouse to its political and economic woes.

30. Mai 2012, 00.25 Uhr:

Wahlen in Benghazi

von Thomas von der Osten-Sacken

Drei Berichte über die Kommunalwahlen, die vergangene Woche in Benghazi abgehalten wurden und so gar nicht dem Bild von einem Land entsprechen, dass in Anarchie und Bandenterror versinkt.

Aus der Tripoli Post:

What a pleasant surprise it was to witness the smooth trouble free Benghazi elections! As I flicked through the many Libyan social media pages reporting on the event I saw long-winding queues of men and women waiting patiently and happily for their turn to vote while young activists and event organisers distributed water to the waiting crowds.

And how proudly the citizens of Benghazi displayed their ink-stained fingers as they exited their polling centres. I was moved to tears to see a man sinking to his knees in gratitude to God for granting us these historical moments. (…)

Benghazi has shown the rest of Libya that it can be done; that Libyans who were soldiers at times of war can make the transition to model civilians at times of peace too. Benghazi showed us all how it’s done. Tajoura, Zuwara and Misurata, who held successful local elections before, gave the local elections a torch to Benghazi, and Benghazi certainly did not disappoint .

Aus Middle East Online:

The elections in Libya’s second largest city could give early indications to Libyans’ ability to practice democracy in its best form. International and national observers praised the role of the civic society in the city, and there was also great deal of praise to the Supreme Security Committee that secured the city and elections process on the day and long before that. (…)

Another fascinating result from the Benghazi elections was the winning of female candidate Najat El Kikhia with the highest share of votes of all candidates. Najat who is an associate lecturer in statistics at Benghazi University won the trust of the people in her voting district, and such vote proves that Libyans are prepared to give their trust and vote for a female candidate as much as they would for a male candidate, if that candidate showed competence and ability to represent the aspirations and needs of the people.

Und von Al Jazeera:

What I saw at the polling stations in Benghazi on Saturday was amazing: The spirit of the people, the happiness in their eyes, the smiles. Some had never voted in their lives.  I even saw a blind man making the effort, helped out by Benghazi election committee workers at Tarik Ben Zyad school.

Another voter was holding the hand of his elderly mother; both were smiling, you just sensed how happy they were after they dipped their fingers in the durable ink. (…)

Many observers think that if Benghazi succeeds, the rest of Libya will follow. Many see these elections as the first step towards building a civil and democratic state.


Schmeicheln Sie uns!

Falls Sie Ihre Wertschätzung für unsere Website ausdrücken möchten, können Sie dies mithilfe des Mikro-Bezahlsystems Flattr tun. Benutzen Sie einfach den folgenden Button:

Mehr Informationen auf flattr.com

RM16

Werden Sie ein Fan!

Jungle World
auf Facebook

Sie müssen sich nicht für Facebook registrieren, um unsere Seite zu betrachten. Na gut, dann …