Kaffeekollektiv Aroma Zapatista
Kürzliche Beiträge
12. Mai 2011, 03.58 Uhr:

Nahostdiktaturen - auch eine Genderfrage?

von Oliver M. Piecha

Wie häßlich ist das doch alles, diese Realität, ohne das bezaubernde Beiwerk. Erträgt man das denn dann überhaupt noch? Zum Beispiel Syrien! Und das Hübsche schwindet so schnell dahin, ja, es wird brutal abgerobbt, der Charme, die Schönheit, die … “Rose der Wüste", wie Asma al-Assad, die Frau von Baschar, dem Schlächter, noch jüngst (im Februar!) von der Modezeitschrift Vogue genannt wurde; ach, nun ist sie angeblich außer Landes, das Gemetzel ihres Gemahls und der Großfamilie hat sie mutmaßlich verstört, auch der schöne Vogue-Beitrag wurde nun im Netz gesperrt (der, das darf man der syrischen Propaganda eher als der Vogue zu Gute halten, bereits im Dezember produziert wurde…), vielleicht geht es ihr ja auch nur darum, einen neuen Kindergartenplatz für das Exil anzumelden. Weltgeschichte ist halt das Weltgericht, und alles ist plötzlich so häßlich, so böse; Bilder der “Rose", wie sie fotogen den Schal vor dem Panorama von Damaskus um sich schlingt (jeder Besucher der Stadt stand auf diesem Berg und hat die Aussicht gepriesen!), wer wollte das kontrastieren mit den Youtube-Aufnahmen von toten Demonstranten, im Hintergrund das seltsam trockene klack-klack-klack der Kalaschnikows.
Gezielte Kopfschüsse.
Ach, glückliche Zeiten damals, vor 2011, als sie noch in kontemplativer Stille ihren Tee nehmen konnte (sie ist wohlbehütet in England aufgewachsen). Und keine Schüsse, kein Gejammer drangen an ihr Ohr. Folter war etwas jahrzehntelang sehr Untergründiges in diesem Lande. Untergründig, aber bodenständig.

Warum hat sie bloß den künftigen Herrn Syriens geheiratet (Assad Junior war damals Augenarzt in England, bei ihren ersten Treffen)? Sie kann sich nicht herausreden, sie hätte keine andere Möglichkeit gehabt. Sie ist genau genommen eine Engländerin. Fieseste moralische Verkommenheit bei nettestem Aussehen? Ein eingekauftes demonstratives Zivilisationsobjekt mit nun angehängtem Leichengeruch?
Erklären uns das Genderforscher und Genderforscherinnen? Welche Rolle haben eigentlich Frauen in diesen ganzen wahnsinnigen Nahostdiktaturen – an der Spitze – bisher gespielt? Ein seltsam offenes Feld.

Gibt es zum Beispiel eine einzige bisher biographisch konkret ausdeutbare Frauenfigur in Saddam Husseins Leben? Seine irren Söhne kennen wir – hat jemand einmal weitergefragt? Wo sind die Frauen der Diktatoren? Haben die wirklich alles alleine gemacht? Da ist eine Susanne Mubarak, es gibt auch eine Leila Ben Ali,
aber sie sind bisher geschichtsoffiziell bloß Anhängsel ihrer verdorben Diktatorenbrut.

Ist das wirklich alles? Schmückendes Beiwerk? Die Ganierung eines Leichenberges? Nur eine Frage.

12. Mai 2011, 00.33 Uhr:

Bewegung an der Front

von Thomas von der Osten-Sacken

Nachdem fast einen Monat lang eigentlich nichts an den Frontlinien in Libyen passiert ist, keine Seite irgendwelche strategischen Gewinne machen konnte, melden die Rebellen heute, ganz Misrata und auch den Flughafen unter Kontrolle zu haben:

Libyan rebels in the besieged western city of Misurata captured the city’s airport on Wednesday, marking another advance against forces loyal to long-time leader Muammar Gaddafi days after oppositon fighters broke through their lines to the west. (…)

Rebels have fought Gaddafi loyalists street by street for weeks, and the taking of the airport represents a significant territorial gain. The advance comes two days after rebels broke through the government’s lines west of Misurata, reportedly pushing as far as Qaryat az Zurayq, around 20km away.

11. Mai 2011, 23.20 Uhr:

Islamophobe Integrationsprobleme

von Oliver M. Piecha

„Islamische Republik Iran“ alias Lotterland. So geht das wirklich nicht weiter. Nachdem endlich gegen die Exorzisten- und Zaubererbande Ahmedinejads vorgegangen worden ist, sind jetzt wieder einmal die Konterrevolutionäre dran, die wie „Models“ aussehen und gerne auch mal einen Drink nehmen. Seltsam nur, daß sich nach 30 Jahren großer islamischer Revolution dort draußen immer noch subversive Elemente herumtreiben, die ihr Kopftuch einfach nicht ordentlich tragen mögen. Irgendwie islamophob, oder? Vermutlich ist da die Integration in die „Islamische Republik“ nicht wirklich gelungen. Schade eigentlich, daß die „Islamische Republik Iran“ noch nicht auf solche deutschen Spezialisten wie Sabine Schiffer oder Patrick Bahners zurückgegriffen hat, die hätten den Iranern schnell erklärt, was sich kulturell und religiös geziemt. Dann müßten die armen beamteten Sittenwächter auch nicht im Sommer Überstunden schieben und sich die Handgelenke bis zur Sehnenscheidenentzündung heiß prügeln.

Iranian authorities have announced that “morality police” will hit city streets in greater numbers this summer to confront violations of the Islamic dress code and other public transgressions.

Commander Ahmad Rouzbehani, the head of “morality police forces,” announced that 70,000 officers would be deployed to enforce public morality regulations as the summer starts and there is greater movement of people during vacations.

“The police will take legal action against those who appear in public like models,” Rouzbehani announced.

“In some instances, some people have been seen to take off their head covering in their vehicles,” Rouzbehani said. Rejecting the explanation that the car is one’s personal space he added: “Such vehicles will be stopped and their passengers will be referred to the judiciary.”

Commander Rouzbehani also listed “installation of satellite dishes and sale of alcoholic drinks” as violations.

The head of Iranian police forces recently announced that walking dogs in public is against regulations and people caught walking their pets in public will be fined.

(Radio Zamaneh)

Salafisten oder Provokateure, die von Anhängern des alten Regimes bezahlt wurden? In Ägypten kursieren verschiedene Versionen über die Verantwortlichen für die Angriffe auf koptische Christen, bei denen 15 Menschen starben. Der Blogger Sandmonkey war am Ort des Geschehens: “The locals were busy trying to put out the fire, getting people out of the church and the adjacent building, cheering on and helping the Fire Fighters as they were putting out the fire and getting victims out. For about two hours I watched the population as they expressed their anger and frustration at those who burned the church”.

Weiterlesen.

11. Mai 2011, 17.17 Uhr:

Die Reaktion entfaltet das Königsbanner

von Oliver M. Piecha

Der Kampf der abgehalfterten Präsidialdiktatoren gegen den “Arabischen Frühling” ist die eine Front der nahöstlichen Reaktion - und sie ist gerade sehr intensiv mit dem Überleben und Niederkartätschen in den eigenen Ländern beschäftigt; der Klub der arabischen Monarchen ist mehr als einen Schritt weiter. Unter Führung Saudi Arabiens ist man unter dem Label des “Golf- Kooperationsrates” nicht nur in Bahrain zum koordinierten Gegenangriff übergegangen, nun gründet man offensichtlich so etwas wie die “Reaktionäre Front der Nahöstlichen Monarchen” (RFdNM). Marokko und Jordanien werden Mitglieder des Golf-Kooperationsrates, gleichwohl sie so gar nicht am Golf liegen. Damit sind aber alle arabischen Monarchen in einem Klub versammelt. Eine direkt anschließende Frage wäre, was nun mit der faktisch gelähmten Arabischen Liga wird, der jetzt ein regional ähnlich gestricktes, aber von gleichen Interessen geleitetes und potentiell handlungsfähiges Bündnis entgegensteht. Und wie wird Ägypten reagieren, der große “demokratische” Unruheherd, gegen den sich das Bündnis der Monarchen ebenfalls deutlich richtet?

11. Mai 2011, 12.08 Uhr:

Al Banna spricht

von Thomas von der Osten-Sacken

Der Bruder des Gründers der Muslimbrüderschaft äußert sich über die islamischen Parteien und Bewegungen in Ägypten:

Islamic scholar Gamal El-Banna has launched a stinging criticism of those he describes as “Salafists”, saying that their way of thinking does not realise what century it is.

At a conference organised by Ain publishing house in Alexandria on Monday, El-Banna explained that while Salafist leaders drive expensive cars, use high-tech computers and live in palatial homes, they remain oblivious to the rules of their time.

He sarcastically commented on the Salafist movement’s “invention of a punishment which dictates that ears should be cut and that shrines should be destroyed,” saying that “it only distorts the image of Islam.”

El-Banna went further, tearing apart their claims to legitimacy by stating that Salafists do not adhere to the traditions of the Prophet and his companions, neither in ethics nor in thoughts.

He proceeded to focus on the Muslim Brotherhood. The scholar, brother of the Brotherhood’s founder Hassan El-Banna, expects that their new Freedom and Justice political party will result in disagreements and divisions within the group. This, he believes, will create a gulf between the Brotherhood’s political party line and that of the organisation.

As for Al-Jamaa Al-Islamiya (the Islamic Group), El-Banna added that their members are faithful to their cause and that they were on the right track until they unfortunately decided to resort to violence. He noted that they have now renounced violence and returned to their old path.

10. Mai 2011, 17.47 Uhr:

Bahrain: Torture, intimidation and humiliation

von Thomas von der Osten-Sacken

Hier ein längerer Bericht aus dem Independent, der beschreibt, wie in Bahrain gegen die Opposition und jene vorgegangen wird, die an den Demonstrationen teilgenommen haben:

Harrowing testimony of torture, intimidation and humiliation from a doctor arrested in the crackdown on medical staff in Bahrain has revealed the lengths to which the regime’s security forces are prepared to go to quash pro-democracy protests.

Interviews obtained by The Independent from inside Bahrain tell of ransacked hospitals and of terrified medical staff beaten, interrogated and forced into signing false confessions. Many have been detained, their fate unknown.

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