Wenn der letzte Demonstrant erschossen worden ist, dann ist alles wieder gut. Die Logik des Assad-Regimes, die sich Europäer und Amerikaner ebenfalls zu eigen gemacht haben, ist nicht besonders kompliziert. Gerade bewegen sich die Panzerkolonnen auf die Stadt Hama zu, während bei der EU heute wieder sehr intensiv drüber diskutiert werden wird, ob man den Präsidenten dieses Schlächterregimes nicht doch namentlich auf einer sowieso nur symbolisch zu deutenden Sanktionsliste erwähnen sollte.
Bouthaina Shaaban, Sprecherin und Aushängeschild des Regimes, sie soll übrigens eine deutliche Befürworterin von “Reformen” sein (doch, doch, kein Witz), gibt sich im Gespräch mit der New York Times siegesgewiß. Das Schlimmste für das Regime ist vorüber, jetzt kommen und zwar gleich demnächst - richtig geraten - “Reformen"! Die Ereignisse seien ja auch eine “Möglichkeit zu versuchen, sich auf vielen Ebenen weiterzubewegen". Den “nationalen Dialog” will sie auch gleich aufnehmen, sobald endültig Ruhe eingekehrt ist. Ein Dialog mit Särgen. Shaaban denkt, nächste Woche ist es soweit, dann herrscht endlich wieder Totenruhe in Syrien.
Und sie lobt die kooperativen Partner im Weißen Haus und in der EU:
She described the statements from President Obama and Secretary of State Hillary Rodham Clinton as “not too bad” and said that the sanctions themselves — imposed by the United States last month and the European Union this week — were manageable.
“This is a weapon used against us many times,” she said. “Once security is back, everything can be arranged. We’re not going to live in this crisis forever.”
Wie damals 2009 im Iran, sogar mit tätiger Hilfe aus Teheran, wird der Aufstand in Syrien blutig niedergewalzt und der Westen schaut zu, denkt mal über Sanktionen nach und findet ansonsten, dass Assad eigentlich doch im tiefsten Herzen ein Reformer ist und man ihn nur mal machen lassen sollte:
Syrian security forces have arrested hundreds of activists and anti-government protesters in house-to-house raids across the country, part of an escalating government crackdown aimed at stamping out the nationwide revolt engulfing the country.
Das Regime der “Islamischen Republik Iran” beherrscht es ganz besonders gut, das Schachern um Staatsgeiseln, erinnert sei an die beiden deutschen Reporter, aber auch an die beiden jungen Amerikaner, die seit bald zwei Jahren in Teheran in Haft sitzen, wobei man ihnen letztlich nur vorwirft, die Grenze illegal überschritten zu haben (woraus bei Bedarf auf Knopfdruck natürlich ein Spionagevorwurf werden kann).
In Teheran ist man so souverän, das Geiselspiel offen zu spielen, man führt seine Beute vor und erniedrigt sie, man geht offen mit ihr hausieren. Das syrische Regime ist da nicht so souverän, es gilt weiterhin, die Fassade aufrecht zu halten. Baschar al Assad ist doch schließlich ein ganz Netter, oder? Er trägt Krawatten und wäre doch eigentlich gerne ein Reformer, nicht?
Im März wurden sieben estnische Touristen im Libanon entführt. Zurück blieben nur ihre Fahrräder und Rucksäcke. Zufällig in einer Gegend, wo die Hisbollah das Sagen hat. Eine bisher unbekannte Gruppe übernahm schließlich die Verantwortung, aber ohne recht sagen zu wollen, was man eigentlich für die Freilassung forderte.
Die Esten, hieß es zuletzt immer wieder, hätten in der EU Sanktionsbestrebungen gegen Syrien behindert. Liegt es gar an der estnischen Regierung, daß Baschar al Assad von den nun beschlossenen zahmen Sanktionen nicht persönlich betroffen ist?
Zufälle gibt es, also seltsam.
Erfreulich waere, die Meldung stimmte, und unter den, in Osama bin Ladens pakistanischer Villa gefundenen, Dokumenten befaenden sich Hinweise, die zu Ayman al Zawahiri, dem neuen Kopf von Al Qaida fuehrten:
CBS News reported Friday afternoon that among the digital and handwritten materials that the Navy SEALs snatched during the raid that killed Osama Bin Laden may lead U.S. forces to the location of Zawahiri.
Nein, mag sie in der ganzen Region nicht die Saudis, ihr Auftreten, ihr klerikalautokratisches System, ihre Bigotterie. So gar nicht. Und gut, dass sie es merken. Vor allem diejenigen unter ihnen, die ebenfalls die Nase voll haben:
A Saudi colleague sent me this (I cite with her/his permission): “Yes so many Arabs hate the Saudis. I was in Morocco a couple of weeks ago and I couldn’t believe how much they hate the regime. I had to conceal my identity and say that I am Lebanese to avoid hostility. Even among the Berbers who can hardly speak Arabic, I found anger. I am not surprised, the saudis have turned their country into a seasonal bordello for regime geriatrics, suffering from permanent impotency! Tunisians in paris hate our guts for sheltering their dictator. I think all this reveals good signs, the end is approaching.”
Da debattiert die EU, waehrend in De’ra, Banyas und anderswo syrische Sicherheitskraefte weiter morden, ueber Sanktionen gegen Syrien, die, wie es aussieht eh recht schwach ausfallen und deshalb das dortige Regime nur maessig beeindrucken werden, und Streitpunkt ist ausgerechnet die Frage, ob diese Massnahmen auch fuer den Praesidenten gelten sollen. Hat man sich wirklich per Autosuggestion eingeredet, Assad sei doch irgendwie nicht Teil des Ganzen, so nach dem altbekannten Motto “Wenn der Fuehrer nur wuesste?", oder will man es sich doch nicht ganz verscherzen mit dem “Reformer” und gutem Geschaeftspartner in Damaskus?:
The European Union may reach preliminary agreement on imposing sanctions on Syria’s leadership on Friday, but have yet to decide whether President Bashar al-Assad should be included, diplomats told the Reuters press agency.
Dass Geschäftleute, die dem Regime Hosni Mubaraks eng verbunden waren, in Handschellen abgeführt werden, ist in Ägypten keine Seltenheit. Nun wurde der ehemalige Innenminister Habib al-Adli wegen Korruption zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt. Doch der Eifer der Ermittler stößt auch auf Widerspruch, denn offenbar war die Korruption so weit verbreitet, dass befürchtet wird, es werde kaum noch ein Unternehmer übrigbleiben: “Dig too deep, claim some influential commentators, and Egypt risks destroying successful companies, scaring off investors and causing long-term economic damage. (…) Insiders talk of a ‘culture of anxiety’ within Egypt’s business community, as members speculate on whom the prosecutor general will target next. Several prominent businessmen Ahram Online tried to interview had already relocated abroad.”
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