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Jürgen Kiontke: Über das Projekt »Labournet.tv« 

Arbeiterkino

»Labournet« ist das neue Youtube für ­Arbeiterkämpfe.

von Jürgen Kiontke

Ein Flashmob im Westin St. Francis Hotel, San Francisco: Mit einer umgedichteten Version von Lady Gagas »Bad Romance« unterstützt eine Gruppe Aktivisten einen Boykott, den die Hotel- angestellten selbst ausgerufen haben. Denn die hätten gern eine bezahlbare Gesundheitsvorsorge, die ihnen vom Unternehmen aber versagt bleibt. Das lässt sich die Gewerkschaft nicht bieten und singt: »Don’t get caught in a bad hotel.«

Solche Videos konnte man bisher bei Youtube finden, wenn man wollte. Nun aber gibt es auch noch ein eigenes großes Archiv solcher Filme über soziale Auseinandersetzungen. Die unabhängige Homepage Labournet, die bisher Berichte aus aller Herren Länder zum Thema Arbeitskampf sammelte und veröffentlichte, stellt nun solche und andere Beiträge von sozialen Kämpfen ins Netz und nennt das Ganze »Labournet.tv«.

Zunächst umfasst das Archiv 250 Filme; sie sind nach Kategorien wie Ländern, Branchen und Themen sortiert. Die meisten sind kostenlos abrufbar. Wo dies nicht möglich ist, weil zum Beispiel Urheberrechte verletzt werden, findet sich immerhin noch die Kontaktadresse des Verleihers.

»Aktualität hat Vorrang«, sagt Bärbel Schönafinger, Filmregisseurin mit Schwerpunkt Soziales und Redakteurin der Seite. Filme über gerade laufende Auseinandersetzungen würden bevorzugt behandelt – Kamera an und los geht’s.

Diese Aktualität bedingt leider auch, dass es manchmal mit der Qualität hapert. Oft dominiert ein stark agitatorischer Ton, und nicht überall sind die Informationen so schön komprimiert wie in der »Bad Hotel«-Performance. So lässt ein Video über die aktuellen Auseinandersetzungen bei Fiat in Italien zwar die Beteiligten zu Wort kommen, allerdings fehlen zentrale Hinweise, worum es bei den Streitigkeiten überhaupt geht. Es gibt jedoch auch sehr gute, strukturiertere Beiträge.

»Teuer produzierte Streifen«, die jeden emanzipativen Ansatz vermissen lassen, werden hingegen nicht berücksichtigt. Schönafinger sagt: »Die Filme sollen zeigen, dass es sinnvoll ist, sich zusammenzutun, sich für die eigenen Interessen einzusetzen und sich von scheinbar übermächtigen Gegnern nicht einschüchtern zu lassen.«

http://de.labournet.tv