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Thomas von der Osten-Sacken:'Wir Hezbollah nehmen euch Bastarde auseinander'
27. Juni 2016, 19.41 Uhr:

'Wir Hezbollah nehmen euch Bastarde auseinander'

von Thomas von der Osten-Sacken

Al-Quds-Tag auch in Nürnberg

Gastbeitrag von Felix Balandat

Die “Friedensinitative Nürnberg” ruft zu einer Kundgebung “Gegen Zionismus und Antisemitismus” in der Nürnberer Innenstadt auf. Dies bestätigte das Ordnungsamt auf Anfrage. Die für den 1. Juli angekündigte Veranstaltung bezieht sich direkt auf den al-Quds-Tag, der von Ayatollah Chomeini 1979 im Iran eingeführt wurde und heute vor allem bei schiitischen bzw. palästinensischen Muslimen auf der ganzen Welt Verbreitung findet. Der Tag wird zu Massendemonstrationen genutzt, auf denen die „Befreiung Jerusalems von den zionistischen Besatzern“ gefordert wird. Regelmäßig wird Israel mit der Vernichtung gedroht. Al-Quds ist arabisch für Jerusalem.

Der Aufruf des geplanten Nürnberger Ablegers ist bislang dürftig. Auf der mittlerweile gelöschten Facebook-Seite der Veranstaltung schreibt Ümit Erdem, einer der Organisatoren:

„Gemeinsam gegen Zionismus und Antisemitismus!!!

Aufruf zur Kundgebung am internationalen Jerusalemtag!

Für ein freies Palästina und ein gleichberechtigtes Zusammenleben aller Religionsgemeinschaften“.

Erdem schreibt außerdem: „Zionismus ist Faschismus. Boykott Israel“. Der Organisator Velayet Dost Aytan sagt: „Zionismus ist eine Art Nationalsozialismus“. Außerdem behauptet er, der „Terrorstaat Israel“ würde den IS unterstützen.

Mittlerweile ist eine Diskussion zwischen Sympathisanten der Kundgebung und Kritikern entstanden. Einige Kommentatoren feiern offen den Holocaust. „Ich verfluche den tag wo HITLER euch alle nicht vergast hat oder eure Nation nicht verrottet hat“, schreibt ein Cantekin Aytan. Andere User äußern Beschimpfungen wie „dreckige Judenschweine“. Ein Ahmet Celik erklärt: „Wir hezbollah nehmen euch Bastarde auseinander“.

Jo-Achim Hamburger, Pressesprecher der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg, hat bereits die Polizei informiert. „Wir hoffen, dass die Veranstaltung verboten wird“, sagt er. Gegen Zionismus und Antisemitismus zu demonstrieren sei perfide. Man könnte genau so gut gegen Fremdenhass und Migranten auf die Straße gehen. „Gegen Zionismus zu demonstrieren heißt die Vernichtung des jüdischen Volkes in Israel zu wollen“, erklärt Hamburger. Die Veranstalter betrieben eine Täter-Opfer-Umkehr und Delegitimierung des Staates Israel, wie sie für Antisemiten typisch ist. Der Begriff des Antizionismus ist im Zuge der Tabuisierung des Antisemitismus von Judenhassern geprägt worden und findet in allen gesellschaftlichen Schichten eine gewisse Verbreitung. Hamburger weist auf die zahlreichen jüngsten islamistischen Anschläge hin, die antizionistisch und damit antisemitisch motiviert seien. Hinter der geplanten al-Quds-Veranstaltung in Nürnberg sieht Hamburger radikale Islamisten im türkischen Gewande. Die Internetpräsenz der „Friedensinitiative Nürnberg“ bietet auch eine türkische Version an, die Anmelder der Kundgebung tragen türkische Namen.

Die zentrale al-Quds-Demonstration findet seit Mitte der 90er Jahre in Berlin statt. 2014 kam es dabei zu „Sieg Heil“-Rufen, Demonstranten riefen „Zionisten ins Gas“. In einem Gutachten für den Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration wurden 2004 islamistische, demokratiefeindliche und antisemitische Aktivitäten rund um den al-Quds-Tag in Deutschland festgestellt. Heuer sind am 2. Juli al-Quds-Demonstrationen in Berlin und Wien geplant. Bereits 2013 rief die schiitische Nürnberger „Ahlulbayt-Jugend“ zu einem al-Quds-Tag in Nürnberg auf.

Bereits 2014 demonstrierten mehrere hundert Menschen im Zuge der miltiärischen Intervention Israels in Gaza “Für den Frieden” und stürmten im Anschluss ein Fastfood-Restaurant, in der Annahme, der Konzern sei in der Hand von “Zionisten":

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